Die Behandlung in Pflegeheimen wird besser

Marc-André Podgornik
Foto: Horstgünter Siemon
Experten sehen weiter Nachholbedarf – Freiheitsentzug bemängelt

Berlin/Dortmund. Die Qualität der Pflege in Pflegeheimen und von ambulanten Pflegediensten hat sich leicht verbessert. Das stellt der 3. Pflege-Qualitätsbericht fest, den der Medizinische Dienst des GKV-Spitzenverbandes (MDS) gestern in Berlin vorstellte. Kritik kommt von der Patientenschutzorganisation Deutsche Hospiz Stiftung und vom Deutschen Ethikrat. Sie sehen großen Verbesserungsbedarf in vielen Pflegebereichen. Vor allem bei der Ernährung und Flüssigkeitsversorgung sowie im Umgang mit Menschen mit Demenz gab es, laut MDS, Fortschritte im Vergleich zum Bericht aus dem Jahr 2007. Bei anderen Pflegeproblemen – etwa, wenn es darum geht, ein Druckgeschwür zu vermeiden – offenbaren sich große Defizite. „Die Pflegebedürftigen werden heute besser versorgt als noch vor einigen Jahren. Es gibt aber nach wie vor viel zu tun“, so Gernot Kiefer, Vorstand des GKV-Spitzenverbandes.

Die Qualitätsprüfer des MDS untersuchten zwischen 2009 und 2010 den Pflegezustand von rund 62 000 Pflegeheimbewohnern sowie von rund 45 000 Pflegebedürftigen, die von ambulanten Pflegediensten betreut wurden.

Knapp 61 Prozent der Pflegeheimbewohner sind laut MDS in ihrer Alltagskompetenz durch Demenz oder altersbedingte psychische Erkrankungen eingeschränkt. Etwa 31 Prozent leiden an chronischen Schmerzen, 66 Prozent benötigen eine Inkontinenzversorgung. Einen bedeutenden Gewichtsverlust zeigen knapp zehn Prozent der untersuchten Bewohner; 4,4 leiden an einem Wundliegegeschwür (Dekubitus).

Versäumnisse trotz leichter Verbesserungen

Während sich die Flüssigkeitsversorgung und die intensive Betreuung demenzkranker Menschen leicht verbessert habe, stellten die Prüfer des MDS vor allem bei den Druckgeschwüren nach wie vor Versäumnisse fest. Verbessert habe sich die Situation hier nur in speziell zertifizierten Heimen, so Peter Pick, Geschäftsführer des MDS. Die Entwicklung in der ambulanten Pflege sei mit der in den Heimen vergleichbar. Bei der Information demenzkranker Menschen und ihrer Angehörigen gebe es hier aber noch Nachholbedarf.

Kritik kommt von der Deutschen Hospiz-Stiftung: „Den großen Worten folgen keine Taten“, bemängelt der Vorstand der Patientenschutzorganisation, Eugen Brysch.

Der Deutsche Ethikrat hat explizit auf die großen Missstände bei demenzkranken Menschen hingewiesen. Kommunikative und psychosoziale Unterstützung blieben auf der Strecke. Auch würden viel zu häufig freiheitsentziehende Maßnahmen durchgeführt. „In deutschen Pflegeheimen leiden mehr Menschen unter Freiheitsentzug als in deutschen Gefängnissen“, sagt Brysch. Davon sei in dem MDS-Bericht nichts zu lesen.

Er kritisiert zudem die immer noch hohe Zahl der Druckgeschwüre. Dass diese Form der „Körperverletzung“ nicht zu einem „Aufschrei“ führe, sei unverständlich.