AfD: Nach Eklat um Björn Höcke – eine Sache hat nun extreme Folgen für die Partei

Björn Höcke.
Björn Höcke.
Foto: dpa

Ungesagtes ist manchmal aufschlussreicher als Gesagtes.

Nach dem Eklat um AfD-Mann Björn Höcke und ein abgebrochenes Interview mit dem ZDF ist es derzeit erstaunlich ruhig bei der AfD.

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Kaum jemand, der innerhalb der Partei Rang und/oder Namen hat, äußerte sich öffentlich. Die Parteispitze twitterte zu allen möglichen Themen - nicht aber über Björn Höcke.

AfD: Nach ZDF-Interview mit Björn Höcke – Eklat

Dabei hatte das Thema sonst hohe Wellen geschlagen.

Das ZDF hatte ein Interview mit AfD-Mann Björn Höcke führen wollen. Nach zehn Minuten hatte Höckes Sprecher das Interview abgebrochen. Die Fragen - es ging um Höckes Sprache, die sich bisweilen nah an der Propagandasprache längst vergangener Zeiten orientiert - hätten den AfD-Politiker „stark emotionalisiert“. Man könne das Interview ja nochmal neu starten, Höcke wisse dann, zu welchen Fragen er sich äußern müsse.

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AfD-Mann Björn Höcke droht mit Konsequenzen

Das lehnte das ZDF-Team ab. Es ist absolut unüblich, dass Politikern Interview-Fragen vor dem Gespräch bekannt sind. Höcke drohte daraufhin mit „massiven Konsequenzen“.

Das ganze Interview veröffentlichte das ZDF auf Youtube.

Bernd

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Björn Höcke:

  • 1972 in Lünen/NRW geboren
  • Seit 2013 ist Höcke in der AfD
  • Höcke ist seit 2014 Fraktionsvorsitzender der AfD in Thüringen
  • Höcke ist Gymnasiallehrer, aber beurlaubt
  • Er ist Kopf des rechtsextremen "Flügels" der AfD
  • Seine politischen Positionen gelten zum Teil als rechtsextrem
  • 2018 erklärte Amt für Verfassungsschutz in Thüringen die Landes-AfD zum Prüffall
  • Hintergrund war u.a. die Teilnahme Höckes an einem Neonazi-"Trauermarsch" in Chemnitz
  • Der Verfassungsschutzleiter Stephan Kramer nennt Aussagen von Björn Höcke verfassungsfeindlich

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Björn Höcke hat damit klar gemacht, was für ein Verständnis er von Medien hat: Wenn unbequeme Fragen kommen, droht er. Das ist nicht eben die Methode eines Vertreters der bürgerlichen Mitte - um nicht zu sagen: Das hat undemokratische Züge.

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Auch erhellend sind andere Stellen des unvollendeten Interviews. So erfährt man, dass Björn Höcke kein Problem mit NS-Wörtern wie „entartet“ hat.

Ja, dass er, der immerhin Gymnasiallehrer ist und es als geschichtswissenschaftlich bewanderter Mensch besser wissen muss, allen Ernstes dennoch sagt: „Ich glaube nicht, dass es eine allgemein gültige Definition dessen gibt, was NS-Diktion, was NS-Sprache ist.“

Wenige Tage nach dem Interview bekräftigte Höcke via Facebook seine Kritik am öffentlich-rechtlichen Rundfunk: „Es ist höchste Zeit, die Zwangsfinanzierung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks zu hinterfragen.“ Es folgte ein massiv kritischer Auszug aus dem Wahlprogramm der Thüringer AfD:

AfD-„Flügel“ ist auch intern umstritten

In dem Interview hat sich Björn Höcke als ein Politiker gezeigt, der - gelinde ausgedrückt - extrem weit rechts positioniert ist. Umso weniger verwundert es, dass die AfD-Spitze so leise ist. Sich mit Wertungen zurückhält. Denn dann müsste auch sie sich positionieren.

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Der rechte „Flügel“, dessen Kopf Björn Höcke ist, ist auch parteiintern nicht unumstritten. Ebenso wie die Person Björn Höcke, dessen Machtstreben manchem AfDler missfällt.

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Das ist die AfD:

  • Die Partei wurde 2013 die AfD als eurokritische Partei gegründet. Zu den Gründern gehörten Alexander Gauland und Bernd Lucke
  • Lucke verließ die Partei nach einem verlorenen Machtkampf allerdings 2015 - auch wegen der zunehmend radikalen Tendenzen in der Partei
  • 2017 folgte dann der nächste Paukenschlag als Luckes Nachfolgerin Frauke Petry die AfD verließ – aus den gleichen Gründen wie Höche zwei Jahre zuvor
  • Die Partei ist mittlerweile in allen deutschen Landesparlamenten sowie in Bundestag und im Europaparlament vertreten

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Vor allem jenen, die sich noch immer zur Alternativen Mitte zählen, zu den extrem Wirtschaftsliberalen, die einst wie Bernd Lucke den Kern der AfD bildeten. Lucke, den Mitgründer der AfD gibt es in der Partei längst nicht mehr.

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AfD-Wahl

  • Am 24. September wählt die AfD ihre neue Führung
  • Wahrscheinlich ist, dass Alexander Gauland und Alice Weidel erneut eine Doppelspitze bilden werden
  • Weidel sucht derweil erste Kontakte zum „Flügel“ der AfD – obwohl sie einst als Gegnerin von Björn Höcke galt

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AfD-Kreisverbände beklagen Intrigen von rechts

Wenn sich die AfD nicht jetzt klar gegen Höcke und seinen „Flügel“ positioniert, hat das extreme Folgen für die Partei. Denn dann ist bald nichts mehr von der gemäßigten Mitte übrig.

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Schon jetzt nimmt der rechte „Flügel“ immer mehr Raum ein - bis in die Basis. Kreisverbände beklagen seit Monaten, dass Vorstände, die eher dem gemäßigten Lager zuzuordnen sind, regelrecht weggemobbt werden und durch „Flügel“-Sympathisanten ersetzt werden.

Verdrängt der „Flügel“ von Björn Höcke die Mitte?

Sollte der „Flügel“ die Mitte verdrängen, bleibt als Quintessenz endgültig eine rechtsextreme Partei zurück.

 
 

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