Caritas: Flüchtlingshelfer werden zunehmend attackiert

Die Caritas beklagt zunehmende Attacken auf ehrenamtliche Flüchtlingshelfer.
Die Caritas beklagt zunehmende Attacken auf ehrenamtliche Flüchtlingshelfer.
Foto: Harald Tittel
Der Caritasverband schlägt Alarm und hat ausgemacht, wer an dieser Entwicklung Mitschuld trägt: populistische Aussagen von Funktionären und Politikern

Essen. Der Präsident des Deutschen Caritasverbandes, Peter Neher, hat zunehmenden Populismus in der Politik beklagt und Angriffe auf Flüchtlingshelfer scharf kritisiert. „Die Kollegen, vor allem die ehrenamtlichen, die in der Flüchtlingshilfe und der Migrationsberatung tätig sind, sehen sich zunehmend Anfeindungen und Beschimpfungen ausgesetzt“, sagte Caritas-Präsident Neher unserer Zeitung. Beratungsstellen seien mit Steinen beworfen worden. Auch er selbst habe Hassmails erhalten.

Der katholische Geistliche erhob schwere Vorwürfe gegen den Vorsitzenden der Deutschen Polizeigewerkschaft, Rainer Wendt, der im Zusammenhang mit der Caritas von einer „Abschiebungsverhinderungs-Industrie“ gesprochen hatte. Eine solche Aussage sei „zynisch und bösartig“, sagte Neher. „Hier hat jemand völlig aus dem Blick verloren, dass es Aufgabe der Kirche und ihrer Caritas ist, für rechtsstaatliche Verfahren einzutreten.“ Wendt stelle die Mitarbeiter in eine kriminelle Ecke. „Das kann auf keinen Fall hingenommen werden“, sagte Neher.

Populismus warf der 61-jährige Theologe auch Politikern der etablierten Parteien vor. Das „Gerede von einer Obergrenze für Flüchtlinge“ sei nicht hilfreich, weil es verhindere, die wirklichen Probleme zu lösen. „Mir kann doch niemand weismachen, dass 11 000 Flüchtlinge in ganz Mecklenburg-Vorpommern dafür verantwortlich sein sollen, dass die AfD dort mit 20 Prozent in den Landtag kommt.“ Die Flüchtlinge seien hier nur ein „Blitzableiter“, betonte Neher.

Mit Aufklärung die Stirn bieten

Integration sei „kein Sonntagsspaziergang“, sagte Neher, „und Flüchtlinge sind keine besseren, aber auch keine schlechteren Menschen als die Einheimischen“. Aber die Politik habe die Aufgabe, den Populisten mit Aufklärung und Information die Stirn zu bieten.

Als Zusammenschluss von über 8000 rechtlich eigenständigen Trägern mit 620 000 Mitarbeitern gilt der Deutsche Caritasverband als der größte privatrechtliche Arbeitgeber Deutschlands. Zusätzlich engagieren sich 500 000 Ehrenamtliche in den Einrichtungen der Caritas. In NRW ist die Caritas in fünf Diözesan-Verbänden organisiert: Aachen, Essen, Köln, Münster und Paderborn.

 
 

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