Die Bundeswehr rüstet sich für den Krieg im Internet

Die Bundeswehr will eine neue Armee aufstellen zur Abwehr von Cyber-Attacken.
Die Bundeswehr will eine neue Armee aufstellen zur Abwehr von Cyber-Attacken.
Foto: Lino Mirgeler / dpa
Der Krieg der Zukunft findet online statt. Die Bundeswehr baut Kräfte auf zur Abwehr von Cyber-Attacken. Auch Angriffe sind geplant.

Berlin/Bonn.  Die Szenarien sind düster: Saboteure legen Krankenhäuser und Stromnetze lahm. Hacker greifen die Steuerungseinheiten von Atomkraftwerken an. Terroristen schleusen Viren in die Netzwerke von Sicherheitsbehörden ein.

Attentäter zerstören die digitale Infrastruktur und schicken die Bundesrepublik zurück in die Steinzeit. Auch wenn Horror-Szenarien vom Cyberkrieg bislang vor allem über Filmleinwände spuken: Die digitale Bedrohung ist längst real.

Cyber-Angriffe keine Fiktion mehr

Das Verteidigungsministerium warnt: „Cyber-Angriffe auf Staaten und deren kritische Infrastrukturen sind schon lange keine Fiktion mehr, sondern Realität.“ Ministerin Ursula von der Leyen (CDU) hat das Internet zum Schlachtfeld der Zukunft erklärt. Die Bundeswehr stellt deshalb kommende Woche eine Art neue Teilstreitkraft in den Dienst.

Neben Heer, Marine und Luftwaffe wird eine neue Organisationseinheit mit 13.500 Soldaten und zivilen Mitarbeitern aufgebaut. Denn Angriffe kommen längst nicht mehr nur über Wasser, Land oder aus der Luft.

Bündelung der vorhandenen Fähigkeiten

Die IT-Soldaten sollen ein marineblaues Barett tragen. Der Begriff Cyber-Armee weckt aber falsche Vorstellungen. Mehr als 20.000 Soldaten und Zivilisten beschäftigen sich bereits in Dutzenden Referaten und Dienststellen mit dem Thema. Bisher sind sie aber in vielen unterschiedlichen Abteilungen untergebracht. Die vorhandenen Fähigkeiten werden nun gebündelt. „Die zersplitterten Strukturen werden jetzt zusammengeführt“, sagt ein Sprecher des Ministeriums. Sie sollen künftig Waffensysteme und Computernetze der Bundeswehr schützen.

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Allein in den ersten neun Wochen des Jahres zählte die Behörde 284.000 Cyber-Attacken auf die Rechner der Streitkräfte. Bei der Cyber-Abwehr hinkt Deutschland den USA, China und Russland hinterher. „Wir müssen viel mehr tun, um unsere Systeme zu schützen“, sagt der SPD-Verteidigungsexperte Rainer Arnold.

Schwerpunkt auf Cyber-Verteidigung

Einst lautete die Devise, die deutsche Freiheit am Hindukusch zu verteidigen. „Künftig wird die Sicherheit Deutschlands auch im Cyber- und Informationsraum zu verteidigen sein“, heißt es nun im Ministerium.

Der Schwerpunkt soll zwar auf Verteidigung liegen. Die Cyber-Truppe soll aber auch zu Angriffen in der Lage sein. Darüber wird aber kaum geredet. Die Bundeswehr übt bereits seit vielen Jahren Cyber-Attacken in einer kleinen, geheim agierenden Einheit in Rheinbach bei Bonn.

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Grenzen bleiben vage

Der offensive Cyberkrieg wirft Fragen auf. Grünen-Verteidigungsexpertin Agnieszka Brugger sieht darin „erhebliche Gefahren und ein großes Eskalationspotenzial“. „Zudem bleibt Frau von der Leyen bisher auch gefährlich vage, wo die Grenzen solcher Einsätze liegen sollen.“

Das Eindringen ins Datennetz eines Gegners müsste – wie Einsätze mit Jets, Schiffen und Panzern - vom Bundestag genehmigt werden. „Der Einsatz der Bundeswehr im Cyberraum unterliegt denselben rechtlichen Voraussetzungen wie jeder andere Einsatz deutscher Streitkräfte“, schreibt das Ministerium. Die parlamentarische Kontrolle bedarf noch der Klärung, sagt auch Arnold.

1800 Stellen zu besetzen

Für den Krieg der Zukunft muss die Bundeswehr aber erstmal die Reihen der Informatiker-Armee füllen. Allein in diesem Jahr sucht die Truppe rund 1000 IT-Soldaten und 800 IT-Administratoren. Die Bundeswehr konkurriert mit der freien Wirtschaft um Experten.

Für eine „Cyber-Reserve“ sollen ungediente Freiwillige und Seiteneinsteiger gewonnen werden. Die Besoldung müsse wettbewerbsfähig gemacht werden, fordert Arnold. Gerade weil aber die Konkurrenz in dem Bereich so groß ist, will die Truppe selbst IT-Fachkräfte ausbilden. In München etwa entsteht an der Bundeswehr-Uni ein Cyber-Forschungszentrum und ein Master-Studiengang. (dpa)

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