Bürger ziehen Schulz Gabriel vor

Berlin/Hagen.  EU-Parlamentspräsident Martin Schulz wechselt aus Brüssel in die Bundespolitik und bringt damit Schwung in die Suche der SPD nach einem Kanzlerkandidaten. „Ich werde nun von der nationalen Ebene aus für das europäische Projekt kämpfen“, sagte der SPD-Politiker gestern in Brüssel. Er wolle auf Platz eins der nordrhein-westfälischen SPD-Landesliste bei der Bundestagswahl im Herbst nächsten Jahres antreten.

Die Deutschen halten Schulz (SPD) für einen aussichtsreicheren sozialdemokratischen Kanzlerkandidaten als SPD-Chef Sigmar Gabriel. Nach einer Umfrage von TNS Emnid im Auftrag der WESTFALENPOST glauben 42 Prozent, Schulz habe die besseren Chancen gegen Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), während sich 35 Prozent für Gabriel aussprechen. 23 Prozent wollten sich nicht festlegen.

Unter den Anhängern der SPD ist der Vorsprung für den bisherigen Europapolitiker, der sich für einen Wechsel in die Bundespolitik entschieden hat, noch größer: 54 Prozent halten Schulz für chancenreicher, 41 Prozent Gabriel. Bei den Wunschkoalitionspartnern vieler Sozialdemokraten fällt das Ergebnis noch deutlicher aus: Im Lager der Grünen stimmen 73 Prozent für Schulz, bei den Linken sprechen sich 70 Prozent für ihn aus.

Schulz ließ gestern offen, ob er das Amt des Außenministers als Nachfolger von Frank-Walter Steinmeier übernehmen will, wenn dieser im Februar zum Bundespräsidenten gewählt wird. Auch zu einer möglichen Kanzlerkandidatur äußerte sich Schulz nicht.

Nach Einschätzung aus SPD-Kreisen ist Schulz klarer Favorit für Steinmeiers Nachfolge. Schulz sei seit 1994 Mitglied des Europaparlaments und habe sich als langjähriger Präsident des Parlaments auch international alle Kontakte erworben, die man sich für einen Außenminister nur wünschen könne, hieß es.

SPD-Generalsekretärin Katarina Barley sagte, sie freue sich, dass Schulz seine Erfahrung und seine Begeisterung für Europa in Zukunft in Berlin einbringen wolle.

 
 

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