Bürger überschätzen oft das Ausmaß der Kriminalität

Die Furcht vor Gewalt ist bei vielen Bürgern wesentlich größer als die reale Gefahr. Das ergab eine Untersuchung der Bochumer Ruhr-Universität.
Die Furcht vor Gewalt ist bei vielen Bürgern wesentlich größer als die reale Gefahr. Das ergab eine Untersuchung der Bochumer Ruhr-Universität.
Foto: imago/Reporters
  • Forscher der Ruhr-Universität haben mehrere Hundert Bochumer zu Sicherheitsgefühl befragt
  • Furcht vor Verbrechen größer als tatsächliche Zahl von Straftaten
  • Wachsende Kluft zwischen Wahrnehmung und Wirklichkeit

Bochum/Essen.. Die Kluft zwischen Verbrechensfurcht und tatsächlicher Kriminalitätsentwicklung wird immer tiefer. Das geht aus einer aktuellen Studie der Bochumer Ruhr-Universität hervor. Generell neigten die Menschen dazu, das Ausmaß an Kriminalität deutlich zu überschätzen, heißt es in der Befragung unter Bochumer Bürgern, die von einem Team um den Kriminologen Prof. Thomas Feltes durchgeführt wurde.

Die Forscher sprechen von einem „Verbrechensfurcht-Paradox“. So rechnen 19 Prozent der Befragten damit, in den kommenden zwölf Monaten Opfer eines Raubüberfalls zu werden, obwohl im vergangenen Jahr nach eigenen Angaben nur 0,3 Prozent überfallen wurden. Der Glaube daran, überfallen zu werden, sei damit 65 Mal höher als die reale Gefahr. „Das ist rational nicht erklärbar“, sagte Feltes unserer Zeitung. Ursache für die wachsende Kluft zwischen Wahrnehmung und Wirklichkeit ist nach Einschätzung der Forscher die allgemein zunehmende Verunsicherung in der Gesellschaft durch Terrorismus, Flüchtlingskrise, Globalisierung und soziale Abstiegsängste.

Die meisten glauben, dass die Zahl der Diebstähle und Überfälle steigt

Fast alle Befragten glauben, dass Diebstähle und Einbrüche in Deutschland zugenommenen haben. Über 80 Prozent gaben an, dass es im vergangenen Jahr mehr Raubüberfälle gegeben hat. Tatsächlich sank die Zahl der Raubüberfälle ge­genüber 2014 um 1,8 Prozent. Die Zahl der Körperverletzungen blieb praktisch gleich. Lediglich bei den Einbrüchen gab es eine Zunahme von zehn Prozent. Insgesamt sei die Kriminalität in Deutschland seit 1998 um zwei Prozent gesunken.

Auch bei der seit zwei Jahren gestiegenen Zahl von Einbruchsdelikten warnt der Kriminologe vor falschen Schlussfolgerungen. Die Aufklärungsquote sei viel zu gering, um belastbare Aussagen über Tätergruppen treffen zu können. Die weit verbreitete Annahme, dass Einbrüche überwiegend auf das Konto osteuropäischer Diebesbanden gehen, hält Feltes für zweifelhaft. Näher liege es, die Täter mehrheitlich unter Drogenabhängigen und benachteiligten Jugendlichen zu vermuten. Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) widerspricht. Von den im vergangenen Jahr ermittelten 5800 Einbrechern im Land seien knapp die Hälfte Ausländer, sagte GdP-Landeschef Arnold Plickert unserer Zeitung.

 
 

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