Braunkohleabbau – Warum der Hambacher Forst so umkämpft ist

Polizisten rückten am Donnerstagmorgen im Hambacher Forst an, um Baumhäuser der Braunkohlegegner zu räumen.
Polizisten rückten am Donnerstagmorgen im Hambacher Forst an, um Baumhäuser der Braunkohlegegner zu räumen.
Foto: WOLFGANG RATTAY / REUTERS
Im Hambacher Forst in NRW droht eine Eskalation. Der Wald soll dem Braunkohleabbau weichen. Nun rückt ein Großaufgebot der Polizei an.

Düsseldorf/Berlin.  Zahlreiche Baumbesetzer im Hambacher Forst im Rheinland haben am Donnerstagmorgen ein Ultimatum der Behörden zur Räumung der Baumhäuser verstreichen lassen. Nun steht die Räumung durch die Polizei an.

Das Waldgebiet zwischen Köln und Aachen ist ein Symbol des Widerstands gegen die Braunkohle geworden. Doch worum geht es genau beim Streit um den Hambacher Forst? Die wichtigsten Fakten im Überblick:

• Der Hambacher Forst liegt in der Nähe von Jülich, im Südosten des größten europäischen Braunkohle-Tagebaugebietes Hambach. Unter dem 85 Quadratkilometer großen Abbaufeld lagern 2,5 Milliarden Tonnen Braunkohle, die bis zu 450 Meter tief liegen.

• Vor Beginn der Kohleförderung war der Wald 4100 Hektar groß. Nach Angaben von RWE Power wurden bislang 3900 Hektar für den Tagebau gerodet. Der Wald hat nach Angaben des Bunds für Umwelt und Naturschutz (BUND) eine 12.000 Jahre lange Geschichte. In dem Wald gibt es Vorkommen streng geschützter Arten wie Bechsteinfledermaus, Springfrosch und Haselmaus.

• Das Energieunternehmen RWE Power will für den Braunkohleabbau mehr als 100 der verbliebenen 200 Hektar Wald abholzen, was mit Beginn der Rodungssaison ab 1. Oktober möglich wäre.

• Gegen die Abholzung gibt es seit langem heftige Proteste von Waldbesetzern vor Ort. Darüber hinaus fordert ein breites Bündnis von Natur- und Klimaschützern einen Rodungsstopp, solange die bundesweite Kohlekommission in Berlin miteinander im Gespräch ist.

• NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) sieht bei den Besetzern im Hambacher Forst eine hohe Gewaltbereitschaft. Die Waldbesetzer und die teils linksextremistisch beeinflussten Gegner der Rodung seien bereit zu Gewalt gegenüber Mitarbeitern des Energiekonzerns und Polizeikräften, sagte Reul. Er kündigte ein Null-Toleranz-Vorgehen der Sicherheitskräfte gegen Gewalttäter an. „RWE ist Eigentümer des Geländes und hat das Recht, zu roden.“

Polizei rückt in Hambacher Forst vor

Der Wald soll für den Braunkohletagebau gerodet werden. Dagegen gibt es sei Jahren Proteste.
Polizei rückt in Hambacher Forst vor

• Landesverfassungsschutz-Chef Burkhard Freier erklärte, die gewaltbereiten Linksextremisten im Hambacher Forst hätten bereits Unterstützung aus anderen europäischen Ländern erhalten. „Die wollen ein zweites Hamburg. Da gibt es keine Verharmlosung“, sagte Freier in Anspielung auf die Krawalle am Rande des G20-Gipfels in Hamburg 2017. (W.B./dpa/epd)

 
 

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