Die AfD in NRW will gegen jedes Windrad kämpfen

Nicht nur politisch ein Paar: Marcus Pretzell, Landesvorsitzender der AfD in Nordrhein-Westfalen, und Parteichefin Frauke Petry bei einer Kundgebung gegen die Flüchtlingspolitik der Bundesregierung.
Nicht nur politisch ein Paar: Marcus Pretzell, Landesvorsitzender der AfD in Nordrhein-Westfalen, und Parteichefin Frauke Petry bei einer Kundgebung gegen die Flüchtlingspolitik der Bundesregierung.
Foto: imago stock
Die NRW-AfD positioniert sich vor der Landtagswahl und hofft auf Rückenwind durch Trumps Triumph. Ihre Umfragewerte sind zuletzt gesunken.

Düsseldorf.  Den Wahlsieg von Donald Trump hat die AfD freudig begrüßt. Bundesvorsitzende Frauke Petry gratulierte den Amerikanern „herzlich“, das Ergebnis sei eine Entscheidung „für einen politischen Neuanfang“. Ihr Lebensgefährte Marcus Pretzell sagte mit Blick auf die US-Wahl, Trump sei zwar „speziell“, Clinton hingegen „brandgefährlich“. Offensichtlich erhoffen sich die deutschen Rechtspopulisten von der US-Wahl Rückenwind.

Pretzell ist Landeschef der AfD in NRW und Spitzenkandidat für die Landtagswahl 2017. Politischen Rückenwind würde er sicher begrüßen, denn sechs Monate vor der Landtagswahl befand sich seine Partei zuletzt im Sinkflug. Sie fiel in Umfragen auf neun Prozent. Die Meinungsforscher sehen das Protestpotenzial vorerst ausgeschöpft. Pretzell ficht das nicht an: „Ein zweistelliges Ergebnis ist das Ziel und das halte ich nach wie vor für realistisch.“ Behält er Recht, könnten der AfD im Landtag bis zu 30 Sitze zufallen. Schon heute verfügt die AfD in NRW über 51 Mitglieder in Stadträten, 27 Kreisratsmandate und 17 Bezirksvertreter.

Doch wer verbirgt sich eigentlich hinter einer Partei, die vorgibt, eine „Alternative“ zu sein? 22 Listenplätze für den Landtag wurden auf zwei Wahlversammlungen bereits vergeben, weitere Kandidaten sollen noch benannt werden. Anwälte, Ärzte, Heilpraktiker, Kaufleute, Oberstudienräte, Angestellte – die Kandidatenliste ist ein Querschnitt der Gesellschaft.

Die Nummer eins, Marcus Pretzell, ist alles andere als unumstritten. Mit nur 54 Prozent der 400 Delegiertenstimmen setzte er sich knapp in einer Kampfabstimmung gegen Thomas Röckemann durch, einen Rechtsanwalt aus Minden. Röckemann galt als Favorit einer rechten Strömung innerhalb der AfD, einer wie Pretzell tritt ihnen zu geschmeidig auf. In seiner Bewerbungsrede für die Spitzenkandidatur zog Röckemann etwa über die Emanzipation und Geschlechterforschung her: „Wenn ich nicht mehr weiß, welches Geschlecht ich habe, schaue ich kurz nach oder frage meine Frau.“

Frauen sollen Kinder bekommen

Ein an der Vergangenheit orientiertes Rollen- und Familienbild spielt bei der AfD eine große Rolle. Listenkandidatin Iris Dworeck-Danielowski aus Köln, eine von bislang nur drei Frauen, spricht sich gegen die Gleichstellung von Mann und Frau aus. Vor dem Hintergrund des demographischen Wandels sei es wichtig, Kinder in die Welt zu setzen. „Statt diese Aufgabe aufzuwerten, sollen sich Frauen für Elektrotechnik und Informatik begeistern – völliger Irrsinn“, kritisiert Dworeck-Danielowski.

Pretzell versucht, die AfD-Rhetorik zu rechtfertigen. „Manchmal müssen wir Dinge überspitzt ansprechen, um gehört zu werden“, sagt er. Er will seine AfD nicht zur Ein-Themen-Partei machen lassen, kein Sammelbecken für Flüchtlingsfrust sein. Schon jetzt zeichnet sich ab: Sinken die Asylbewerberzahlen, sinken die Umfragewerte. Es geht der AfD offenbar darum, die Zurückgelassenen des Zeitgeistes auch in anderen Politikbereichen abzuholen.

Schusswaffen-Gebrauch zur Verteidigung der deutschen Grenzen als letztes Mittel

Stichwort Familie. „Momentan fördert der Staat einseitig die Fremdbetreuung gegenüber der Erziehung in der Familie“, kritisiert Pretzell. Er ist selbst vierfacher Vater, lebt aber mit Parteichefin Petry zusammen. Stichwort Energiewende: „Wir werden gegen jedes Windrad kämpfen“, kündigt Pretzell an. Die AfD will zudem die Rundfunkgebühren abschaffen und den starken Staat neu entdecken. Schusswaffen-Gebrauch zur Verteidigung der deutschen Grenzen als letztes Mittel sei laut Pretzell selbstverständlich. Gegen Kriminelle fordert er Härte: „Man muss manchmal entscheiden, ob man hässliche Bilder von Opfern oder eher von Tätern sehen möchte.“

Die etablierten Parteien beobachten genau, wie sich der neue Mitbewerber aufstellt. Spricht man mit den Generalsekretären von SPD, CDU und FDP, klingen sie einig wie selten. Die AfD sei rückwärtsgewandt, ihr Frauenbild von gestern. Die Populisten seien an keinen Lösungen interessiert, setzten nur auf Polarisierung. Johannes Vogel (FDP) zieht Parallelen zu Donald Trump. „Die Denkmuster ähneln sich frappierend“, sagt er. Es soll eine Warnung sein.

 
 

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