Die FDP ist jung, smart und männlich

Jung und elegant: Philipp Rösler verkörpert einen Politikertyp, der sich in der FDP immer mehr durchsetzt. Foto: dapd
Jung und elegant: Philipp Rösler verkörpert einen Politikertyp, der sich in der FDP immer mehr durchsetzt. Foto: dapd
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Keine Partei ist männlicher als die FDP. Die jungen, smarten Herren geben jetzt bei den Liberalen den Ton an. Frauen haben es in dieser Partei immer schwerer. Immer wieder haben sie eine Quote gefordert, aber daraus wird wohl wieder nichts.

Essen/Berlin.. Wer jung ist, smart und männlich, wer nach oben will und dabei seinesgleichen sucht, unbehelligt von weiblicher Konkurrenz – der findet in der FDP eine Heimat. Mit dem Top-Trio Rösler/Lindner/Bahr hat ein ganz bestimmter Politikertyp bei den Liberalen die Oberhand gewonnen. Tatsächlich ist die ganze Partei eher männlich. Und in der Bundestagsfraktion sitzen noch fast zwei Dutzend junge, smarte Herren.

Die Zukunft der FDP heißt Florian Bernschneider (24), Christoph Schnurr (27) oder Johannes Vogel (29). In der Bundestagsfraktion liegt der Frauenanteil bei dürren 24,7 Prozent. Zum Vergleich: Die Grünen kommen auf 54, die SPD auf 38 Prozent. Von 23 FDP-Abgeordneten unter 40 Jahren sind nur drei weiblich. Überall in der liberalen Welt gilt: Das Netzwerk der Jungmänner ist dicht. Frauen sind außen vor. Immerhin bringen die neuen Protagonisten eine fast weiblich anmutende Vision in die FDP zurück: den „mitfühlenden Liberalismus“.

Annette Littmann hat neulich auf den Putz gehauen. Die Ex-Fraktionschefin der FDP in Dortmund grollte beim Landesparteitag in Duisburg gegen die „Boygroup“ um Rösler und die „jungen Milden“. Die Entwicklung der Partei ist Littmann nicht geheuer. Früher war sie gegen die Frauenquote, heute ist sie dafür: „Junge liberale Frauen meinen: Ich bin jung und gut, und deshalb werde ich es auch schaffen. Aber kaum eine schafft es. Manchmal wird einer mal ein Mandat zugestanden. Wir bräuchten eine moderate Quote von 30 oder etwas mehr Prozent.“ Die Dortmunderin denkt spontan an Katja Suding (35), die die Hamburger FDP wieder in die Bürgerschaft geführt hatte. „Sie wurde für einen Sitz im Präsidium gehandelt. Aber kaum ist sie im Gespräch, schreien einige Männer auf und sagen: Sie ist noch zu jung.“

Homburger passt nicht ins Schema

Zwar redet der künftige Parteivorsitzende davon, Frauen in der FDP fördern zu wollen. Doch Röslers Wunsch kommt halbherzig daher: Schließlich bremst die Jungmänner-Partei die Frauenquote aus. Daniel Bahr, der von seinem Freund Rösler das Gesundheitsministerium übernehmen soll, hielt es im WAZ-Interview zu Jahresbeginn nicht einmal für nötig, die Frage nach der Quote zu beantworten.

Was zu einer Politik, die von Männerbünden dominiert wird, passt: Wenn Wahlen so heftig verloren gehen wie jüngst in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz, dann trägt schnell die Verantwortung, wer nicht zu diesen Bünden gehört. In diesem Fall ist es Birgit Homburger, weiblich, betulich, mittelalt. Rainer Brüderle, der in die Kategorie „älterer Herr“ passt, mag auch seinen Teil zu den Niederlagen beigetragen haben. Aber an den knurrigen Senior trauen sich die Jungen nicht ran. Er bekommt Homburgers Job.

