Deutschland ist aus Expertensicht eine WLAN-Wüste

In Deutschland gibt es aus Expertensicht zu wenige offene WLAN-Netze, über die man unterwegs etwa mit dem Laptop im Internet surfen kann. Foto:Getty Images
In Deutschland gibt es aus Expertensicht zu wenige offene WLAN-Netze, über die man unterwegs etwa mit dem Laptop im Internet surfen kann. Foto:Getty Images
Foto: Getty Images/iStockphoto
Beim Ausbau eines Netzes offener Internetzugänge abseits des Mobilfunkangebots hinkt Deutschland mächtig hinterher. Kommerzielle und freie Angebote konkurrieren

Essen.. Nach Ansicht von netzpolitischen Akteuren hängt ausgerechnet der Technologiestandort Deutschland beim Ausbau öffentlicher WLAN-Zugänge deutlich hinterher. Kommen in Großbritannien 28 offene kabellose Internetzugänge auf 10 000 Einwohner, sind es laut dem Verein Digitale Gesellschaft in Deutschland weniger als zwei. Netzexperte Volker Tripp kritisiert: „Im internationalen Vergleich ist Deutschland immer noch eine WLAN-Wüste.“

Wer unterwegs im Internet surfen will, ohne das Datenvolumen von Handy oder Tablet aufzubrauchen, ist auf sogenannte WLAN-Spots angewiesen. Das sind offene drahtlose Internetzugänge etwa in Cafés oder Innenstädten. Nach An­gaben der Digitalen Gesellschaft gebe es bundesweit zwar viele Funknetze. Tatsächlich offen seien aber nur wenige: „In der Regel ist der Zugang verschlüsselt und mit einem Passwort gesichert“, sagt Tripp.

Die Lage im Ruhrgebiet

Viele Funknetze von gewerblichen und nicht-kommerziellen Anbietern gibt es auch im Ruhrgebiet. In den Innenstädten von Duisburg, Gelsenkirchen, Bochum oder Unna stellen zudem meist städtische Firmen WLAN-Zugänge bereit. Duisburg etwa bietet Gästen 200 Megabyte pro Tag und das ohne Registrierung. Sogar ohne eine Begrenzung kann in den Zentren von Bochum und Gelsenkirchen gesurft werden. In Unna stehen den Passanten 30 Minuten Surfzeit pro Tag zu Verfügung. Weil die Angebote begrenzt sind und man sich registrieren muss, sind die Angebote aber nicht als offene WLAN zu bezeichnen. Die Nutzung ist jeweils kostenfrei.

Kommerzielle Angebote

Kostenfrei sind auch die sogenannten Public-Wifi-Spots der Firma Unitymedia. Das sind öffentliche WLAN-Zugänge, die Unitymedia auch in Innenstädten von Herne, Oberhausen und Duisburg eingerichtet hat. Ins Netz kommt man aber nur an ausgewählten Standorten und nur Unitymedia-Kunden surfen ohne Limit. Die Registrierung für die Nutzung erfolgt per SMS – dafür entstehen einmalige Kosten.

Bald will Unitymedia auch private „Wifi-Spots“ einrichten. Bei diesem nicht unumstrittenen Plan öffnen Kunden ihr privates WLAN für andere Unitymedia-Kunden. So entsteht ein Netz von drahtlosen Internetzugängen. Eine Registrierung ist notwendig.

Die Deutschen Telekom AG bietet im Ruhrgebiet weder freies noch kostenloses WLAN an. Eine Ausnahme ist da die Kooperation mit der Deutschen Bahn: An einigen Ruhrgebiets-Hauptbahnhöfen – darunter Bochum, Duisburg, Dortmund, Essen und Oberhausen – bieten Bahn und Telekom 30 Minuten kostenfreies Internet an. Registrieren muss man sich nicht. Die Nutzungsdauer kann zwar unterbrochen werden, wer den Zugang aber später weiter nutzen möchte, muss sich nur erneut einwählen.

Wie Unitymedia hat die Telekom ein eigenes Verbraucher-WLAN-Netz eingerichtet: Mit „WLAN to go“ sind Tausende drahtlose Zugangspunkte im Ruhrgebiet entstanden. Von einem flächendeckenden WLAN-Netz kann aber nicht die Rede sein, denn nur Telekom-Kunden profitieren davon. Die Verbindung greife auch nie automatisch über, sagt Dirk Wende von der Telekom: „Das Gerät wird sich immer an einem neuen Standort neu verbinden müssen. Ein nahtloser Übergang ist nicht möglich.“

Freifunker

Anders sieht das WLAN-Angebot der Freifunker aus – eine gemeinnützige Initiative für freie Funknetzwerke. Im Gegensatz zu kommerziellen Anbietern bieten sie ein WLAN-Netz ohne Registrierung und Datenbegrenzung an. Ziel ist es, möglichst viele offene Netze miteinander zu verbinden. Jeder kann die Zugangspunkte mit dem Namen „Freifunk“ nutzen. Positiv ist: Beim Ende der Reichweite des einen Netzes wird man automatisch in einen neuen naheliegenden Zugangspunkt ohne erneute Anmeldung verbunden. Bei gut ausgebauten Straßen in den Städten kann so ein flächendeckender Internetzugang entstehen.

Im Ruhrgebiet ist die Initiative gut aufgestellt: Nach Angaben der Freifunker (Dezember 2015) sind Dortmund und der Raum Essen besonders gut vernetzt.

 
 

EURE FAVORITEN