CDU-Basis mit deutlichem Votum für Röttgen

Wilfried Goebels

Düsseldorf. Bundesumweltminister Norbert Röttgen hat das Rennen um den Vorsitz der CDU in Nordrhein-Westfalen für sich entschieden. Mit 54,8 Prozent der Stimmen ließ er seinen Kontrahenten Armin Laschet deutlich hinter sich.

Punktsieg. Bis zur letzten Minute hat Norbert Röttgen gezittert, kurz nach 20 Uhr ist es amtlich. „Der nächste CDU-Landesvorsitzende in NRW wird Norbert Röttgen“, gibt Jürgen Rüttgers den Lorbeer an den Nachfolger weiter. Wie im Boxring stehen die Duellanten Laschet und Norbert Röttgen neben Ringrichter Rüttgers. Der lobt den fairen Wettkampf, bei dem die Schattenboxer während der acht Regionalkonferenzen auf Tiefschläge und einen harten K.o. verzichtet haben.

Es sind die Stunden, in denen Parteigeschichte geschrieben wird. Während Rüttgers geschlagen abtritt, übernimmt mit dem 44-jährigen Röttgen einer aus der jungen Garde die Führung des größten CDU-Landesverbandes. Der Vorsitz ist die Eintrittskarte in die Berliner Parteispitze und der Freifahrtschein für die nächste Spitzenkandidatur in NRW. Und vielleicht führt der Weg irgendwann ins Kanzleramt.

„Starke Basis“

Mit 54,8 Prozent hat Röttgen seinen Konkurrenten Laschet mit 45,2 Prozent deutlich hinter sich gelassen. „Röttgen hat eine starke Basis“, betont Rüttgers. Norbert Röttgen lobt die mit 52 Prozent hohe Beteiligung der Mitgliederbefragung als Demonstration der Lebendigkeit der Partei. Vor der Auszählung hat der viel beschäftigte Röttgen noch schnell den Umweltpreis vergeben. Am Abend feiert der Minister die nächste Stufe auf der Karriereleiter.

Verlierer Laschet hingegen ist tief enttäuscht. 8000 Kilometer hat der Kandidat in den letzten vier Wochen abgefahren, hat alle 54 Kreisverbände und zahllose Ortsvereine besucht. Hetzte Minister Norbert Röttgen zwischen Tokio und Washington von Termin zu Termin, tingelte der ehemalige Rüttgers-Minister Laschet auf Ochsentour durch die Provinz. Genutzt hat es nichts, der Prominentere macht die Punkte an der Basis. Laschet wünscht Röttgen eine glückliche Hand und wirbt dafür, dass die Partei Röttgen mit aller Kraft unterstützt. Ob er als Landesvize kandidiert, darüber will Laschet erst eine Nacht schlafen. Noch sitzt der Schock zu tief.

Laschets zweite Schlappe

Am Reformationstag hat die Mehrheit der CDU-Basis der Bundeslösung vertraut und auf den personellen Neuanfang in NRW gesetzt. Mutig hat der ehrgeizige Solist Röttgen ohne Landtagsmandat den Joker „Popularität“ gezückt, während Laschet gezielt seine örtlichen Netzwerke nutzte. Die Troika mit CDU-Fraktionschef Karl-Josef Laumann und Generalsekretär Andreas Krautscheid war Laschets Trumpf. Röttgen hatte gewettert, dass „einige Personen Posten unter sich aufteilen“. Die Botschaft kam an – Krautscheid wird weichen müssen, neuer General wird Röttgen-Freund Oliver Wittke. Der kommt am Abend schon mal in die Zentrale.

Als um 18 Uhr die ersten Ergebnisse bei der Wahlkommission einlaufen, zeichnet sich ein erster Trend ab. Köln, Düsseldorf, Bielefeld und Teile von Ruhrgebiet und Rheinland stimmen mehrheitlich für Röttgen. Die letzten Kreise lassen lange auch sich warten, die Kandidaten nebst Gattinnen treffen sich mit Rüttgers in einem Hinterzimmer, um erste „Wasserstände“ zu bewerten. Beide Bewerber haben vorher klar gestellt, dass sie das Votum respektieren und der Unterlegene auf eine Kandidatur auf dem Wahlparteitag am 6.November in Bonn verzichtet. Für Laschet ist es die zweite Schlappe innerhalb weniger Wochen. Auch der Griff nach dem Fraktionsvorsitz scheiterte.

Künftiger Vorsitzender will mehr Basisdemokratie

Die mit 52 Prozent hohe Wahlbeteiligung sieht die CDU-Spitze als klaren Wunsch der Basis, an Entscheidungen direkt beteiligt zu werden. Röttgen verspricht mehr Basisdemokratie in der Partei, der Traum von der eigenen Hausmacht in Berlin nimmt Konturen an.

Zunächst aber muss die CDU-Zentrale auf Vordermann gebracht werden. Die Wasserstraße hat sich in den letzen Jahren mit Affären und Indiskretionen zum Intrigantenstadl entwickelt. Der künftige General Wittke will aufräumen.

Zu seinen politischen Zielen will Röttgen am Tag des großen Erfolgs noch nichts sagen. Nur soviel: Spitzenkandidat in NRW will er werden – und Hannelore Kraft möglichst bald als Ministerpräsident ablösen.