Das Ruhrgebiet feilt an seinem Image

Matthias Korfmann

Dortmund.  Politiker aus dem Revier behaupten: Das Ruhrgebiet braucht dringend eine neue Werbe-Kampagne. Gerade im Ausland werde das Revier nicht als Landschaft mit Perspektive angesehen. „Die Region hat ein Image-Problem“, sagt Roland Mitschke, Chef der CDU-Fraktion im Ruhrparlament. Er erinnert an eine erfolgreiche Kampagne aus der Revier-Vergangenheit: Sie hieß „Das Ruhrgebiet. Ein starkes Stück Deutschland“ und half in den 1980-er und 90-er Jahren dabei, den angeknacksten Ruf auszubessern.

Hinter der Initiative stehen CDU, SPD und Grüne im Ruhrparlament. Konkrete Ideen oder gar einen Slogan gibt es noch nicht. Aber der Regionalverband Ruhr (RVR), Wirtschaftsförderer, die Ruhr Tourismus GmbH und Kommunikationswissenschaftler der TU Dortmund arbeiten daran.

Diese „Standortwerbekampagne“ sei überfällig, weil das Revier von außen oftmals gar nicht wahrgenommen werde. Deshalb will man besonders Wirtschaftsunternehmen und Investoren im Ausland damit ansprechen. Zum Beweis dafür, dass das Ruhrgebiet im Abseits stehe, werden Zahlen der landeseigenen Wirtschaftsförderungsgesellschaft NRW Invest zu den Auslandsinvestitionen an Rhein und Ruhr herangezogen. Demnach konnten im vergangenen Jahr von 330 Aufträgen allein Düsseldorf 135 und Köln/Bonn 55 akquirieren. Das Ruhrgebiet, das mit 53 Städten fast ein Drittel von NRW ausmacht, sicherte sich nur 47 Projekte, also etwa 14 Prozent.

„Das Revier braucht eine Kampagne, die ähnlich gut rüberkommt wie Berlins „Arm – aber sexy“, sagte der Dortmunder Marketing-Professor Hartmut Holzmüller der WR.

RVR-Direktorin Karola Geiß-Netthöfel rät zur Vorsicht: „Die neue Kampagne für das Ruhrgebiet muss konkrete Inhalte vermitteln, um überzeugen zu können. Sie darf kein neuer Aufguss der alten, reinen Imagekampagnen sein.“

Ein ganz anderer Vorstoß für ein besseres Revier kommt vom Kulturwissenschaftlichen Institut (KWI) und von den Verantwortlichen der Ruhrtriennale. Sie wollen Mitte September einen so genannten „Zukunftsrat Ruhr“ gründen. „Ich glaube, dass wir zusätzlich zum Ruhrparlament und zu den Stadträten einen Bürger-Rat brauchen, der neue Ideen für die Region liefert“, sagte KWI-Leiter Prof. Claus Leggewie dieser Zeitung. Diese Runde könne der Politikverdrossenheit entgegenwirken.