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Das bedeutet Trumps Klimavertrag-Ausstieg für die Welt

US-Präsident Donald Trump gab am Donnerstag bekannt, dass sich die USA aus dem weltweiten Klimaschutzabkommen von Paris zurückziehen wollen.
Foto: Pablo Martinez Monsivais / dpa
  • US-Präsident Donald Trump hat dem Klimaabkommen von Paris den Rücken gekehrt
  • Damit löst er ein zentrales Wahlkampfversprechen ein
  • Doch welche Folgen hat der Rückzug für die Welt?
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Berlin.  Mit dem angekündigten Rückzug aus dem Pariser Klimaabkommen hat US-Präsident Donald Trump seine harte Linie „America first“ fortgesetzt. Das Abkommen sei „auf höchster Ebene ungerecht für die USA“, weil es hohe Zahlungen an andere Länder umfasse und Wettbewerbsnachteile bringe, so Trump. Er will nun ein aus seiner Sicht besseres Abkommen verhandeln.

Dem haben Europas Führungsmächte aber bereits eine Absage erteilt. Auch sonst erfährt Trump für seine Entscheidung viel Gegenwind. Welche Folgen fürchten die übrigen Länder? Und welche Folgen könnte der angekündigte Austritt für die USA selbst haben? Ein Überblick.

• Ist das Abkommen jetzt hinfällig?

Das nicht, aber die langfristigen Ziele wie die Begrenzung der Erderwärmung auf höchstens zwei Grad sind nun in Frage gestellt. Denn die USA zahlten als größte Volkswirtschaft der Welt bisher nicht nur Milliarden Dollar in Klimaschutz-Projekte, sie sind nach China auch der zweitgrößte Klimasünder.

Befürchtet wird auch, dass das Beispiel USA Schule machen könnte. Vor allem bei Ländern, die besonders stark von einer Abkehr von fossiler Energie betroffen wären – wie etwa die Öl-Supermacht Saudi-Arabien oder der weltgrößte Kohleexporteur Australien.

• Ist Deutschland nun stärker gefordert?

Halten sich die USA nun nicht mehr an die freiwillige Reduktion der Treibhausgase und behalten sie ihr Geld für Klimaschutz-Projekte in armen Ländern ein, müssten andere Staaten größere Kraftanstrengungen leisten, um die globale Erwärmung im gleichen Maße wie vereinbart abzuschwächen.

Klaus Breyer, Umweltexperte der Evangelischen Kirche in Westfalen, sieht dann auch Deutschland in größerer Verantwortung. „Deutlich wachsen wird die Bedeutung Deutschlands und Europas, aber auch Chinas als Treiber in der internationalen Klimapolitik“, sagte Breyer.

• Wäre das überhaupt zu leisten?

Der CDU-Europapolitiker Herbert Reul glaubt, nein. Er warnt davor, den geplanten Ausstieg der USA mit höheren Verpflichtungen für andere Teilnehmer auszugleichen. „Wir müssen aufpassen, dass jetzt nicht die Fanatiker an der Front sagen: Jetzt sind die Amerikaner raus, jetzt müssen wir alle noch mal einen Prozent mehr machen“, sagte der Vorsitzende der CDU/CSU-Gruppe im Europäischen Parlament am Freitag im Deutschlandfunk. „Wir sind schon an der Grenze: Lasst uns das ordentlich machen, aber wirklich machen, was wir uns vorgenommen haben.“

• Was passiert, wenn das Zwei-Grad-Ziel nicht erreicht wird?

Die Erderwärmung hat gravierende Folgen für Mensch und Umwelt. „Das arktische Meereis wird schmelzen und damit das Wetter auch in Deutschland beeinflussen“, erläutert Anders Levermann vom Potsdam-Institut für Klimaforschung. So käme beispielsweise eine Stadt wie Hamburg unter massiven Anpassungsdruck. Hamburg gibt es seit mehr als 500 Jahren, es könnte innerhalb der kommenden 500 Jahre aber großteils unter dem Meeresspiegel liegen.

„Bei einer Erderwärmung von nur 1,5 Grad wird das Risiko für solche Schäden einfach geringer“, so Levermann. Weitere Auswirkung der Erderwärmung sind extremeres Wetter wie Hitzewellen oder schwere Unwetter. Auch die Artenvielfalt ist dadurch bedroht.

• Was bedeutet der Rückzug für die USA strategisch?

Trump hat nicht ohne Grund nur den Austritt auf dem Klimapakt angekündigt, nicht aber aus den allgemeinen Uno-Klimaverhandlungen. Denn die Weltpolitik wird durch Geben und Nehmen bestimmt. Wer bei Klimaverhandlungen Geschäfte macht, kann diese als Argument vorbringen, wenn er in anderen Bereichen auf Unterstützung hofft – etwa im Kampf gegen den Terror oder in der Flüchtlingspolitik. Trotzdem werden die USA weltpolitischen Einfluss einbüßen, da sie nach dem Ausstieg kein Mitspracherecht mehr bei der Ausgestaltung des Klimaabkommens hätten.

• Was bedeutet der Rückzug für die USA wirtschaftlich?

Trump glaubt, der Austritt liege im ökonomischen Interesse seines Landes. Schon im Wahlkampf beteuerte er immer wieder, Arbeitsplätze in der Kohleindustrie erhalten zu wollen. Dabei ist die Zukunftsbranche auch in den USA eine andere. Immer mehr Arbeitsplätze drehen sich um Erneuerbare Energien.

Damit die Sparte weiter wächst, sind Investitionen nötig. Fraglich ist allerdings, ob noch jemand mit den USA Geschäfte machen will, wenn diese sich durch weniger Anstrengungen bei der CO2-Reduktion einen kurzfristigen Wettbewerbsvorteil verschaffen.

• Welche Entwicklungen machen Hoffnung?

Der Klimapakt-Austritt ist auch in den USA ein Streitthema. Umfragen zufolge finden mehr als 60 Prozent der US-Bürger den Treibhauseffekt besorgniserregend. Auch Umweltverbände, Politiker und Unternehmen – selbst Ölkonzerne wie Exxon Mobil und Shell – leisten Widerstand gegen Trumps Entscheidung.

In einem offenen Brief teilten US-Firmen wie Intel, Hewlett-Packard und Tesla mit, dass sie sich dem Klimaschutz weiterhin „zutiefst verpflichtet“ fühlten. Ihr Ziel sei eine energieeffiziente und wenig Treibhausgase ausstoßende US-Wirtschaft. „Sich vom Ziel einer emissionsarmen Wirtschaft zu verabschieden, setzt den amerikanischen Wohlstand aufs Spiel“, hieß es in dem Brief.

• Wann wäre der US-Austritt überhaupt spruchreif?

Eine Kündigung des Klimaabkommens ist erst drei Jahre nach Inkrafttreten des Beitritts rechtens – also Ende 2019. Der komplette Austritt folgt wiederum erst ein weiteres Jahr später, also zum Ende von Trumps Amtszeit. Votieren die US-Bürger nicht für eine zweite Amtszeit des Präsidenten, könnten die USA ganz schnell wieder eine Rolle rückwärts machen. Denn zurück zum Klimapakt geht es jederzeit. (mit dpa)

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