Das sind die Ideen, die das Revier bewegen

Gut besucht war das Zukunftsforum von WAZ und RVR im RuhrCongress Bochum. WAZ-Chefredakteur Ulrich Reitz moderierte die Veranstaltung.
Gut besucht war das Zukunftsforum von WAZ und RVR im RuhrCongress Bochum. WAZ-Chefredakteur Ulrich Reitz moderierte die Veranstaltung.
Foto: Ingo Otto / WAZ FotoPool
Das Ruhrgebiet, mal neu gedacht: Unsere Leser sagen, was der Region noch fehlt. Der RuhrCongress in Bochum wurde zum Treffpunkt der Visionäre.

Bochum.. Danke für die Ideen. Für die großen und für die kleinen. Und dafür, dass es so viele sind. 427 Ruhrideen haben uns erreicht. Gedanken, Visionen, Zukunftspläne. Vorschläge für bessere Busse und Bahnen, die Nutzung alter Gebäude und mehr Grün in der Industriekultur-Landschaft. Gestern trafen in Bochum die Ideen unserer Leser auf die von Profi-Stadtplanern. Aus dem RuhrCongess wurde eine einzigartige Kreativwerkstatt.

„Das sind Liebeserklärungen an unsere Region“, sagte der Chefplaner des Regionalverbandes Ruhr (RVR), Martin Tönnes, mit Blick auf die beeindruckende „Ideen-Wand“ mit allen Beiträgen unserer Leser. Ohne Bürgerbeteiligung, findet er, ist heute kein großes Projekt mehr zu schultern: „Von oben nach unten entscheiden, das geht nicht mehr. Man denke an Stuttgart 21. Wer heute etwas bewegen will, muss mit den Menschen sprechen.“ WAZ-Chefredakteur Ulrich Reitz moderierte die Veranstaltung am Mittwochabend und erinnerte daran, dass manche gute Idee nicht auf Anhieb als solche zu erkennen ist: „Der Eiffelturm war teuer, und viele hielten ihn für hässlich. Und was ist daraus geworden...?“

Ist das Ruhrgebiet wie ein Rührei?

Auch die Bochumer Oberbürgermeisterin Ottilie Scholz (SPD) war beeindruckt von der breiten Reaktion auf den Ideen-Wettbewerb. Und Bochums Stadtbaurat Ernst Kratzsch überraschte das Publikum mit der Feststellung, das Revier sei wie ein „Rührei“. Vielschichtig, unübersichtlich, zufällig geformt. Aber irgendwie auch ein Genuss, möchte man hinzufügen. „Unsere Zukunft ist schon gebaut“, erklärte Kratzsch dann und meinte damit, dass die Zeit für große Neubau-Projekte in den Revierstädten vorbei sei. Es gehe nun vor allem darum, den Bestand zu verbessern.

Und hier eine kleine Auswahl der Ruhrideen: Volker Meier aus Dortmund und Günther Klumpp aus Unna schlagen „Ein Ticket für alles“ vor. Meier: „Wir brauchen Angebote für eine bessere Mobilität im Revier. Wie wäre es mit einem Ticket, das vieles kombiniert: Fahrt mit Bus und Bahn, Parkmöglichkeiten für das Fahrrad inklusive Reparatur-Service und Abgabe von Gepäckstücken, Mietrad am Ziel.“

Stefanie Thomczyk aus Herne schlägt „Seniorenspielplätze“ vor: „Vor Jahren habe ich im Urlaub einen Senioren-Spiel-/Sportplatz gesehen, und dann vor Kurzem in Istanbul wieder. Ich wohne in der Nähe eines Parks und mehrerer Seniorenheime. Im Park gibt es zwar Sportgeräte, aber die sind eher was für Durchtrainierte. Ich glaube, die Nachfrage nach seniorengerechten Fitness-Geräten wäre groß.“

Hendrik Leuckefeld aus Essen findet „Möglichkeitsmelder“ gut: „Das ist eine Onlineplattform ähnlich dem Leerstandsmelder, aber nicht beschränkt auf Leerstände. Ideen sollen mit Machern zusammengebracht werden, um die Potenziale ausschöpfen zu können. Nicht jeder kann wissen, was in jedem der Stadtteile in der Metropole Ruhr fehlt. Wenn er in Rüttenscheid wohnt, kommt er vielleicht nicht auf die Idee, dass es in Frohnhausen Potenzial für ein Eltern-Kind-Café gibt.“

Klaus Kuliga aus Bochum stellt sich das Ruhrgebiet als Vorbild für Nahmobilität vor, bei dem es auf Radfahrer und ÖPNV ankommt.

Wenn nun jemand einwenden sollte: „Das geht doch nicht. Das lässt sich nie realisieren“, sollte er sich diesen Satz von Einstein in Erinnerung rufen: „Eine wirklich gute Idee erkennt man daran, dass ihre Verwirklichung von vornherein ausgeschlossen erscheint.“

 
 

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