Dem Staat gehen die Beamten aus

Dietmar Seher
Auf die öffentlichen Arbeitgeber rollt bis 2020 eine gewaltige Pensionierungswelle zu, während immer weniger junge Leute vor allem aus qualifizierten Berufen beim Staat anheuern wollen. Foto: dapd
Auf die öffentlichen Arbeitgeber rollt bis 2020 eine gewaltige Pensionierungswelle zu, während immer weniger junge Leute vor allem aus qualifizierten Berufen beim Staat anheuern wollen. Foto: dapd
Immer weniger junge Leute vor allem aus qualifizierten Berufen wollen Beamte werden. Die Gewerkschaften befürchten ein Ausbluten des Staatsdienstes. Bundeskanzlerin Angela Merkel fordert, zum Ausfüllen der drohenden Lücken mehr Staatsdiener mit Migrations-Hintergrund einzustellen.

Köln. Die Gewerkschaften schlagen Alarm. Sie befürchten ein Ausbluten des Staatsdienstes. Denn auf die öffentlichen Arbeitgeber rollt bis 2020 eine gewaltige Pensionierungswelle zu, während immer weniger junge Leute vor allem aus qualifizierten Berufen beim Staat anheuern wollen.

„In den kommenden zehn Jahren werden aus Altersgründen 19,7 Prozent der Beschäftigten in den Ruhestand treten. Das sind über 700 000 Menschen“, warnte Beamtenbund-Chef Peter Heesen auf der Jahrestagung seines Verbandes in Köln. Ersatz dafür sei bei knappem Arbeitskräfteangebot in Konkurrenz zur Wirtschaft kaum anzuwerben.

Er drängt deshalb auf „höhere Einstiegsgehälter und bessere Aufstiegsperspektiven“, denn die Leistungskraft des Staatsapparates sei bedroht. „Wir sparen uns durch bis zur Handlungsunfähigkeit“.

Merkel: Lücken durch mehr Staatsdiener mit Migrations-Hintergrund füllen

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) fordert, zum Ausfüllen der drohenden Lücken mehr Staatsdiener mit Migrations-Hintergrund einzustellen. Vor den Beamtenvertretern sagte sie, bessere Gehälter und Aufstiegschancen alleine reichten nicht.

Erste Personalprobleme sind bereits sichtbar. Laut Heesen fehlen 15 000 Mitarbeiter in der Finanzverwaltung, 10 000 bei der Polizei, 20 000 Lehrer und 8000 bei den Straßenmeistereien. Auch die Lebensmittelkontrolle sei „systematisch unterbesetzt“.

Vor diesem Hintergrund droht bei Bund und Kommunen einer der härtesten Tarifkonflikte seit Jahren. Beamtenbund und Gewerkschaft Verdi wollen in den Gesprächen, die am 1. März beginnen, für die 1,3 Millionen Beschäftigten Gehaltserhöhungen zwischen sechs und sieben Prozent aushandeln – auch, um den Staatsdienst attraktiver zu machen. Der Vorsitzende ihrer Tarifunion, Frank Stöhr, orientiert sich dabei an den Forderungen der IG Metall. „Die Parameter sind klar“. Die kommunalen Arbeitgeber fürchten schon Kosten in Höhe von sechs Milliarden Euro. Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) mahnte die Beamten in Köln deshalb: „Maß zu halten“ sei wegen der Schulden-Krise in Europa wichtig.