Clinton gibt sich kämpferisch in TV-Duell

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Cleveland. In ihrer letzten TV-Debatte vor den Vorwahlen in Ohio und Texas haben sich die Präsidentschaftsbewerber Hillary Clinton und Barack Obama mit gegenseitiger Kritik um Abgrenzung voneinander bemüht.

Bei dem streckenweise in gereiztem Ton geführten Rededuell am Dienstag (Ortszeit) in Cleveland stritten die beiden US-Demokraten über den richtigen Kurs in der Gesundheits-, Handels- und Außenpolitik und warfen einander irreführende und verunglimpfende Wahlkampftricks vor. Besonders kämpferisch trat Clinton auf, die nach elf Vorwahlniederlagen in Folge unter großem Druck steht. Sie ist bei den Voten am Dienstag auf Siege angewiesen, um ihre Kandidatur zu retten.

Bei ihrem harten Schlagabtausch stellten die Kandidaten Sachfragen in den Mittelpunkt, anders als erwartet blieben persönliche Schmähungen weitgehend aus. Besonders scharf grenzten sich die beiden Senatoren bei ihren Ausführungen zum dominierenden innenpolitischen Thema, der Gesundheitsreform, ab. Clinton warf Obama vor, sie mit «falschen, irreführenden und diskreditierenden Angaben» zu verunglimpfen. Obama erwiderte den Vorwurf und hielt Clinton vor, «unentwegt negative Attacken gegen uns zu fahren». Clinton will nach einem Wahlsieg eine Pflicht zur Krankenversicherung für alle US-Bürger durchsetzen, Obama will im Grundsatz das System der Freiwilligkeit beibehalten.

Clinton kritisierte die Berichterstattung der Medien als unfair

Im außenpolitischen Teil des Duells hielten sich Clinton und Obama an bekannte Argumente. Clinton stellte Obamas Eignung als Oberbefehlshaber in Frage und warf ihm mangelnde Erfahrung vor. Obama parierte mit Kritik an Clintons Votum im US-Senat, mit dem sie 2002 den Irak-Krieg von US-Präsident George W. Bush billigte. Nicht Erfahrung sei ausschlaggebend, sondern Urteilsvermögen. «Senatorin Clinton sagt immer, dass sie von Tag eins an bereits für das Amt wäre, tatsächlich war sie aber von Tag eins an bereit, in einer wichtigen Frage gegenüber Präsident Bush nachzugeben», kritisierte Obama.

Im Verlauf der Debatte schien mehrfach Clintons Anspannung durch. Den Namen des russischen Präsidentschaftskandidaten Dmitri Medwedew konnte sie trotz mehrfacher Anläufe nicht aussprechen. Zudem kritisierte sie die Berichterstattung der Medien als unfair.

In der Wirtschaftspolitik sprachen sich Clinton und Obama für eine Neuverhandlung des nordamerikanischen Freihandelsabkommens NAFTA aus, um vor allem Industriebeschäftigten in den USA besser vor den Folgen der Globalisierung zu schützen. Clinton warb mit einem Wirtschaftsprogramm, dass auch auf die staatliche Förderung von Jobs im Umweltbereich setze. Als Vorbild für die USA nannte sie dabei ausdrücklich Deutschland: «Deutschland hat eine kleinere Wirtschaft als wir, hat aber 700.000 Arbeitsplätze in dem Bereich geschaffen.»

Die 90-minütige Debatte endete in versöhnlichem Ton. Obama sagte, er hielte seine Gegnerin für eine «ehrenwerte Präsidentschaftskandidatin», auch wenn er sich selbst für besser halte. Auch Clinton machte ihrem Konkurrenten ein Kompliment: «Ich will weiterhin alles tun, um zu gewinnen, aber der Wahlkampf ist für mich eine Ehre, weil hier Geschichte geschrieben wird.»

Bei den Vorwahlen am 4. März in Ohio und Texas dürfte sich entscheiden, ob die New Yorker Senatorin weiterkämpft oder aufgibt. Ihre Berater haben die Erwartung an den Urnengang hochgeschraubt und offen ausgesprochen, dass die Senatorin in beiden Staaten einen Sieg benötigt. (afp)

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