Das Gedränge in den Bahnen im Revier wird immer schlimmer

Matthias Korfmann und Marian Laske
In den Bahnen im Revier ist es momentan besonders voll.
In den Bahnen im Revier ist es momentan besonders voll.
Foto: Ralf Rottmann
In den Bahnen und auf den Bahnhöfen wird das Gedränge immer schlimmer. Der Semesterstart mit den Studenten aus dem doppelten Abi-Jahrgang könnte ein Grund dafür sein, dass es besonders voll ist. Verkehrsexperten fordern langfristige Lösungen und drängen auf Realisierung des Rhein-Ruhr-Expresses.

Essen. Im Ruhrgebiet wird das ­Gedränge in den Zügen und auf den Bahnhöfen immer schlimmer. Einer der Gründe könnte der ­Semesterstart an den Unis mit dem doppelten Abiturjahrgang sein – und entsprechend vielen Pendlern. Manche Linien sind morgens und nachmittags völlig überlastet.

Zu den schlimmsten Zügen im Revier zählen der Regionalexpress RE 1, die U-Bahn U35 in Bochum und die Abellio-Verbindung zwischen Hagen und Essen. Die WAZ sprach mit Fahrgästen, die Tag für Tag damit fahren.

Viele von ihnen sagen: Dieser Nahverkehr ist einer Metropolregion mit fünf Millionen Einwohnern unwürdig. Eine Pendlerin, die von Hagen zur Ruhr-Uni fährt, drückt es drastisch aus: „Jeder Schweinetransporter hat mehr Platz pro Schwein.“

Der RRX soll schnell auf die Schiene gesetzt werden

Weil die Probleme so ernst sind, kündigt der Regionalverband Ruhr (RVR) an, gemeinsam mit dem Verkehrsverbund Rhein-Ruhr (VRR) ein klärendes Gespräch mit der Bahn zu suchen. RVR-Direk­torin Karola Geiß-Netthöfel glaubt nämlich nicht daran, dass der Rhein-Ruhr-Express RRX, der dem Ruhrgebiet Entlastung bringen soll, zügig auf die Schiene gebracht wird: „Das Projekt dürfte sich hinziehen, weil die Schienen-Infrastruktur dafür erst geschaffen werden muss. Darauf kann das Revier aber nicht warten. Wir brauchen eine Übergangslösung.“

VRR-Sprecherin Sabine Tkatzik betont: „Das Bahn-System im Ruhrkorridor ist extrem anfällig. Wenn ein Zug Verspätung hat, wirkt sich das im Regelfall auf die anderen aus. Wir kommen bei der Infrastruktur an eine Grenze.“

Wittke dringt auf zügige Entscheidungen in Berlin

Der Chef der CDU Ruhr und ­frühere NRW-Verkehrsminister Oliver Wittke dringt darauf, den Rhein-Ruhr-Express schnell zu verwirklichen: „Dieser Zug bringt täglich 27.000 Menschen mehr auf die Schiene.“ Bis der RRX funktioniere, müssten mancherorts längere Züge eingesetzt werden. Wittke: „Bei der Fußball-WM 2006 klappte der Nahverkehr plötzlich gut. Entlastung ist also möglich.“

Wittke fordert von einer Großen Koalition, dass sie sich um den ­Verkehr im Ruhrgebiet besonders intensiv kümmert. Zu den wichtigsten Investitionen zählten neben dem RRX die Zug-Verbindung Betuwe, der Lückenschluss der A52 sowie der sechsstreifige Ausbau der A43 und der A1.