Corona: Portugal stöhnt unter Delta-Variante und streicht Lockerungen – droht dieses Szenario nun auch Deutschland?

Verschwörungstheorien - warum sie in Krisen so viele Menschen anziehen

Verschwörungstheorien - warum sie in Krisen so viele Menschen anziehen

5G-Netze, Bill Gates, ein Laborunfall in Wuhan: Um den Ursprung von Covid-19 ranken sich zahlreiche Verschwörungstheorien. Für Experten ist das keine Überraschung. In Krisen geben sie einigen Menschen demnach zumindest ein Gefühl von Kontrolle zurück.

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Lange bestimmte Corona das Leben in Deutschland, jetzt scheint sich das Virus mit jedem Tag weniger zu verbreiten: Die 7-Tage-Inzidenz ist auf 7 gesunken.

Doch die Corona-Gefahr ist noch nicht gebannt. Experten warnen vor einer neuen Welle, die spätestens im Herbst kommen wird – gerade vor dem Hintergrund der Delta-Variante. Gerade die EM-Spiele mit vielen Zuschauern bereiten Experten gerade Sorge.

Corona: Delta-Variante breitet sich immer weiter aus

Umso wichtiger sind die Corona-Impfungen! Mittlerweile haben mehr als 50 Prozent in Deutschland eine Erstimpfung erhalten. Doch gegen Delta braucht es zwei Impfungen, sagen Experten.

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Corona in Deutschland (Stand 24. Juni):

  • 7-Tage-Inzidenz: 7
  • Neue Corona-Fälle: 1.008
  • Corona-Tote insgesamt: 90.616

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Donnerstag, 24. Juni

20.30 Uhr: Portugal stöhnt unter Delta-Variante: Lockerungen erstmal gestrichen

Wegen einer besorgniserregenden Ausbreitung der Delta-Variante und einer Zunahme der Infektionsfälle hat die Regierung Portugals die für Montag vorgesehenen Lockerungen der Corona-Einschränkungen für weite Teile des Landes ausgesetzt. „Wir befinden uns in einer kritischen Phase“, erklärte Präsidentschafts- Ministerin Mariana Vieira da Silva am Donnerstag in Lissabon.

Mit 1556 neuen Ansteckungen binnen 24 Stunden wurde am Donnerstag nach Angaben des Gesundheitsministeriums der höchste Wert seit Februar registriert. Nach Angaben der EU-Behörde ECDC hat Portugal inzwischen mit einer 14-Tage-Inzidenz von gut 124 den höchsten Wert aller 30 erfassten Länder. Zum Vergleich: Deutschland weist 25 auf.

Besonders schlecht ist die Lage im Großraum Lissabon sowie in Sesimbra und Albufeira, die alle 14-Tage-Inzidenzen von mehr als 240 aufweisen. Dort werden die Einschränkungen zur Eindämmung der Pandemie deshalb sogar verschärft. Gastronomiebetriebe und Einzelhandel (Lebensmittelläden ausgenommen) müssen dort etwa an den Wochenenden und Feiertagen wieder bereits um 15.30 schließen.

Lissabon - wo die Delta-Variante bereits mehr als 70 Prozent aller Fälle ausmacht - wird wieder zwischen Freitagnachmittag und dem frühen Montagmorgen abgeriegelt. Allerdings dürfen die gut 2,8 Millionen Bewohner anders als vor einer Woche den Großraum „Area Metropolitana“ diesmal nicht nur aus „triftigem Grund“ wie etwa Arbeit oder Arztbesuch verlassen. Man darf auch dann raus, wenn man einen negativen Test, einen Nachweis über eine vollständige Immunisierung oder über eine Genesung von der Krankheit vorlegt.

Ob, wann und wie schnell auch in Deutschland wieder mit den Corona-Regeln angezogen wird, werden wohl die nächsten Wochen und Monate zeigen müssen. Virologen warnen jedoch auch hier bereits davor, dass die Delta-Variante einen immer größeren Anteil der Infektionen ausmacht. Vor allem Kinder, die alle noch nicht geimpft sind, gelten als gefährdet. Deutschland und Portugal liegen beim Impf-Tempo in etwa gleich auf.

