Bevölkerung unterstützt mehr Zuwanderung

Berlin.. Die Zustimmung in der Bevölkerung für mehr gezielte Zuwanderung von qualifizierten Arbeitskräften aus dem Ausland ist weit größer, als die politischen Parteien zu erkennen geben. Nach neuen Zahlen des „Sachverständigenrates deutscher Stiftungen für Integration und Migration“ (SVR) befürworten 60 Prozent der Befragten eine stärkere Zuwanderung von Hochqualifizierten. Wie der SVR-Vorsitzende Klaus Bade gestern in Berlin sagte, sei die Bürgergesellschaft in punkto Integration und Zuwanderung „deutlich vernünftiger und belastbarer“ als die zumeist auf Abwarten zielende Politik.

„Rundum-Erneuerung“

Der Sachverständigenrat, dem unter anderem Thomas Staubhaar, Direktor des Hamburger Weltwirtschaftsinstituts, angehört, wirbt in seiner Bestandsaufnahme für eine „Rundum-Erneuerung“ der Migrationspolitik. Deutschland habe zwischen 1994 und 2009 rund eine halbe Million Bürger mehr an das Ausland verloren, als von dort aus in die Bundesrepublik eingewandert sind. Es zeichne sich ab, dass in vier Jahren rund drei Millionen Arbeitskräfte in Deutschland fehlen könnten.

Um dagegenzusteuern, soll laut Bade das vorgeschriebene Mindesteinkommen für ansiedlungswillige Hochqualifizierte aus dem Ausland von 66 000 Euro Jahresbrutto auf 40 000 Euro reduziert werden. Zudem sollen verstärkt ausländische Studenten mit einer aktiven „Bleibepolitik“ umworben werden, die in Deutschland nach dem Studium einen Arbeitsplatz suchen. Begründung: Sie stellten, weil jung, bestens qualifiziert sowie mit der Sprache und den hiesigen Institutionen vertraut, die „ideale Zuwanderergruppe“. Um in den stark unter Fachkräftemangel leidenden Sektoren Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Maschinenbau Zuwanderung zu erleichtern, soll in einem Modellversuch ein flexibles Punktesystem nach kanadischem Vorbild getestet werden. Laut Sachverständigenrat muss die Regierung künftig zusätzlich osteuropäische und nordafrikanische Länder stärker in den Blick nehmen, um qualifizierte Arbeitskräfte zu bekommen.

 
 

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