Britische Regierung muss Spar-Forum sperren

Die Vorschläge auf der Internetseite der britischen Regierung waren zum Teil so fies, sarkastisch und schräg, dass Besuchern nun nicht mehr alle Einträge sehen können.
Die Vorschläge auf der Internetseite der britischen Regierung waren zum Teil so fies, sarkastisch und schräg, dass Besuchern nun nicht mehr alle Einträge sehen können.

London.. Tolle Idee, charmanter Flop: Britische Spaßvögel haben einen Versuch der Regierung torpediert, Bürger in die Sanierung des Staatshaushaltes einzubinden. Doch die Vorschläge waren so satirisch oder fies, dass die Seite zum Teil gesperrt ist.

Mehr Bürgerbeteiligung – davon schwärmt die konservativ-liberale Koalition, seitdem sie an der Macht ist. Doch wie wenig Witz direkte Demokratie wirklich aushält, zeigt jetzt ihr Projekt, Wähler ins Regierungsgeschäft einzubinden. Unter dem Banner „Mehr Leistung für weniger Kosten“ hatte sie das Volk aufgerufen, dem Finanzministerium Sparvorschläge zu unterbreiten. Die Resonanz war riesig, doch leider nicht nach dem Gusto konsternierter Politiker.

„Wir sollten aufhören, Geld für illegale Kriege rauszuwerfen und aus falschen Vorgaben in Länder einzumarschieren, nur um Rohstoffe zu rauben“, schreibt ein Bürger. Ein anderer: „Teetassen mit einem Volumen von mehr als 150 Millilitern sollten in Amtsstuben verboten werden, damit die Beamten seltener zum Klo müssen und mehr arbeiten.“

Spardiskussion verlagert sich

Eine Dame stellte ein viel beachtetes Rezept zum Reste-Essen auf die Seite („Rindfleisch-Auflauf“). Ein anderer kluger Kopf empfahl, Politikern die Mietkostenzuschüsse zu streichen und stattdessen Zelte zu verteilen. Zu den Favoriten zählte auch die Idee, Menschen mit verbreiteten Vornamen wie Steve eine Zufallssteuer aufzubrummen.

Manches war freilich richtig fies: Die Ideen, Sozialhilfeempfänger sterilisieren zu lassen oder in Arbeitslager zu zwingen, waren so zahlreich, dass einer gleich den nächsten Sparvorschlag entwickelte: „Wenn wir jedem, der hier vorschlägt, dass Sozialhilfeempfänger arbeiten gehen sollen, 10 Pfund berechnen, sind alle Geldprobleme gelöst.“

In einer parlamentarischen Fragestunde attackierte Labour-Politikerin Angela Eagle das unmoderierte Forum als rassistisch und vielseitig feindlich. Derzeit darf man seine Ideen zwar noch loswerden, doch der gesammelte Schatz an Spar-Vorschlägen aus dem Volk ist „wegen einer kleinen Zahl bösartiger Angriffe“ nicht mehr öffentlich zugänglich.

Überflüssig zu sagen, dass das Mutterland des Humors nicht auf derartige Erziehungsversuche hereinfällt. Die Spar-Diskussion der Wähler, längst eine Goldgrube für Profi-Komiker, hat sich in die Online-Foren britischer Medien verlagert. Das ist vielleicht nicht direkte, aber digitale Demokratie.

 
 

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