Deutschland liegt aber mit den Erst- und Zweitimpfungen (52,2 Prozent / 33,5 Prozent) leicht vor Portugal (50 Prozent / 29,57 Prozent). Je schneller es mit dem Impfen weitergeht, umso besser wird auch die Delta-Variante in Griff zu bekommen sein. Schließlich schützt der komplette Impfschutz auch zuverlässig gegen die Mutante. Aktuell befinden wir uns aufgrund der geringen Infektionen also noch in einer komfortablen Situation. Ob das so bleibt, hängt aber von vielen Variablen ab.

20.20 Uhr: Weitere Freiheiten bei Einreise

Ab Freitag fallen die Einreisebeschränkungen für Menschen mit vollständigem Corona-Impfschutz aus den meisten Nicht-EU-Staaten weg. Sowohl Besuchsreisen als auch touristische Einreisen sind für sie damit wieder ohne Einschränkungen möglich. Voraussetzung ist eine vollständige Impfung mit einem der Impfstoffe, die von der Europäischen Arzneimittel-Agentur EMA zugelassen sind. Eine Ausweitung auf andere Vakzine ist laut Bundesregierung geplant.

Reisende aus sogenannten Virusvariantengebieten sind von den Lockerungen aber ausgenommen. Nicht unbedingt notwendige Einreisen nach Deutschland beispielsweise aus Großbritannien, Brasilien und Indien sind demnach auch für vollständig Geimpfte weiterhin nicht erlaubt.

17.03 Uhr: US-Experten sehen bei Impfungen Zusammenhang zu Herzmuskelentzündung, aber: "Vorteile überwiegen den Risiken"

Experten der US-Gesundheitsbehörde CDC sehen einen Zusammenhang zwischen Corona-Impfungen und selten auftretenden Herzmuskelentzündungen bei jüngeren Männern. Seit April habe es in den Vereinigten Staaten mehr als 1000 gemeldete Fälle von Myokarditis oder Perimyokarditis gegeben, teilte die CDC am Mittwoch mit. Die Behörde betonte dabei jedoch, dass das Auftreten der Erkrankungen mit knapp 13 Fällen auf einer Million gering sei und empfiehlt das Impfen nachdrücklich. „Die bekannten und potenziellen Vorteile einer Covid-19-Impfung überwiegen die bekannten und potenziellen Risiken, einschließlich des möglichen Risikos einer Myokarditis oder Perimyokarditis“, hieß es.

Auch seien die meisten Patienten schnell wieder vollständig genesen, Todesfälle habe es nicht gegeben. Ein gehäuftes Auftreten nach einer Impfung mit einem mRNA-Vakzin von Biontech/Pfizer oder Moderna habe es Untersuchungen zufolge dabei nur in den Altersklassen von 12 bis 29 Jahren gegeben.

Zunächst hatte es Berichte zu Myokarditis aus Israel gegeben. So hält ein Ausschuss des israelischen Gesundheitsministeriums eine Verbindung zwischen der Corona-Impfung, vor allem der zweiten Dosis, mit einer Herzmuskelentzündung für wahrscheinlich. Auch in Deutschland sind Dutzende Fälle bekannt.

Viele Herzmuskelentzündungen verlaufen nach Angaben des Paul-Ehrlich-Instituts symptomlos oder mit unspezifischen Symptomen. Eine Myokarditis kann aber auch lebensbedrohliche Herzrhythmusstörungen auslösen. Zu den möglichen Auslösern zählen Virusinfektionen.

