Bonner Bombe macht die Ermittler ratlos

Tobias Blasius
Gut einen Monat nach dem versuchten Sprengstoffanschlag von Bonn fehlt von den Bombenlegern weiter jede Spur. Die Bundesanwaltschaft sucht jetzt auch nach Spuren in die rechtsextreme Szene, so der „Spiegel“. Zudem soll die Bombe nun doch nicht sprengfähig gewesen sein, der Zünder habe gefehlt.

Bonn/Düsseldorf. Die Ermittlungen zum versuchten Bombenanschlag am Bonner Hauptbahnhof haben in den vergangenen vier Wochen schon manche Wendung genommen. Unmittelbar nach dem Fund einer blauen Sporttasche am Gleis 1 brachte die Bundespolizei die beruhigende Mitteilung unter die Leute, es habe sich um eine Attrappe gehandelt. Das Landeskriminalamt widersprach tags darauf energisch: Es habe sich sehr wohl um eine zündfähige Bombe gehandelt, deren Technik jedoch erst rekonstruiert werden müsse.

Die robuste Entschärfung mit einem Wassergewehr erschwerte schließlich die Einschätzung. Das hinderte niemanden daran, öffentlich über eine vergleichbare Sprengkraft wie bei den Madrider Anschlägen von 2004 zu spekulieren. Nun gibt es die nächste Volte.

„Die Bombe war nicht sprengfähig“

„Die Bombe war nicht sprengfähig, weil ein Zünder fehlte“, zitierte die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung (FAS) am Wochenende überraschend einen hohen Sicherheitsbeamten. Auch über die Urheberschaft des versuchten Anschlags scheint zunehmend Unsicherheit zu herrschen. Das Nachrichtenmagazin „Spiegel“ berichtet in seiner neuen Ausgabe darüber, das Bundeskriminalamt habe seine Ermittlungen „in alle Richtungen“ ausgeweitet.

Dies stehe in einem vertraulichen Lagebericht. Die Bundesanwaltschaft habe das neugegründete Abwehrzentrum gegen Rechtsextremismus eingeschaltet, um mögliche Spuren in die rechtsextreme Szene zu untersuchen. Denkbar sei mittlerweile aber auch ein „psychisch erkrankter“ Erpresser ohne politische Motive.

Bislang galt es als ausgemacht, dass Polizei, Verfassungsschutz und Bundesanwaltschaft mit der Sondereinheit „Tasche“ einen Bombenleger aus der islamistischen Szene suchen. Wertvollster Hinweis ist die Sequenz einer Überwachungskamera eines Schnellrestaurants, das einen bärtigen Mann mit Mütze zeigt.

Neue Aufschlüsse durch ein Haar in der Sporttasche?

Laut „Welt“ gibt es inzwischen auch ein Haar aus der Sporttasche, das die Fahndung mit DNA-Material erleichtern soll. Allerdings brachte der Abgleich mit den Datenbanken registrierter Extremisten bislang offenbar keinen Treffer. Das gefundene Haar soll von einem hellhäutigen Mann aus Europa oder Nordamerika stammen. Also alles zurück auf Anfang?

Die Verdachtsmomente gegen die beiden Bonner Islamisten Omar D. und Mounir T. sollen sich jedenfalls nicht erhärtet haben. Die rot-grüne Landesregierung hatte sich bereits den Vorwurf gefallen lassen müssen, das Risiko von Salafisten in NRW verniedlicht zu haben. Landesinnenminister Ralf Jäger (SPD) wollte zwar bislang dem Geraune über islamistische Hintergründe des Bonner Falls nicht energisch widersprechen, mahnte jedoch vorsorglich: „Wir wissen nicht, wer der Täter ist und aus welcher extremistischen Szene er möglicherweise stammt.“

Minister Jäger empfahl, die Klappe zu halten

Jägers vier Wochen alte Aufforderung, keine wilden Szenarien zu entwerfen, klingt jedenfalls aktueller denn je: „Wenn man von etwas keine Ahnung hat, soll man einfach die Klappe halten.“