China setzt auf offensivere Militärstrategie

Peking..  China dehnt vor dem Hintergrund der Gebietskonflikte im Südchinesischen Meer den Aktionsradius seiner Kriegsmarine aus. Der Fokus werde vom Schutz der Küstengewässer auf eine „Kombination aus Küstenverteidigung und Schutz auf hoher See“ verlagert, heißt es im neuen Weißbuch zur Militärstrategie, das gestern in Peking veröffentlicht wurde. Dabei war von „aktiver Verteidigung“ die Rede.

In dem Strategiebuch wirft Peking „einigen“ Nachbarstaaten provozierendes Handeln vor. Sie würden „ihre Militärpräsenz auf von ihnen illegal besetzten chinesischen Riffen und Inseln verstärken“. Die Änderung der Militärstrategie sei eine Antwort darauf. China werde Attacken mit Gegenangriffen entgegnen, aber nicht von sich aus angreifen.

China beansprucht im rohstoffreichen Südchinesischen Meer mehrere Inselgruppen, Korallenriffe und Sandbänke, die ganz oder teilweise auch von den Philippinen, Vietnam, Taiwan, Malaysia oder Brunei beansprucht werden. International wächst die Besorgnis über Chinas Landgewinnungs- und Bauaktivität auf umstrittenen Inseln. So bauen die Chinesen dort Landepisten für Flugzeuge. Erst in der vergangenen Woche war es in dem Territorialstreit zwischen China und seinen Nachbarn zu einem Zwischenfall zwischen China und den USA gekommen. Die chinesische Marine warnte ein amerikanisches Überwachungsflugzeug am vergangenen Mittwoch achtmal, das umstrittene Gebiet um neu aufgeschüttete Inselposten zu verlassen. Der Pilot des P8-A-Poseidon-Fliegers weigerte sich und verwies darauf, dass er sich in internationalem Luftraum befinde.

800 Hektar neues Land in zwei Jahren

Die USA erkennen den Territorialanspruch Chinas weit ab von seiner Küste nicht an. In dem Gebiet werden große Bodenschätze vermutet, liegen wichtige Schifffahrtswege.

Nach US-Angaben hat China damit begonnen, bei den Spratly-Inseln an fünf Stellen Land zu gewinnen und Konstruktionen zu errichten, wo vorher nur Korallenriffe und Sandbänke waren. Nach Angaben der US-Denkfabrik Foreign Policy Research Institut wurden in zwei Jahren 800 Hektar neues Land geschaffen. US-Experten gehen davon aus, dass Hafeneinrichtungen, Kommunikations- und Überwachungsanlagen und mindestens eine Landebahn gebaut werden. Außenamtssprecher Hong Lei sprach von Einrichtungen für Meeresforschung, Fischerei, Wetterbeobachtung und Katastrophenschutz. Auch hat China seine Präsenz mit Schiffen verstärkt.

2001 entwickelte sich eine Krise zwischen den USA und China aus einem Zwischenfall mit einem Aufklärungsflugzeug in dem Gebiet. Nach einer Kollision mit dem US-Flieger war ein chinesischer Kampfjet abgestürzt und die amerikanische Maschine auf der südchinesischen Insel Hainan notgelandet.

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