Bürger laufen Sturm gegen Gasbohrungen

Jürgen Polzin
In NRW wächst der Widerstand gegen die geplanten Erdgas-Bohrungen internationaler Energiekonzerne.

Münster. In NRW wächst der Widerstand gegen die geplanten Erdgas-Bohrungen internationaler Energiekonzerne. Bürgerinitiativen im Münsterland laufen wegen befürchteter Umweltschäden und Enteignungen Sturm gegen mögliche Erkundungsbohrungen des US-Öl-Multis Exxon Mobil. Sie haben bereits tausende Unterschriften gesammelt.

Rund ein Dutzend Energiekonzerne aus den USA, Kanada, Australien und Deutschland haben halb NRW unter sich aufgeteilt, um vermutete Gasvorkommen zu erkunden. In mehreren tausend Metern Tiefe ist das Gas in Kohle- oder Schieferschichten gespeichert. Es kann nur mit großem Aufwand und teils nur mit Einsatz giftiger Chemikalien gefördert werden. Die unter NRW vermutete Gasmenge würde aber theoretisch ausreichen, um das Land einige Jahrzehnte lang mit Wärme zu versorgen.

„Es sind wichtige Investitionen für Deutschland“, sagte Gernot Kalkoffen, Vorstandsvorsitzender von Exxon Mobil, am Mittwoch auf einer Sondersitzung des Regionalrats Münster. Der Konzern hat in Nordwalde (Kreis Steinfurt) eine rund 2,5 Millionen Euro teure Erkundungsbohrung be­antragt. Weitere sind in Borken und Drensteinfurt ge­plant. Exxon versprach, die verwendeten Chemikalien of­fenzulegen sowie die betroffenen Gemeinden und Anwohner zu informieren. Das Unternehmen könne aber keine Garantie geben, dass keine Unfälle passierten. „Doch wir machen nichts, von dem wir nicht überzeugt sind, dass wir es beherrschen“, so Kalkoffen.

Das grüne Licht für Exxon-Probebohrungen gilt als Signal für weitere millionenteure Er­kundungen in NRW. Doch der massive Bürgerprotest im Münsterland zeigt in den Behörden Wirkung: Die Bezirksregierung Arnsberg, zuständig für die Er­teilung der Genehmigungen, regt eine Verschärfung des Bergrechts an. Umweltverträglichkeitsprüfungen sollen zur Pflicht werden, Bürger mehr Beteiligungsmöglichkeiten er­hal­ten.