CDU in Baden-Württemberg hadert mit Stefan Mappus und mit Japan

Noch ist er Ministerpräsident in Baden-Württemberg: Stefan Mappus gesteht seine Wahlniederlage ein.
Noch ist er Ministerpräsident in Baden-Württemberg: Stefan Mappus gesteht seine Wahlniederlage ein.
Foto: dapd
Schuld sind ja immer die anderen. Für die CDU-Anhänger in Baden-Württemberg sind dieses Mal ein zurückgetretener Verteidigungsminister und ein Atomkraftwerk in Japan. Und ein bisschen auch ihr eigener Spitzenkandidat.

Stuttgart. Die politische Katastrophe ist sogar zu groß für spontanes Entsetzen. Die wenigen vom CDU-Fußvolk, die um 18.00 Uhr die Wahlprognosen auf der „Wahlparty“ im baden-württembergischen Landtag in Stuttgart verfolgen, können nur den Kopf schütteln und Parteifreunde tröstend umarmen. „Um Gottes Willen“, raunt es aus der einen Ecke. „Es ist ein GAU“, murmelt ein anderer und versucht mit einem Glas Weißwein den Schock zu mildern.

Der scheidende CDU-Landtagsabgeordnete Jochen Kübler sieht in der Wankelmütigkeit seiner Parteioberen einen großen Teil der Ursache für das Wahldebakel: „Unser Grundproblem war die Glaubwürdigkeit, die Standfestigkeit, dass man sich nicht auf Aussagen verlassen konnte.“ Er meint den Kurswechsel in der Atompolitik. „Ohne Japan hätte es sicher noch mal knapp gereicht“, hadert auch CDU-Mitglied Emil Netzhammer aus Singen mit dem Schicksalsschlag aus dem 9.500 Kilometer weit entfernten asiatischen Inselstaat.

„Mappus soll schauen, wo er bleibt“

Die Hoffnung richtet sich nun - mangels tröstender Alternativen - auf die Zukunft, die nächsten Landtagswahlen in Baden-Württemberg in fünf Jahren. Dann werde die Rückkehr gelingen. Der unterlegene Ministerpräsident Stefan Mappus solle sich aber keine Hoffnung auf die Rolle des Oppositionsführers machen, sagt Kübler: „Der soll schauen, wo er bleibt.“ Den CDU-Faktionsvorsitz werde „ohne Wenn und Aber“ der bisherige Amtsinhaber Peter Hauk behalten.

Opposition, diesen Begriff kannte die CDU knapp 58 Jahren lang nur als Bezeichnung für andere Parteien. Nun ist sie damit gemein. Ihre Macht hat sie an Grüne und SPD verloren. Noch nie zuvor ist im Südwesten eine Regierung abgewählt worden. Die Bilanz könnte im konservativ-liberalen Stammland nicht bitterer sein.

„Ich habe bis zuletzt geglaubt, dass noch was möglich ist“, sagt Alexander Feil, Vize-Vorsitzender des CDU-Ortsverbands in Ditzingen. Einen Schuldigen hat er auch schon identifiziert: Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP), der mit seinem Eingeständnis, dass die Atomwende nur Wahlkampftaktik gewesen sei, die Glaubwürdigkeit von Schwarz-Gelb noch mehr erschütterte. „Der ist mir ein Rätsel, dieser Mann“, sagt Feil verächtlich, „da sollte die FDP noch mal drüber reden.“

 
 

EURE FAVORITEN