Der Airport Dortmund gerät in Turbulenzen

Silke Hoock
Der Flughafen Dortmund hat es schwer, langfristig zu überlegen. Foto:
Der Flughafen Dortmund hat es schwer, langfristig zu überlegen. Foto:
Foto: WR/Franz Luthe
Er ist hoch subventioniert, hat wenige Passagiere – der Flughafen in Dortmund. Er fliegt jedes Jahr Verluste von bis zu 23 Millionen Euro ein. Luftfahrtexpertin Yvonne Ziegler stellt düstere Prognosen.

Dortmund.  Unter allen Flughäfen in NRW wird es der Dortmunder Airport am schwersten haben, langfristig zu überleben. Davon ist Luftfahrtexpertin Yvonne Ziegler überzeugt. Mit 19,9 Mio Euro Verlust in 2013 habe Dortmund die höchsten Verluste. Für die Professorin für Luftverkehrsmanagement an der FH Frankfurt liegt dieser Schluss nahe: „Es gibt eine magische Grenze von fünf Millionen Passagieren, die ein Flughafen erreichen muss, um profitabel sein zu können.“ Und davon ist Dortmund mit knapp zwei Millionen Passagieren weit entfernt.

Doch Udo Mager, Flughafenchef Dortmund, lässt sich von den düsteren Prognosen nicht abschrecken: „Ich bin überzeugt, dass wir in spätestens zehn Jahren ein ausgeglichenes Betriebsergebnis vorlegen. Wir werden Kosten senken, Erlöse steigern, Prozesse optimieren.“ Dazu habe man das Zukunftskonzept 2023 entwickelt und der EU-Kommission vorgelegt. Mit neuen Dienstleistungsangeboten im Cargo-Bereich und neuen Vertriebswegen wie dem für Sommer vorgesehenen Online-Buchungsportal für Parkplätze.

Wirtschaftliche Probleme hatte der Dortmunder Flughafen immer. Er fliegt jedes Jahr Verluste von bis zu 23 Millionen Euro ein. Selbst wenn man den Schuldendienst für die Investitionen in Gebäude und Infrastruktur aus dem Dortmunder Minus herausrechnet, bleibt die Bilanz tief in den roten Zahlen. Mit der mittlerweile genehmigten Betriebszeitenverlängerung verknüpft die Flughafenleitung die Hoffnung, wenigstens im operativen Geschäft eine schwarze Null schreiben zu können. Bislang wurden die Verluste immer beglichen. Die Dortmunder Stadtwerke glichen das Minus zuverlässig aus. Der Streit, ob es rechtens ist, dass der Stromkunde dafür zahlt, dass in Dortmund Flieger abheben können, entschied im vergangenen Jahr die EU-Kommission: Bereits erhaltene Subventionen muss der Flughafen nicht zurückzahlen, die Zahlung aus öffentlichen Kassen war rechtens. Doch ab 2024 muss auch Dortmund weitgehend ohne Subventionen auskommen.

Frau Prof. Ziegler, haben die Regionalflughäfen Dortmund, Weeze, Paderborn, Münster angesichts der neuen Flughafen-Leitlinien der EU eine realistische Chance zu überleben?

Yvonne Ziegler: Gerade diese Flughäfen werden es schwer haben, zu überleben. Die EU hat angeregt, dass die Flughäfen einen 10-jährigen Geschäftsplan mit der Zielsetzung aufstellen, am Ende des Zeitraums Gewinne zu schreiben. Die Flughäfen müssen ihre Kostenstrukturen unter die Lupe nehmen und versuchen, diese weiter zu reduzieren sowie neue Kunden an den Flughafen zu holen, damit sich die operative Verluste weiter reduzieren. Bei etlichen Flughäfen wurde allzu optimistisch in die Infrastruktur investiert, und diese Schulden belasten die Flughäfen zusätzlich. Hier wäre ein Entschuldungskonzept zielführend. Wichtig wäre auch, dass sie sich auf ein Marktsegment spezialisieren. Einige haben das schon gemacht, indem sie sich auf Low-Cost-Carrier spezialisiert haben wie zum Beispiel Weeze, das nahe am Ruhrgebiet liegt.

Warum gibt es so viele regionale Flughäfen?

Ziegler: Zum einen hat man nach dem Abzug der amerikanischen und russischen Streitkräfte aus Deutschland viele ehemals militärisch genutzte Flugplätze bekommen, die man nutzen wollte. Zum anderen war die Versuchung für viele Politiker auch zu verlockend, bestimmten Regionen eine Flughafeninfrastruktur zur Verfügung zu stellen und damit bei den Wählern zu punkten. Es gibt 30 Flughäfen in Deutschland mit weniger als fünf Millionen Passagieren im Jahr. Weit über die Hälfte wird subventioniert.