16.00 Uhr: Bekannter Veranstalter sagt alle Fesitvals im Sommer ab: Auch im August keine Mega-Konzerte

Wegen der sich weiter ausbreitenden Delta-Variante des Coronavirus hat der Veranstalter FKP Scorpio alle seine August-Festivals abgesagt. Das betreffe das Highfield-Festival in Großpösna bei Leipzig, das Gothic-Festival M'era Luna in Hildesheim sowie das Boutique-Festival A Summers Tale in Luhmühlen bei Lüneburg, wie FKP Scorpio am Donnerstag in Hamburg mitteilte. Die Festivals sollen verlegt werden. Das Highfield-Festival am Störmthaler See auf den 19. bis 21. August 2022 und das M'era Luna auf den 6. und 7. August 2022. Ein Termin für das A Summers Tale stehe noch nicht fest. Die bereits gekauften Tickets bleiben für die nächste Ausgabe gültig.

„Wie schon beim Hurricane und Southside haben wir in Absprache mit Experten alles dafür getan, dass unsere August-Festivals stattfinden können“, sagte FKP-Scorpio-Geschäftsführer Stephan Thanscheidt laut Mitteilung. „Trotz sinkender Inzidenzen waren wir letztlich erneut zu einer Verschiebung gezwungen, da die Situation unter anderem wegen der Delta-Variante nach wie vor unvorhersehbar ist.“

14.35 Uhr: Merkel setzt sich für EU-Strategie gegen Virusvarianten ein

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) will sich beim EU-Gipfel in Brüssel für ein koordiniertes Vorgehen gegen die Verbreitung gefährlicher Corona-Varianten einsetzen. „Delta-Variante macht uns natürlich Sorgen“, sagte sie am Donnerstag zum Auftakt des Gipfels in Brüssel. „Ich werde dafür werben, dass wir noch koordinierter vorgehen, auch gerade bei der Einreise aus Virusvariantengebieten.“

Trotz aller Bemühungen um einheitliche Corona-Reisebeschränkungen in der EU gehen die Mitgliedstaaten unterschiedlich vor. Deutschland hat 14 Länder als Gebiete mit besonders gefährlichen Corona-Varianten eingestuft. Einziges europäisches Land ist Großbritannien, die anderen liegen in Asien, Afrika und Lateinamerika.

Für diese Gebiete gelten sehr strikte Einreisebeschränkungen. Ausländer ohne Wohnsitz in Deutschland dürfen von dort gar nicht nach Deutschland befördert werden. Alle anderen müssen für 14 Tage in Quarantäne und haben keine Möglichkeit, sie zu verkürzen.

10.30 Uhr: Virusexperte hält Zuschauer bei EM-Finale für keine gute Idee

Die EM, die in mehreren Spielorten in Europa stattfindet, ist in vollem Gange. Immer wieder sind auch gewisse Zuschauerzahlen in den Stadien erlaubt – so auch für die kommenden K.O.-Spiele des Fußballturniers.

Der Vorsitzende der ständigen Impfkommission, Thomas Mertens, empfindet die Zuschauermassen bei den Spielen der EM als großes Risiko für die Ausbreitung des Coronavirus. „Das halte ich aus eepidemiologischer Sicht für nicht gut“, sagte der Ulmer Virologe der „Schwäbischen Zeitung“. Auch die Finalspiele der EM, die in London stattfinden, sind vor allem wegen der gefährlichen Delta-Variante „keine gute Idee“. Er rät, den Reiseverkehr nach London zum Spiel stark zurückzufahren und zu kontrollieren. Das gelte insbesondere auch bei einer Rückkehr nach Deutschland.

Ab dem EM-Halbfinale (6. und 7. Juli) sind im Wembley-Station 60.000 Zuschauer erlaubt. Vorher war die Zuschauerzahl auf 40.000 begrenzt, bei den Gruppenspielen waren nur 20.000 Fußball-Fans erlaubt.

Mittwoch, 23. Juni

20.08 Uhr: Anteil der Delta-Variante in Deutschland fast verdoppelt

Trotz weiter rückläufiger Sieben-Tage-Inzidenz wächst in Deutschland der Anteil der als besorgniserregend eingestuften Delta-Variante deutlich. Er verdoppelte sich in einer Stichprobe im Vergleich zur Vorwoche fast auf nun 15,1 Prozent, wie aus einem Bericht des Robert Koch-Instituts (RKI) vom Mittwochabend hervorgeht. Die Angabe bezieht sich auf die Woche vom 7. bis 13. Juni. Die Werte für die Woche zuvor wurden wegen Nachmeldungen rückwirkend von etwa sechs auf acht Prozent korrigiert. In den Daten ist damit nun in der dritten Woche in Folge eine ungefähre Verdopplung des Delta-Anteils abzulesen: von 4 auf 8 auf 15 Prozent. Dieses Tempo hatten Fachleute befürchtet.

