BKA fürchtet Terrorangriffe mit Drohnen – auch auf Stadien

Das Berliner Olympiastadion während der Fußball-Weltmeisterschaft 2006. Großveranstaltungen wie diese hält das BKA für mögliche Ziele terroristischer Drohnenangriffe.
Das Berliner Olympiastadion während der Fußball-Weltmeisterschaft 2006. Großveranstaltungen wie diese hält das BKA für mögliche Ziele terroristischer Drohnenangriffe.
Foto: dpa
  • Das BKA warnt vor Drohnen-Attacken auf Großveranstaltungen – vor allem in Stadien.
  • Denkbare Gefährdungen reichen von Störungen über Ausspähungen bis zu Anschlägen.
  • Es wurde eine neue Abteilung für Drohnentechnik und Gefahrenanalyse gegründet.

Berlin.. Die deutschen Sicherheitsbehörden bereiten sich auf neue Formen terroristischer Anschläge vor. Im Blick haben sie dabei auch mögliche Angriffe mit Drohnen, wie die Zeitungen des Redaktionsnetzwerks Deutschland berichten. „Denkbare Szenarien, die mittels Drohnen ausgeführt werden können, reichen von Störungen von Veranstaltungen und allgemeinkriminellen Anwendungen über Ausspähungen bis hin zu möglichen terroristischen Anschlägen, zu denen auch Großveranstaltungen gehören können“, wird ein ein Sprecher des Bundeskriminalamtes (BKA) unter anderem von der „Hannoverschen Allgemeinen“ zitiert.

Man habe beim BKA extra eine neue Abteilung installiert, die den Markt für Drohnenabwehrsysteme beobachtet und die potenziellen Gefahren durch Drohnen einschätzen soll, heißt es in dem Bericht weiter. Auch die Erkenntnisse von Bund und Ländern zum Thema Drohnenabwehr sollen dort gebündelt werden.

Anti-Drohnen-Technik bei der Fußball-EM

Großveranstaltungen jeder Art hält das BKA dem Bericht zufolge für potenzielle Anschlagsziele mit Drohnen – im Speziellen Events in Fußballstadien. Während der Fußball-Europameisterschaft in Frankreich, die am Freitag startet, gibt es bereits ein Konzept zur Drohnenabwehr. Gebiete über den zehn Stadien und den Trainingslagern der 24 beteiligten Teams sollen zu Flugverbotszonen erklärt werden, wie der EM-Sicherheitschef, Ziad Khoury, der Nachrichtenagentur Associated Press sagte. Mit Hilfe von Anti-Drohnen-Technik soll die Kontrolle über Drohnen übernommen werden, sobald sie entdeckt sind. Bei der EM vom 10. Juni bis 10. Juli gibt es 51 Spiele. Mit unerlaubten Überflügen von Drohnen haben Frankreichs Sicherheitskräfte reichlich Erfahrungen. In den vergangenen zwei Jahren gab es Dutzende solcher Zwischenfälle in überwachten Flugverbotszonen über Atomkraftwerken des Landes sowie über der Hauptstadt Paris. Es ist nicht bekannt, ob dabei kriminelle Hintergründe im Spiel waren.

FC Bayern denkt wohl über Impuls-Abwehrgeräte nach

Wie die „Hannoversche Allgemeine“ berichtet, gibt es auch bei deutschen Stadionbetreibern schon Überlegungen zur Drohnen-Abwehr. Dem Bericht zufolge spielt der FC Bayern München mit dem Gedanken, elektromagnetische Impuls-Abwehrgeräte zum Schutz der Münchner Allianz-Arena einzusetzen. Es soll schon erste Gespräche mit dem Rüstungskonzern Rheinmetall gegeben haben.

In Frankreich sorgt man sich allerdings nicht nur um die potenzielle Gefahr durch Drohnenangriffe. Generell herrschen in Frankreich während der EM strenge Sicherheitsmaßnahmen. Nicht nur die Stadien, sondern auch die Fanmeilen werden zu Hochsicherheitszonen. „Der Bereich der Fanzonen wird perfekt abgeriegelt sein“, sagte Frankreichs Innenminister Bernard Cazeneuve am Mittwochabend in einer Anhörung im Sicherheitsausschuss der französischen Nationalversammlung. „Ihre Zugänge werden streng kontrolliert werden.“ Angesichts einer hohen Terrorgefahr hatte es in den vergangenen Monaten immer wieder Diskussionen über die Fanmeilen gegeben, Kritiker halten sie für nur schwer zu schützen.

Cazeneuve versicherte, bei eventuellen konkreten Bedrohungen die Sicherheitsvorkehrungen anzupassen. „Es gibt eine generelle Bedrohung, die auf Europa lastet, die auf Frankreich lastet.“ Der Innenminister erläuterte, dass rund 80.000 Menschen von den Sicherheitsbehörden überprüft wurden, weil sie in den Stadien und Fanzonen arbeiten sollen. 300 Personen seien dabei von der Akkreditierung ausgeschlossen worden.

App soll EM-Fans vor (Terror-)Gefahr warnen

Pünktlich zur EM hat das französische Innenministerium außerdem eine Handy-App vorgestellt, mit der Nutzer im Fall eines Terroranschlags gewarnt werden sollen. Auch bei schweren Unglücksfällen können so Warnungen verschickt werden, wie das Ministerium am Mittwoch mitteilte. Die Nachrichten werden nur an Menschen verschickt, die sich in dem betroffenen Gebiet aufhalten. Zudem enthält die Apps Verhaltenstipps für verschiedene Gefahrensituationen, zum Beispiel für Geiselnahmen.

Die Regierung hatte die App nach den Pariser Terroranschlägen vom 13. November entwickeln lassen, bei denen 130 Menschen ermordet wurden. Die Anwendung ist auf Französisch und Englisch für Apple- sowie Android-Geräte verfügbar und unter dem Namen SAIP zu finden (Abkürzung für „Système d’Alerte et d’Information des Populations“, zu Deutsch: System zur Alarmierung und Information der Bevölkerung). (ba/dpa)

 
 

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