Bundeswehr-Veteranen gedenken gefallener Soldaten – kein einziger Politiker lässt sich sehen

Bei der Mahnwache zum Gedenken an die gefallenen Bundeswehrsoldaten vor dem Bundeskanzleramt war kein Politiker anwesend.
Bei der Mahnwache zum Gedenken an die gefallenen Bundeswehrsoldaten vor dem Bundeskanzleramt war kein Politiker anwesend.
Foto: Bund Deutscher EinsatzVeteranen e.V.
  • Am Gedenken für die gefallenen Bundeswehr-Soldaten nahm kein Politiker teil
  • Das sorgt für Aufregung bei den Veteranen
  • Sie fordern mehr Beachtung für Soldaten, die ausgedient haben

Berlin.  Am vergangenen Wochenende fanden in Berlin der Kirchentag und das DFB-Pokalfinale statt. Während sich bei beiden Veranstaltungen öffentlichkeitswirksam Politiker sehen ließen – und Kanzlerin Merkel mit Barack Obama sogar über Demokratie debattierte – fanden Deutschlands gefallene Soldaten kaum Beachtung.

Denn weitaus geringer von der Öffentlichkeit wahrgenommen gab es neben dem Pokalfinale und dem Kirchentag mehrere Veranstaltungen, bei denen ehemalige Bundeswehr-Soldaten ihrer gefallenen Kameraden gedachten – ohne, dass auch nur ein Politiker anwesend war.

Kein Politiker bei Bundeswehr-Gedenken

Das zumindest sagt Ex-Soldat Björn Schreiber, der deshalb einen Brand-Brief an die Bundestagsparteien und die FDP geschrieben hat. Er wurde von der Facebook-Seite des Bundes Deutscher EinsatzVeteranen veröffentlicht.

Er teile zwar die Begeisterung für Fußball und könne auch die Teilnahme am Kirchentag nachvollziehen. Aber es sei „ein Zeugnis des gesamtgesellschaftlichen ‘freundlichen Desinteresses’ an Soldatinnen und Soldaten“, dass die Abgeordneten den etlichen Veranstaltungen, die an Deutschlands Veteranen erinnern sollten, ferngeblieben sind.

Bundestag schickt Soldaten auf Einsätze

Schreiber, Herausgeber des Buches „Die un­sicht­ba­ren Ve­te­ra­nen“, macht die Politiker darauf aufmerksam, dass sie schließlich diejenigen sind, die „Soldatinnen und Soldaten in Auslandseinsätze entsandt haben und immer noch entsenden und dadurch neue Veteranen hervorbringen“.

Er bemängelt, dass es kein Veteranen-Konzept gebe. Es gebe noch nicht einmal eine richtige Definition darüber, was ein Veteran überhaupt ist. Auch führt er die Aussagen von Ursula von der Leyen an, die die Bundeswehr zunächst unter Generalverdacht des Rechtsextremismus stellte, die weiter dafür gesorgt hätten, dass der „Platz der Bundeswehr in der Mitte der Gesellschaft in weiter Ferne“ sei.

„Es ist ein schlimmes Zeichen“

Er schließt den Brief mit der Frage: „Ich frage Sie ganz offen: Wo waren Ihre Abgeordneten, um zu zeigen, dass sie sich ihrer Verantwortung bewusst sind? Auch der Vorsitzende des Bundes Deutscher EinsatzVeteranen e.V., Christian Bernhardt, bestätigt unser Redaktion, dass kein Politiker an den Veranstaltungen teilgenommen habe, bei denen es unter anderem eine Mahnwache vor dem Kanzleramt gab.

Er sagt, dass der Verteidigungsausschuss des Bundstages von der Veranstaltung gewusst habe, zumal in Sitzungen immer wieder auf die Situation der Veteranen aufmerksam gemacht worden sei. Und auch nach der Veranstaltung habe sich kein Politiker zu Wort gemeldet. „Es ist ein schlimmes und trauriges Zeichen an alle Einsatzsoldaten und Veteranen der Bundeswehr.“

USA feiern Veteranen

Um in Zukunft stärker auf das Problem aufmerksam zu machen, plant der Bund Deutscher EinsatzVeteranen, nach der Bundestagswahl alle Abgeordneten anzuschreiben und sie einzuladen.

Dass es bei der Wertschätzung für Veteranen auch anders geht, haben am Montag die USA eindrucksvoll unter Beweis gestellt: Bei Veranstaltungen zum „Memorial Day“ wurde mit Paraden, Gottesdiensten, Gedenkfeiern in öffentlichen Gebäuden der gefallenen Soldaten gedacht – und das nicht nur in Washington, der Hauptstadt, sondern im ganzen Land.

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