Hannelore Kraft nennt Demonstrationen gegen AfD „großartig“

Teilnehmer bei einer Demonstration gegen den AfD-Bundesparteitag in Köln.
Teilnehmer bei einer Demonstration gegen den AfD-Bundesparteitag in Köln.
Foto: Marius Becker / dpa
Zum AfD-Parteitag in Köln haben sich Tausende Demonstranten versammelt. Zunächst war die Lage angespannt – doch sie beruhigte sich.

Köln.  Nur unter massivem Polizeischutz haben die Delegierten des AfD-Bundesparteitags das Tagungshotel in Köln erreicht. Rund um den Veranstaltungsort in der Innenstadt waren am Samstag nach Informationen der Nachrichtenagentur dpa 10.000 Demonstranten aufgezogen, die mit Sprechchören, Transparenten, Pfiffen und Blockaden gegen die rechtspopulistischen Politiker protestierten. Dabei kam es immer wieder zu Rangeleien mit der Polizei.

Ein Beamter wurde im Gesicht verletzt, woraufhin ein Verdächtiger vorläufig festgenommen wurde. Laut der Polizei ist ein Vermummter mit einer Holzlatte auf einen AfD-Delegierten losgegangen – der Polizist sei dazwischen gegangen. Die Polizei meldete inzwischen einen zweiten verletzten Polizisten. Unserer Reporterin vor Ort wurde bestätigt, dass ein Beamter mit einer Stange angegriffen worden sei.

Polizei beschreibt Lage zunächst als „unruhig“

In Köln demonstrieren mehrere Initiativen gegen den Bundesparteitag der AfD. Das Bündnis „Solidarität statt Hetze“ organisierte einen „Sternmarsch“ rund um das Tagungshotel der Partei im Stadtzentrum. Die Polizei beschrieb die Lage in der Stadt zunächst als „unruhig“. Laut unserer Reporterin vor Ort beruhigte sich die Situation am Vormittag, als sich schließlich alle AfD-Delegierten im Hotel aufhielten.

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Passanten beschimpft und ausgepfiffen

Im Stadtteil Deutz kontrollierte die Polizei nach eigenen Angaben zuvor die Personalien von etwa 100 Personen, nachdem diese versucht hätten, eine Polizeikette zu durchbrechen. An einer anderen Stelle in Deutz seien die Reifen eines Autos angezündet worden.

In der Stadtmitte wurden Passanten, die dem Anschein nach auf dem Weg zum Tagungshotel der AfD waren, von Demonstranten beschimpft und ausgepfiffen. Im Verlauf einer größeren Demonstration durch die Kölner Innenstadt wurden laut Polizei mehrere Scheiben von Geschäften und einer Großbank eingeschlagen.

4000 Beamte im Einsatz

Die Kölner Polizei ist mit 4000 Beamten im Einsatz. Nach Eindrücken unserer Reporterin versammelten sich allerdings bei weitem nicht 50.000 Demonstranten, mit denen die Polizei zunächst rechnete. Dennoch werde die Polizei wohl bis zum Sonntag im Einsatz bleiben, wie ein Sprecher dem WDR sagte. „Bisher können wir uns über den Tag nicht beklagen“, sagte Polizeisprecher Frank Scheulen am Samstagmittag. „Wichtig ist für uns, dass hier dieser friedliche bürgerliche Protest erfolgen kann. Bis jetzt ist das Einsatzziel durchaus erreicht worden.“

Aufgrund der angekündigten Protestdemonstrationen erschienen die meisten AfD-Delegierten schon drei Stunden vor dem offiziellen Beginn der zweitägigen Veranstaltung vor dem Saal in dem Innenstadt-Hotel Maritim.

Videos in den sozialen Netzwerken zeigen, wie Demonstranten gegen die AfD skandieren und mit Polizisten aneinander geraten.

Am Mittag versammelten sich auf dem Heumarkt, dem zentralen Platz neben dem Tagungshotel, Parteien, Gewerkschaften und von Kirchen getragene Bündnisse zur Hauptkundgebung „Köln stellt sich quer“. Zur Kundgebung erschien auch Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD).

Kraft bezeichnete die zentrale Kundgebung als „großartig“. „Hier stehen viele aufrechte Demokraten und sagen klipp und klar: Wir wollen so bleiben, wie wir sind – ein vielfältiges, ein offenes, ein tolerantes Land“, sagte die SPD-Politikerin am Samstag der Deutschen Presse-Agentur in Köln.

Der Grünen-Chef Cem Özdemir erklärte, die AfD schüre Hass und Hetze. Sie wolle spalten und das friedliche Zusammenleben in Deutschland, in dem Konflikte mit zivilisierten Umgangsformen und vor allem demokratisch gelöst würden, zerstören. Özdemir warnte vor eine Rückkehr zum Nationalstaat, wie sie die AfD fordere.

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Stimmung am Mittag gelöst

Köln sei besonders bekannt für seine Vielfalt und seine friedliche Bewegung gegen Rechts, sagte Kraft. Am Morgen habe es zwar einige Ausschreitungen gegeben, doch was sie nun bei der zentralen Kundgebung auf dem Kölner Heumarkt erlebe, sei „buntes Aufstehen für die Demokratie, und das finde ich großartig“.

Die Stimmung ist am Mittag gelöst. Auf dem Heumarkt versammelten sich Menschen mit bunten Luftballons und Kostümen. Am Straßenrand riefen einige Demonstranten dem Kamerawagen der Polizei in Anlehnung an den Karneval zu: „Kamelle, Kamelle!“

Gegen 15 Uhr waren die Demonstrationen weitestgehend beendet. Am Heumarkt verblieben zahlreiche Demonstranten und lauschten dem Klavierspiel des Pianisten Davide Martello, der schon 2013 während der Proteste in der Türkei in Istanbul spielte – sowie auch bei anderen Demonstrationen. (les/dpa)


 
 

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