Christian Lindner macht es wie ein „Gangsta-Rapper“ – deshalb ist FDP bei jungen Wählern so beliebt

Christian Lindner und die FDP schnitten bei der Bundestagswahl bei Erstwählern besonders gut ab. (Archivfoto)
Christian Lindner und die FDP schnitten bei der Bundestagswahl bei Erstwählern besonders gut ab. (Archivfoto)
Foto: imago images/Jens Schicke

Die Bundestagswahl 2021 ist gelaufen, SPD, Grüne und FDP befinden sich mitten in den Sondierungsgesprächen für eine Ampel-Koalition.

Besonders junge Wähler hoffen, dass die FDP um Chef Christian Lindner in der nächsten Regierung mitwirkt – denn bei dieser Wählergruppe schnitt gerade die FDP besonders gut ab. Fast jede vierte Stimme der Erstwähler ging an die Partei, rund 23 Prozent setzen dort ihr Kreuz.

Das liegt vor allem an Christian Lindner, der aus Sicht eines Experten für Jugendansprache vieles richtig gemacht hat.

Christian Lindner: „Kampagne erinnert an ein hippes Start-Up“

Cleane gelbe Plakate, ein nachdenklicher Christian Lindner im schummrigen Licht – diese bundesweite Kampagne zur Wahl hat die FDP bei jungen Menschen besonders beliebt gemacht.

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Mehr über Christian Lindner:

  • Er wurde 1979 in Wuppertal geboren.
  • Lindner studierte in Bonn Politikwissenschaft.
  • 2008 wurde er Major der Bundeswehr-Reserve.
  • Seit 2013 ist er FDP-Parteichef.
  • Nun hat er gute Chancen, Finanzminister zu werden.

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„Das Design, das bei der Kampagne verwendet wurde, erinnert an ein hippes Start-Up. Das Cover des Wahlprogramms war entscheidender als der Inhalt“, erklärt Tobias Kargoll, Experte für Jugendansprache gegenüber „Focus“.

Doch auch die Themen haben einen Nerv der jungen Generation getroffen, so Kargoll weiter: „Sie haben den Wunsch nach Veränderung zu ihrem Thema gemacht: 'Wie es ist, darf es nicht bleiben.'“ Insgesamt habe die FDP die richtigen Themen, im richtigen Design, in der richtigen Tonalität, auf den richtigen Plattformen (unter anderem TikTok und Instagram) platziert.

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Christian Lindner: „Natürlich nicht der ideale Hip-Hop-Kandidat“

Auch weil die FDP keine Ambitionen auf das Kanzleramt hatte, konnte die Partei freier handeln und sich auf die Jugend konzentrieren, sagt Kargoll im „Focus“. Im Wahlprogramm der Liberalen fand sich dabei ein Spruch, der an die Hip-Hop-Kultur erinnert: „Nichts ist Schicksal. Du hast es selbst in der Hand.“

Die Erfolgsformel des Hip-Hop besteht aus „Ambition und Wettbewerbsgeist, aber auch Underdog-Mindset und Zusammenhalt in der eigenen 'Crew'“, beschreibt der Jugend-Experte. Mit dem Selbstwirksamkeits-Versprechen im Wahlprogramm der FDP bedient die Partei die „Botschaft jedes Gangsta-Rappers. Im Prinzip machen es die FDP und Christian Lindner genauso.“

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Laut Tobias Kargoll sei die Hip-Hop-Referenz von der Partei aber keinesfalls geplant gewesen, denn eigentlich verkörpert Partei-Chef Lindner das Ideal eines erfolgreichen Start-Up-Gründers und ist damit „natürlich nicht der ideal Hip-Hop-Kandidat.“

Sich mehr mit der Kultur der Jugend und den Werten des Hip-Hop auseinander zu setzen, würde laut Experte Kargoll übrigens für alle Parteien noch viel Wählerpotenzial birgen. „Unter den 35- bis 44-Jährigen identifizieren sich heute 29 Prozent mit Hip-Hop. Wenn die heutige Jugend älter wird, steigen diese Zahlen. Die Kanzlerschaft wird in Zukunft nur über Hip-Hop gehen“, stellt Tobias Kargoll gegenüber „Focus“ klar. (kv)