Bundesregierung zahlt eine halbe Milliarde Euro mehr für Holocaust-Überlebende

Dirk Hautkapp
Die Bundesregierung zahlt zusätzlich über eine halbe Milliarde Euro für Holocaust-Überlebende (Archivfoto von 1943 im Warschauer Ghetto). Foto: ap
Die Bundesregierung zahlt zusätzlich über eine halbe Milliarde Euro für Holocaust-Überlebende (Archivfoto von 1943 im Warschauer Ghetto). Foto: ap
Von dem zusätzlichen Geld profitieren rund 16.000 Holocaust-Opfer. Die Kriterien, die sie erfüllen müssen, um Geld zu erhalten, werden außerdem verändert: Sie müssen nachweisen, dass sie mindestens ein Jahr in einem Ghetto oder Versteck gelebt haben. Bislang waren es anderthalb Jahre.

Washington/New York. Die deutschen Entschädigungszahlungen an Überlebende des Holocaust werden erneut ausgeweitet. Wie die in New York ansässige Jewish Claims Conference mitteilt, hat sich die Bundesregierung bereit erklärt, in den nächsten Jahren rund 485 Millionen Euro zusätzlich an Bedürftige auszuzahlen. Rund 16.000 Personen sollen davon profitieren.

Laut Claims Conference hat das Bundesfinanzministerium in Verhandlungen zugestanden, die Kriterien zu verändern, die Holocaust-Überlebende erfüllen müssen, bevor sie Zahlungen erhalten können. Bisher musste der Betroffene nachweisen, dass er auf der Flucht vor den Nationalsozialisten wenigstens eineinhalb Jahre in einem Ghetto, in einem Versteck oder unter geliehener Identität gelebt hat. Ab Januar nächsten Jahres wird diese willkürlich gesetzte Marke auf ein Jahr verkürzt. Rund 8000 Männer und Frauen seien davon betroffen, erklärte die Interessenvertretung in New York.

Überlebende des Budapester Ghettos profitieren

Weitere 8000 Überlebende des Nazi-Terrors, die 75 Jahre oder älter sind und mindestens drei Monate in einem Ghetto leben mussten, erhalten ab dem kommenden Jahr auf bis zu 240 Dollar im Monat aufgestockte Entschädigungspensionen. Vor allem Überlebende des Budapester Ghettos würden hiervon profitieren.

Am 10. September 1952 hatte die damalige Bundesregierung in Bonn mit Israel und der Jewish Claims Conference (JCC) das Luxemburger Abkommen unterzeichnet. Darin verpflichtete sich die Bundesrepublik, jüdischen Opfern des Nationalsozialismus rund 3,5 Milliarden Mark als Wiedergutmachung zu leisten. Laut JCC hat Deutschland bis heute rund 44 Milliarden Euro für Renten, Einmalzahlungen oder Stiftungskapitaleinlagen an jüdische Opfer des Nationalsozialismus und Holocaust-Überlebende gezahlt.