Der Wall-Street-Protest schwappt nach NRW

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Seit Wochen demonstrieren Tausende in den USA gegen die Macht der Finanzwelt. Nun formiert sich auch in deutschen Städten Widerstand gegen die Banken. Am Samstag wollen sie auch in NRW demonstrieren. Wie viele kommen werden, ist völlig unklar.

Essen.. Der weltweite Aktionstag war lange schon initiiert durch die spanische Bewegung „Echte Demokratie jetzt“, doch erst seitdem Tausende Menschen in New York protestierten, seit sie gegen die Macht der Banken die Wall Street besetzten, gewinnt die Bewegung auch in Deutschland rasant an Zulauf, vernetzen sich die Menschen im Internet. Attac-Sprecherin Kerstin Sack: „Wir sind sehr gespannt, wie viele Leute am Samstag auf die Straße gehen. Die Ereignisse in den USA haben eine neue Dynamik gebracht“.

In 40 bundesdeutschen Städten haben die globalisierungskritische Organisation Attac und andere Initiativen zur Beteiligung an den weltweiten Protesten gegen die Finanzindustrie aufgerufen. Schwerpunkt in Deutschland werden Demonstrationen in Berlin und vor der Europäischen Zentralbank in Frankfurt sein. Größere Veranstaltungen sind auch in Düsseldorf und Köln geplant, kleinere für Dortmund und Bochum.

Schwer zu sagen, was am Samstag passiert

„Einen Tag lang werden sich auf der ganzen Welt Menschen im selben Geist versammeln“, sagt auch Ulrich Riebe, der seit Mai in Konstanz die Internetseite „Echte Demokratie jetzt“ betreibt. „Wir haben damit auf die Proteste in Spanien reagiert. Wir fanden, dass diese Bewegung der Empörten, die sich von der Politik, den Finanzinstitutionen und den Konzernen in ihren Interessen übergangen fühlt, zu wenig beachtet wird“, erklärt Riebe.

Es sei schwer zu sagen, was am Samstag in Deutschland passiere, doch er glaube, dass sich dem Protest viele Unzufriedene anschließen werden. „Da passiert etwas ganz Neues, und noch keiner hat einen Überblick. Ich habe in diesen Tagen sogar schon Bilder aus China und Taiwan gesehen“, sagt Riebe.

Für Attac ist das Ziel der Demonstrationen klar definiert. Es sei an der Zeit, nach dem Vorbild der Spanier, Griechen und New Yorker auch in Deutschland auf die Straße zu gehen und „Flagge für die echte Demokratie“ zu zeigen. Attac-Sprecherin Kerstin Sack: „Die Bundesregierung will noch einmal die Banken retten. Das empört viele Menschen. Schließlich haben die mit staatlichen Geldern Gewinne gemacht.“

Gegen den Trojaner

Occupy Germany, occupy Hamburg, occupy Düsseldorf – kaum eine deutsche Großstadt, die sich in diesen Tagen nicht nach dem US-Vorbild „occupy Wall Street“ ( Besetzt Wall Street) im Internet formiert: „Samstag... endlich ist es soweit... und das ist erst der Anfang... Empört Euch... Erhebt Euch...“

Für Stefan Meiners, Blogger und als Grüner Ratsmitglied in Voerde, eine spannende Situation: „Zum ersten Mal protestieren viele verschiedene Gruppen. Das reicht von Kapitalismuskritikern über Gegner von Stuttgart 21 bis hin zu den Internet-Nutzern, die sich über den Bundestrojaner empören“.

Miniatur-Ausgabe der Loveparade

Auf 60, 70 Demonstranten hat Daniel Dippel gehofft, als er die Dortmunder Veranstaltung „Dance for Demokratie“ bei Facebook bewarb. Innerhalb weniger Stunden hatten bereits 170 Leute ihre Teilnahme zu der öffentlichen Techno-Party zugesagt. „Wie viele nun wirklich kommen, bleibt abzuwarten“, sagt Dippel, ein Neuling im Demo-Geschäft. Der Plan: Vom Hauptbahnhof geht es um 16 Uhr zum Friedensplatz, angeführt von einem Pritschenwagen, der zwei Disc-Jockeys samt Boxen transportiert. Eine Miniatur-Ausgabe der Loveparade sozusagen. Um 22 Uhr soll Schluss sein. „Wir prangern alles an, was in der Politik schief läuft – von der Macht der Banken bis hin zu den Rechten von Vätern“, sagt Dippel.

Kritik an dieser Demo hagelt es ausgerechnet von Attac Dortmund. „Eine sechsstündige Demo ist absurd, es sei denn man will dort zelten“, sagt Till Strucksberg, der nur per Zufall davon erfuhr. Grundsätzlich aber unterstützt die Bewegung die Protestwelle.

 

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