„Bild“ fiel wohl auf falsche Kühnert-Mail der „Titanic“ rein

Diese E-Mails führte „Bild“ als vermeintlichen Beweis an.
Diese E-Mails führte „Bild“ als vermeintlichen Beweis an.
Foto: Screenshot
Mit vermeintlichen Mails von Kevin Kühnert berichtete „Bild“ über eine „Schmutz-Kampagne“. Nun kommt raus: Die Mails wurden gefälscht.

Berlin.  Vor wenigen Tagen berichtete die „Bild“-Zeitung über einen vermeintlichen Skandal in der SPD. Kevin Kühnert soll demnach die Hilfe eines Russen namens „Juri“ angenommen haben, um mithilfe von Bots seine Anti-GroKo-Kampagne zu unterstützen. „Neue Schmutz-Kampagne bei der SPD!“, titelte das Boulevardblatt.

Als vermeintlichen Beweis führte das Blatt eine von einem Informanten zugespielte E-Mail-Konversation zwischen dem Juso-Chef Kevin Kühnert und „Juri“ an. Doch bereits kurz nach der Veröffentlichung machten sich in der SPD und in anderen Medien erhebliche Zweifel an der Wahrheit der Geschichte breit.

„Titanic“ für Fake-Mails verantwortlich

Jetzt kommt heraus, dass die Zweifel wohl berechtigt waren. Die „Titanic“ gibt selbst zu, für die Fake-Geschichte verantwortlich zu sein. Dazu können auf der Internetseite des Satire-Magazins die E-Mails heruntergeladen werden, die auch an „Bild“ versendet worden seien.

Dabei sei einfach zu entdecken gewesen, dass die E-Mails nicht von Kühnert stammen können. So stimmte unter anderem die in den Mails angegebene Mail-Adresse mit der Endung „@jusos.de“ nicht. Die Jusos und auch ihr Chef haben nach eigenen Aussagen eine „@spd.de“-E-Mail-Adresse. Die Jusos hatten die Mails deshalb als „ziemlich plumpe Fälschungen“ bezeichnet.

Das weist die Titanic mit einem Augenzwinkern zurück. „Wir möchten uns trotzdem gegen den Vorwurf der Jusos verwehren, es handle sich um eine ‘plumpe Fälschung’. Das ist unverschämt. Da stecken mindestens drei Stunden Arbeit drin“, wird „Titanic“-Redakteur Moritz Hürtgen zitiert, der sich bei „Bild“ als Informant ausgegeben hat.

Sprecher erklärt Vorgang aus Sicht des Verlages

Ein Sprecher von Axel Springer, zu dem „Bild“ gehört, sagte gegenüber unserer Redaktion, dass der Auslöser Berichterstattung die Ankündigung der SPD gewesen sei, eine Anzeige zu erstatten. „Die Echtheit der uns anonym zugestellten E-Mails haben wir immer deutlich in Frage gestellt und journalistisch eingeordnet“, sagte er.

Die Aktion kann als eine Art Kritik an der Berichterstattung des Blattes verstanden werden. „Milchgesichter mit starken Meinungen sollten in Deutschland nichts zu sagen haben“, schreibt die „Titanic“ in Bezug auf den erst 28-jährigen Kevin Kühnert in Richtung „Bild“. „Es sei denn, sie verleumden Ausländer, Obdachlose und leichte Opfer.“

Im Netz verhöhnen viele Nutzer unter dem Hashtag #miomiogate die „Bild“ für die Aktion. Viele sehen die Geschichte als Beweis dafür, dass das Blatt eine Kampagne gegen die SPD fahre. Zudem habe „Bild“ in einem weiteren Artikel zu den Mails einen IT-Experten konsultiert, der der CDU nahe steht.

Zuletzt hatte die „Bild“ einen Hund als SPD-Mitglied angemeldet , um zu beweisen, wie leicht die Mitgliederbefragung der Partei zu manipulieren sei. Die Partei hatte deshalb einen Medienfachanwalt konsultiert und Beschwerde beim Presserat eingelegt.

Juso-Chef Kevin Kühnert reagierte ebenfalls auf das Geständnis der „Titanic“. Er twitterte ein Gif von Homer Simpson auf einer Luftmatratze. „Einfach genießen“, schrieb er dazu. (bekö/khr)

 
 

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