Betriebe im Ruhrgebiet bilden viel zu wenig junge Leute aus

Wenn die Firmen jetzt nicht genügend junge Leute ausbilden, werden ihnen bald die Fachkräfte ausgehen.
Wenn die Firmen jetzt nicht genügend junge Leute ausbilden, werden ihnen bald die Fachkräfte ausgehen.
Foto: dpa
Die Situation auf dem Ausbildungsmarkt in Nordrhein-Westfalen hat sich deutlich verschärft. Insgesamt 6300 Jugendliche blieben nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit in diesem Jahr ohne Ausbildungsplatz. Die Bundesagentur übt heftige Kritik an den Unternehmen. Bald würden Fachkräfte fehlen.

Düsseldorf.. Die Bundesagentur für Arbeit hat die fehlende Ausbildungsbereitschaft der NRW-Unternehmen ungewöhnlich scharf kritisiert. „Es ist offensichtlich, dass es eine Differenz gibt zwischen Sonntagsreden und praktischem Handeln“, sagte Peter Jäger, Geschäftsführer der NRW-Regionaldirektion der Arbeitsagentur. Nur noch jedes vierte Unternehmen beschäftige überhaupt Lehrlinge, gerade Klein- und Kleinstbetriebe hätten sich fast vollständig aus der Nachwuchsausbildung verabschiedet.

Hintergrund der Klage sind die enttäuschenden Zahlen des NRW-Ausbildungsmarktes 2013. Eine durch den doppelten Abiturjahrgang spürbar gestiegene Bewerberzahl traf auf ein um 2,7 Prozent rückläufiges Angebot an Ausbildungsstellen. Laut Arbeitsagentur blieben so in diesem Sommer landesweit 6300 Jugendliche ohne Lehrstelle. Zudem mussten mehr als 18.000 Ausbildungswillige in sogenannte Warteschleifen wie Schule oder Freiwilligendienste ausweichen.

Im Ruhrgebiet ist Lage noch düsterer als im Rheinland

NRW-Arbeitsminister Guntram Schneider (SPD) nannte die Ausbildungszahlen „ausgesprochen unbefriedigend“. Insbesondere der Rückgang in den industriellen Kernberufen der Metall- und Elektroindustrie sei „für die Zukunft des Industrielandes Nordrhein-Westfalen nicht positiv“, so Schneider. „Wir sind enttäuscht, dass das Ausbildungsjahr 2013 als große Chance im Kampf gegen den drohenden Fachkräftemangel in NRW nicht genutzt wurde“, sagte auch Jäger. „Es gibt nur eine gering ausgeprägte Bereitschaft, auch diejenigen auszubilden, die nicht zu Hundert Prozent auf das Anforderungsprofil passen.“

Weil in bestimmten Berufen wie Dreher, Fräser oder Mechatroniker der Fachkräftebedarf schon heute spürbar ist, ist für die Bundesagentur die Ausbildungszurückhaltung an Rhein und Ruhr unerklärlich. Hoffnungen mancher Chefetagen auf den Zuzug von Fachkräften aus Südeuropa könnten sich als trügerisch erweisen, hieß es.

Das Ausbildungsangebot bleibt in NRW regional unterschiedlich. Im Ruhrgebiet, einst Motor der Ausbildung in Nordrhein-Westfalen, kamen auf einen Bewerber nur noch 0,6 Stellen, im Rheinland waren es 0,76 Ausbildungsplätze auf einen Ausbildungswilligen.

 
 

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