Billige Polemik zur Papst-Rede im Bundestag

DerWesten
Starker Tobak oder ein Sturm im Wasserglas? Der Boykott-Aufruf von SPD-Politiker Schwanitz zur Papst-Rede im Bundestag sorgt für viel Wirbel. Dabei wäre es eine gute Gelegenheit, über die christlichen Werte nachzudenken. Ein Kommentar.

Essen. Darf der Papst im Bundestag reden? Der SPD-Politiker Rolf Schwanitz ruft: Nein! Und er vermittelt den Eindruck: Mehrere Sozialdemokraten wollen die Rede des Papstes boykottieren. Starker Tobak. Doch bei genauerem Hinsehen entpuppt sich das Ganze – bisher jedenfalls – als Sturm im Wasserglas.

Schwanitz will die Rede boykottieren und sucht – offenbar inständig – nach Mitstreitern in der Fraktion. Nachdem diese kürzlich seinen Antrag auf Anerkennung eines offiziellen SPD-Arbeitskreises „Laizisten in der SPD“ abgelehnt hat, braucht er eine neue werbewirksame Aktion. Doch die Reaktionen aus der eigenen Partei zeigen, dass die Mehrheit seine Einschätzung gar nicht teilt.

Was wird der Papst sagen?

Dennoch kann man durchaus seriöse Einwände dagegen haben, dass das Oberhaupt der katholischen Kirche vor dem weltlichen Parlament spricht. Schließlich sind Staat und Kirche bei uns laut Verfassung getrennt. Doch wer sich auch nur ansatzweise mit dem Papst Benedikt beschäftigt hat, wird es als geradezu absurd erachten, dass dieser vom Bundestag aus alle Deutschen zum Eintritt in die katholische Kirche aufrufen wird. Aber eine gute Gelegenheit wäre es schon, über die christlichen Werte nachzudenken, auf denen auch unser Verfassungsstaat fußt. Und erlaubt wäre es zudem.

Ebenso wie Kritik an der katholischen Kirche. Das kann mitunter sogar hilfreich sein. Billige Polemik nicht.