Debatte um leere Kirchen: Gottesdienst bald werktags?

Dortmund/Essen..  Hat der Gottesdienst am Sonntagmorgen bald ausgedient? In der evangelischen Kirche denkt man jedenfalls über Alternativen nach – womöglich auch an Werktagen. Damit will die Kirche wieder mehr Menschen an sich binden. Auch die katholische Kirche prüft neue Formen und Termine als zusätzliche Option zum klassischen Hochamt am Sonntagvormittag.

„Wir müssen über den Sonntagmorgen neu nachdenken“, erklärte Präses Annette Kurschus in Dortmund. Die oberste Theologin der Evangelischen Kirche von Westfalen könnte sich vorstellen, den traditionellen vormittäglichen Gottesdienst um einige Stunden zu verschieben: „Am späteren Sonntag wäre das schon eine ganz andere Form“, so Kurschus. Damit könne man „auch junge Leute besser ansprechen“, die lieber im Bett blieben, statt in die Kirche zu gehen. Auch der Gottesdienst am Sonntagabend sei eine denkbare Form und selbst der Abschied vom Sonntag ist für Kurschus kein Tabu: Man könne „auch über andere Tage nachdenken“.

Die Präses reagiert damit auf eine neue Studie des Religionssoziologen Detlef Pollack von der Uni Münster. Pollack konstatiert darin einen schleichenden Bedeutungsverlust der Kirchen. In einem Interview beschrieb er das sinkende Interesse an Glauben und Gottesdiensten so: „Viele Menschen finden einfach anderes wichtiger. Sie möchten lieber ausschlafen, Zeit mit der Familie verbringen, zum Fußball gehen.“

Hintergrund für den Vorstoß der Präses ist nicht zuletzt das geringe Interesse an den angebotenen Gottesdiensten bei den rund 2,4 Millionen Protestanten in Westfalen. Die letzte Zählung der Kirche im Jahr 2013 ergab eine Beteiligung von gerade einmal 3,5 Prozent der Gläubigen. Bei den Protestanten im Rheinland sind die Zahlen ähnlich. Kur­schus: „Wir müssen uns fragen, wie wir die veränderten Lebensgewohnheiten der Menschen zusammenbringen mit dem, was die Kirche zu bieten hat.“

Leere Kirchenbänke beim sonntäglichen Gottesdienst sind auch in den katholischen Kirchen keine Seltenheit. Im Ruhrbistum Essen etwa liegt die Quote der Mitglieder, die die Messe besuchen, mit weniger als neun Prozent unter dem Bundesdurchschnitt. Die Essener wollen demnächst bei einem großen Zukunftsforum über neue Termine und Formate für den Gottesdienst nachdenken.

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