17.03 Uhr: Delta-Variante breitet sich nun auch in Frankreich aus

Die hoch ansteckende Delta-Variante des Coronavirus breitet sich in Frankreich weiter aus. Sie stehe inzwischen für „neun bis zehn Prozent“ der Neuansteckungen, sagte Regierungssprecher Gabriel Attal am Mittwoch nach der wöchentlichen Sitzung des Corona-Kabinetts unter Leitung von Präsident Emmanuel Macron. Am vergangenen Freitag hatte Macron ihren Anteil in Frankreich bei einem Treffen mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) in Berlin noch auf rund sechs Prozent beziffert.

In dem Département Landes an der Atlantikküste macht die zuerst in Indien festgestellte Variante dem Sprecher zufolge sogar bereits 70 Prozent der Neuansteckungen aus. Das Gebiet zwischen Bordeaux und der spanischen Grenze sei das einzige in Frankreich, in dem die Zahl der Neuansteckungen wieder über den europäischen Alarmwert von 50 pro 100.000 Einwohnern gestiegen sei, sagte Attal. Die Gegend ist wegen ihrer Strände und Campingplätze auch bei deutschen Urlaubern beliebt.

7.30 Uhr: Delta-Gefahr treibt Experten um – „Wer sich nicht impfen lässt, wird sich infizieren“

Die Ausbreitung der Delta-Variante besorgt Experten, trotz insgesamt sehr niedriger Fallzahlen in Deutschland. In der Sendung von Markus Lanz äußerten sich die Wissenschaftsjournalistin Christina Berndt kritisch zu den Halbfinal-Spielen und dem Finale der Fußball-Europameisterschaft in Wembley-Stadion in London. Die 7-Tage-Inzidenz in Großbritannien ist mittlerweile wegen der Delta-Ausbreitung wieder bei rund 100 angekommen.

Die Delta-Variante sei „deutlich ansteckender als alles, was wir bisher kannten an Corona-Viren“ und der Immunschutz nach nur einer Impfung reiche nicht aus, so Berndt. Es sei somit klar, dass es bei recht voll besetzten Stadien (60.000 Fans sind jeweils zugelassen) zu Ansteckungen kommen werde. Man könne nicht prognostizieren, in welchen Ausmaß, „aber dass das die Pandemie befeuert, wenn Leute da auch ohne Masken sind und schreien, was ja auch normal ist beim Fußball, wenn sie sich in die Arme fallen, dann werden sich da Leute auch anstecken“, so Berndt. „Ganz klar: Es ist ein Feuer für die Pandemie, was wir da gerade machen.“

Auch in Deutschland scheint die Delta-Variante bei den Neuansteckungen auf dem Vormarsch. „Wir haben doch deutliche Anzeichen, dass Delta auch in Hessen mittlerweile schon über 20 Prozent der Fälle dominiert“, teilte etwa der hessische Gesundheitsminister Kai Klose mit.

Aus Sicht von Frank Ulrich Montgomery, Vorsitzender des Weltärztebundes, ist es eindeutig: „Wer sich nicht impfen lässt, wird sich früher oder später mit dem Coronavirus infizieren.“ Die Begründung sei die deutlich ansteckendere Delta-Variante. Deswegen fordert Montgomery, dass man mehr auf „Impfskeptiker und Impfleugner“ zugehen und diese überzeugen müsse, um die Herdenimmunität zu erreichen.

In Deutschland sind bisher 31,6 Prozent vollständig geimpft, also bald ein Drittel der Bevölkerung. 51,2 Prozent haben mindestens eine Impfung erhalten.