Die Ehec-Seuche ist noch lange nicht vorbei

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Essen/Berlin. Fast ein wenig hilflos schauen die Experten in die Kamera. Und fast ein wenig deplatziert wirken die vielen Danksagungen, die über die Mikrofone geschickt werden. Ilse Aigner, die Verbraucherministerin (CSU) dankt den Behörden, Daniel Bahr, der Gesundheitsminister (FDP) dankt den Ärzten und dem Pflegepersonal. Das ist nett. Doch steht nicht ein Dankeschön eher am Ende eines Erfolgs?

Davon ist man weit entfernt. Es gibt keinen Grund zur Entwarnung, sagt der Präsident des Robert-Koch-Instituts (RKI), Reinhard Burger, am Montag auf der Pressekonferenz in Berlin. „Der Ehec-Ausbruch ist noch nicht überstanden.“

Die Darmseuche hat erstmals Menschen außerhalb Norddeutschlands getötet. In Bad Lippstadt bei Paderborn starb eine 91-jährige Frau an den Folgen der gefährlichen Durchfallinfektion.

Ein weiteres Opfer in NRW starb im Kreis Gütersloh, eine 47-jährige Frau. Auch sie habe unter dem hämolytisch-urämischen Syndrom (HUS) gelitten, das zum gefürchteten Nierenversagen führen kann. Die Frau hatte sich, so das NRW-Gesundheitsministerium, Mitte Mai in Norddeutschland aufgehalten, wo es die meisten Betroffenen gibt. 352 HUS-Fälle seien es deutschlandweit, der Norden gilt als Zentrum. „In Norddeutschland zeigen die Patienten so schwere Verläufe, die Intensivmedizin gerät an ihre Grenzen“, so der RKI-Präsident.

Verbale Prügel für den Wissenschaftler

Ehec unter der LupeReinhard Burger sieht ein wenig blass aus, und es scheint ihn zu quälen, immer noch keine Entwarnung geben zu können. Immer noch nicht zu wissen, wo die Quelle der Ehec-Bakterien nun eigentlich liegt. Immer noch nicht zu wissen, warum es zu siebzig Prozent Frauen sind, die betroffen sind – von der Krankheit und von den schlimmen Komplikationen.

Die Warnung, auf rohes Gemüse, vor allem Tomaten, Gurken, Blattsalate zu verzichten, hält Burger aufrecht. Auch wenn er von den Bauern dafür verbale Prügel einstecken musste. Die Verbraucherministerin stärkt ihm den Rücken. Das frühzeitige Verzehrverbot sei richtig gewesen, sagt sie. Und es sei immer noch richtig. Ob es aber etwas gebracht hat oder bringen wird, weiß zurzeit noch keiner.

Die Spur zum Keim

Doch auch die zweite Studie, die das RKI an schwer kranken Patienten vorgenommen hat, habe den Verdacht auf verunreinigte Lebensmittel bestärkt, so Burger.

Verdacht, Vermutung – alles bleibt rätselhaft. Doch mehr als Spekulation könne man im Moment nicht bieten, so könnte man Andreas Hensels Äußerungen deuten. Der Herr vom Bundesinstitut für Risikobewertung versucht zu erklären, wie schwer es ist, dem Keim auf die Spur zu kommen. Es dauert Tage, bis der Erreger nachgewiesen ist. Da weiß doch kaum noch einer, was man in den Tagen vorher wirklich gegessen hat.

Ob Gesundheitsminister oder Risiko-Experte – ihnen bleibt nicht viel mehr, als zu sagen, dass es sich deutschlandweit um den schwersten Ehec-Ausbruch handelt. Der Trost, dass man mit Händewaschen und Küchenhygiene versuchen sollte, gesund zu bleiben, klingt jedoch abermals ein wenig hilflos.

 
 

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