„Corelli“ sollte unter falschem Namen bestattet werden

Matthias Korfmann

Düsseldorf.  Der NSU-Untersuchungsausschuss des Landtags hatte zur 49. Sitzung eine außergewöhnliche Zeugin geladen: Dinchen Franziska Büddefeld, Abteilungsleiterin des Bundesamtes für Verfassungsschutz (BfV), sollte den Ausschuss über den mysteriösen V-Mann „Corelli“ informieren. Der Rechtsextremist aus Sachsen-Anhalt galt als wichtiger Informant des Geheimdienstes. „Corelli“ verfügte über Informationen über die Terrorgruppe NSU, er lieferte den Behörden sogar den ersten Hinweis auf die Terroristen. Der V-Mann lebte unter falschem Namen in Paderborn und war im April 2014 tot in seiner Wohnung aufgefunden worden.

Die Ausschussmitglieder erhielten am Freitag einen irritierenden Einblick in die Arbeit des Verfassungsschutzes. Denn die Zeugin erklärte, dass „Corelli“ nach dem Willen der Verfassungsschützer unter seinem „Tarnnamen“ beerdigt werden sollte. Die „Legende“ sollte aufrecht erhalten werden, um das Zeugenschutzprogramm nicht zu gefährden.

Die Abteilungsleiterin des Inlandsnachrichtendienstes war nach „Corellis“ Tod nach Bielefeld gefahren, um mit Staatsanwaltschaft und Polizei den „sensiblen Vorgang“ zu besprechen. Sie sei damals fälschlicherweise davon ausgegangen, dass sich der V-Mann an die Vorgaben des Zeugenschutzprogramms gehalten und den Kontakt zur Familie gemieden habe, sagte die Nachrichtendienstlerin im Ausschuss. Eine Beerdigung des V-Manns unter falschem Namen wäre aus der Sicht des Verfassungsschutzes möglich gewesen. Eine Medienveröffentlichung zum Tod der einstigen Top-Quelle durchkreuzte diesen Plan. „Wenn es den ,Spiegel’-Artikel nicht gegeben hätte, wüssten die Angehörigen vermutlich heute noch nichts“, sagte die Grünen-Abgeordnete Verena Schäffer.

Der Verfassungsschutz hatte nach dem Tod „Corellis“ auch deshalb schnell den Kontakt zur Polizei gesucht, weil er alle Dokumente aus der Wohnung des Toten, die Verbindungen zwischen dem V-Mann und dem Geheimdienst aufzeigen könnten, in seinen Besitz bringen wollte.