Bundeswehr-Soldatinnen klagen über sexuelle Belästigung

Frauen in der Bundeswehr stehen seit 2001 alle Laufbahnen offen.
Frauen in der Bundeswehr stehen seit 2001 alle Laufbahnen offen.
Foto: dpa
Die 18.000 Soldatinnen, die derzeit bei der Bundeswehr Dienst tun, werden in der Truppe nicht akzeptiert. Bei ihren männlichen Kollegen herrscht die Meinung vor, seitdem es Frauen in der Bundeswehr gebe, gehe es bergab. Frauen widerum fühlen sich von ihren Kritikern belästigt.

Berlin. Frauen in der Bundeswehr kämpfen noch immer mit massiven Vorbehalten – teilweise nimmt die Skepsis der männlichen Kollegen sogar zu: Mehr als jeder zweite Soldat sieht die Truppe wegen der Integration von Frauen im Abwärtstrend, jeder dritte spricht Frauen die Eignung für das harte Leben im Einsatz ab und fürchtet Kampfkraft-Einbußen.

Das ist das Ergebnis einer Studie von Bundeswehr-Wissenschaftlern, die das Verteidigungsministerium am Freitag vorgestellt hat. Soldatinnen berichten umgekehrt über sexuelle Belästigung: Jede vierte klagt über unerwünschte Berührungen, jede zweite über anzügliche Witze und Bemerkungen. Fazit der Befragung von rund 14.500 Soldatinnen und Soldaten: Seit der Öffnung der Bundeswehr für Frauen im Jahr 2001 hätten die Soldatinnen zwar an Selbstbewusstsein gewonnen, Akzeptanz fänden sie aber noch nicht. Zum Teil wurden die Vorbehalte sogar größer.

Derzeit dienen rund 18.000 Soldatinnen in der Bundeswehr, das entspricht etwa zehn Prozent der Zeit- und Berufssoldaten; die ersten sind in Führungspositionen aufgestiegen, etwa als Kompaniechefin. Doch laut Studie meint jeder fünfte Soldat, Frauen seien ungeeignet für militärische Führungspositionen.

Minderjährige Rekruten

Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) erklärte, die Bundeswehr müsse attraktiver für Frauen werden. Zugleich verteidigte sie die Rekrutierung von Minderjährigen.

Nach einer am Freitag öffentlich gewordenen Statistik wurden im vergangenen Jahr 1032 Jugendliche im Alter von 17 Jahren als freiwillig Wehrdienstleistende oder Zeitsoldaten eingestellt.

Das Ministerium erklärte, die Praxis entspreche geltendem Recht und auch der UN-Kinderrechtskonvention: Die Eltern hätten ihr Einverständnis gegeben, an der Waffe würden die Jugendlichen zwar ausgebildet, aber nicht eingesetzt. Von der Leyen sagte: „Wie in allen anderen Ausbildungsberufen auch können junge Menschen ab 17 bei uns anfangen.“ Die Linkspartei hatte dies als Doppelmoral kritisiert, weil der Einsatz von Kindersoldaten international geächtet werde.

 
 

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