Bevölkerungsprognose: Das Ruhrgebiet schrumpft

Laut einer Studie der Bertelsmann-Stiftung wird das Ruhrgebiet schrumpfen. Dennoch müssten die Städte mehr in Wohnen, Kultur und Verkehr investieren

Essen.. Das Revier schrumpft. 480. 000 Menschen weniger sollen bis zum Jahr 2030 in NRW leben – das sind in etwa so viele, wie Duisburg Einwohner hat, noch. Denn: Laut einer neuen Prognose der Bertelsmann-Stiftung geht die Bevölkerung in NRW in den kommenden 15 Jahren um 2,7 Prozent zurück.

Die Studie hat mit dem Datenportal "Wegweiser Kommune" Städte und Gemeinden ab 5000 Einwohner betrachtet und dabei aktuelle Geburts- und Sterberaten sowie die Zu- und Abwanderung in den Kommunen untersucht. Das Ergebnis bestätigt einen schon seit langem beobachteten Trend: weg vom Land, rein in die Stadt. Allen voran sollen die größeren Universitätsstädte wachsen.

In NRW zieht es Menschen eher ins Rheinland

Gute Aussichten für das Ruhrgebiet also, für Städte wie Essen, Duisburg, Bochum oder Dortmund? Nein. In NRW zieht es Menschen laut Studie vor allem ins Rheinland – nach Bonn, Düsseldorf und Köln.

Den NRW-weit größten Zuwachs werde Münster haben mit 11,3 Prozent mehr Einwohnern bis 2030. Die Städte mit Universitäten im Ruhrgebiet hingegen werden demnach allesamt kleiner: Essen um 3,7 Prozent, Dortmund um 3,9 Prozent und Bochum sogar um 6,4 Prozent. Doch womit hängt das zusammen?

Strukturwandel ist schuld

„Die Arbeitsplatzentwicklung in Köln oder Bonn verläuft dynamischer“, sagt Claudia Horch vom Regionalverband Ruhr (RVR) – dennoch seien auch im Ruhrgebiet zwischen 2008 und 2013 4,5 Prozent mehr Arbeitsplätze entstanden. Städte wie Essen, Duisburg oder Bochum „spüren jedoch den Arbeitsplatzabbau in wichtigen Branchen, sei es Energieversorgung, Metallerzeugung oder Fahrzeugbau“, etwa bei Opel, Thyssen-Krupp, Karstadt, Eon oder RWE.

Info Auch Jörg Bogumil, Professor für Stadt- und Regionalpolitik an der Ruhr-Universität Bochum, führt die Ergebnisse auf den Strukturwandel zurück. Unattraktiv seien die Städte mit Unis in der Region nicht, aber: „Wir bilden zwar viele Studenten aus, schaffen es aber nicht, sie hier zu behalten.“

Stattdessen verschlage es viele nach Abschluss ihres Studiums dorthin, wo sie mehr Arbeit und eine bessere kommunale Infrastruktur erwarteten – beispielsweise nach Bayern oder Baden-Württemberg.

Nicht Abriss, sondern Modernisierung

Welche Konsequenzen müsste man aus der Prognose ziehen? „Weniger Menschen heißt nicht unbedingt, dass es weniger Haushalte gibt“, beruhigt Horch, mittlerweile lebten immer mehr Leute in kleineren Haushalten mit einer oder zwei Personen.

Deshalb sei nicht Abriss, sondern Modernisierung das Thema. Es gelte, „vorhandenen Wohnraum attraktiver zu machen“ – durch energetische Sanierung, altersgerechte und großzügigere Wohnungsgrundrisse. „Viele Wohnungen in der Region stammen ja noch aus den 50er- und 60er-Jahren“, so Horch.

Auch der Ausbau beziehungsweise die Instandhaltung der kommunalen Infrastruktur bleibe weiterhin von großer Bedeutung, so Prof. Bogumil. „Deswegen ist es eigentlich fatal, wenn besonders strukturschwache Städte ihre kulturellen Angebote einschränken.“ Die Ruhrgebietsstädte aber reagierten auf den zu erwartenden demografischen Wandel. „Sie müssen ja. Wir werden weniger, älter und bunter.“

 
 

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