Der Antrag „S 5“, den die FDP am Freitag auf ihrem Bundes­parteitag in Rostock debattieren will, ist zehn Seiten stark. Die parteiinterne Bundesvereinigung Liberale Frauen e.V. fieselt darin auseinander, woran es den Liberalen trotz gegen­läufiger Initiativen seit bald 25 Jahren gebricht: an Frauen.Darum fordert sie, den ­Frauenanteil in der FDP auf 40 Prozent festzuschreiben. Ein Ansinnen, das zum Scheitern verurteilt ist, bevor der Parteitag begonnen hat. Wie Generalsekretär Christian Lindner, kein Freund einer Frauenquote, gestern sagte, könne der Antrag aus „satzungstechnischen Gründen“ nicht behandelt werden. Ein kommender Parteitag werde sich aber mit der wichtigen Frauen-Frage beschäftigen.

Elf vergebliche Vorstöße seit 1987

Von 1987 an haben die ­liberalen Führungsgremien elf „Förderpläne“, Offensiven“, „Initiativen“ und „Mentoring-Programme“ im Bundesvorstand verabschiedet, um die FDP weiblicher zu machen. Resultat: gleich Null. Der Frauenanteil ist nicht gestiegen. Im Gegenteil. In 12 von 16 Ländern ist er sogar rückläufig – von 25 Prozent (1987) auf 22,8 Prozent (2009).Der designierte Parteichef Philipp Rösler drängt darauf, dass in Rostock mehr Frauen in die Bundesspitze gewählt werden. Derzeit sind in der neunköpfigen Parteiführung drei Frauen vertreten. Eine – Cornelia Pieper – scheidet aus.

Die FDP ist mancherorts annähernd so männlich wie ein Priesterseminar. Unter den Mitgliedern sind 77 Prozent Männer, die FDP wird vorwiegend von Männern gewählt, und bei den Jungen Liberalen (Julis) sind die Frauen auch keine Macht. Im Vorstand der NRW-Julis sitzen neun Männer und zwei Frauen – nur als Beisitzer.

Warum ist die FDP für junge Männer so attraktiv? Annette Littmann vermutet: „Das Freiheitsbild, für das die FDP steht, scheint junge Männer besonders zu faszinieren. Sie wollen erfolgreich, selbstständig, unabhängig sein.“

Ohne Netz läuft nichts

Der Duisburger Politikwissenschaftler Karl-Rudolf Korte glaubt, dass die Wirtschaftspartei-Aura der FDP die Herren lockt. „Die smarten Politiker gleichen den smarten Wirtschafts-Studenten in den Unis. Markt, Selbstständigkeit, Eigentum. Diese Werte sind ein Alleinstellungsmerkmal der FDP, und manche zieht so etwas an“, sagt der Professor.

Parteienforscher Gerd Langguth erinnert daran, dass sich das bürgerliche Lager nie mit Leidenschaft der Frauenförderung gewidmet habe. Im Gegensatz zu den Grünen, deren Wurzeln auch in der Frauenbewegung liegen. Dass so viele junge Liberale im Bundestag sitzen, hat laut Langguth etwas mit dem guten Wahlergebnis der FDP zu tun: „Dadurch schafften Kandidaten von hinteren Listenplätzen den Sprung.“ Dumm nur, dass die Frauen nichts davon hatten. Langguth weiß, warum: „Liberale erobern selten Direktmandate, also müssen sie sich parteiintern gut aufstellen. Ohne Netzwerk bist du in der FDP verloren, und die Frauen dort haben kein funktionierendes Netz.“

Wählerin wird wichtiger

Die Männergesellschaft, die da heranreift, muss die Frauen also nicht fürchten. Bleibt nur die Frage, ob der Wähler das alles mitmacht? Karl-Rudolf Korte mahnt: „Immer mehr Frauen als Männer beteiligen sich an Wahlen.“ Es wird also in Zukunft immer wichtiger, um Wählerinnen zu werben. Ob die smarten Jungs der FDP das schaffen?

 
 

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