Boris Palmer: Umstrittener Grünen-Politiker besucht Berlin – und bringt die Hauptstadt wieder einmal gegen sich auf

Boris Palmer erneuert seine Kritik an Berlin.
Boris Palmer erneuert seine Kritik an Berlin.
Foto: dpa

Berlin. Tübingens Oberbürgermeister Boris Palmer hatte vor einiger Zeit viele Berliner gegen sich aufgebracht. Der Grünen-Politiker sagte den Zeitungen der Funke-Mediengruppe über Berlin: „Wenn ich dort ankomme, denke ich immer: Vorsicht, Sie verlassen den funktionierenden Teil Deutschlands.“

Nachdem seine Worte große Wellen geschlagen hatten, wurde Boris Palmer nun in die Hauptstadt eingeladen. Vorher erneuerte der Schwabe sein Urteil über Berlin.

Boris Palmer: Vieles klappt in Berlin nicht

„Vieles klappt einfach in der Hauptstadt erkennbar nicht. Vom Schulwesen über den Nahverkehr bis hin zur sichtbaren Verwahrlosung des öffentlichen Raums, was Drogen, Armut und Kriminalität angeht. Das kann man besser managen“, sagte der 46-Jährige dem „Tagesspiegel“.

Schon vor seiner Berlin-Reise gab es Aufregung um Tübingens Oberbürgermeister. Berlins Grünen-Chefin Antje Kapek hatte Parteifreund Palmer gegenüber dem „Tagesspiegel“ einen „Irren“ genannt. Palmer heische regelmäßig nach Aufmerksamkeit.

------------------------------------

• Mehr Themen:

Boris Palmer prägt „Unwort des Jahres 2018“ und zeigt sich verärgert: „Fundamentalismus ist trotzdem falsch“

Palmer tritt mit Anekdote Debatte über Flüchtlinge los: „In die Polizeistatistik schafft es so ein alltäglicher Fall gar nicht“

Grünen-Chef Habeck macht Aussage über Thüringen – die fliegt ihm um die Ohren

-------------------------------------

Brisant: Der Schwabe kommt nicht auf Einladung seiner Partei nach Berlin, die Grüne-Bundestagsfraktion besucht er auch nicht. Eingeladen hatte ihn die Berliner CDU und deren Chef Burkhard Dregger. Eine Provokation?

„Berlin ist so tolerant, dass es Palmer erträgt“

Nein, sagt Palmer, der mit Äußerung häufig auch bei Parteifreunden aneckt. „Ich komme aus einem Land, wo die Grünen mit der CDU die Regierung stellen.“ Antje Kapek reagierte auf die Einladung: „Berlin ist so tolerant, dass es sowohl Dregger als auch Palmer erträgt.“

Im Interview vor seinem Berlin-Besuch gestand Palmer, dass die Stadt es aufgrund der Entwicklungen in der Vergangenheit schwer habe: „In Berlin kommt ja einiges zusammen: das schwierige Zusammenwachsen von Ost und West nach der Wiedervereinigung, vorher der Zustrom von Kadern in den Ostteil und der von Aussteigern in den Westteil der Stadt, das weitgehende Fehlen von Industrie durch die Zerschlagung im Krieg.“

Man sollte die Probleme aber anerkennen und sie nicht verharmlosen oder mit Weltoffenheit verwechseln. (jg)

 
 

EURE FAVORITEN