Bernd Luckes AfD will „die anderen das Fürchten lehren“

Bernd Lucke, der Spitzenkandidat der Partei "Alternative für Deutschland" (AfD). Die AfD verändert die Wahlarithmetik.
Bernd Lucke, der Spitzenkandidat der Partei "Alternative für Deutschland" (AfD). Die AfD verändert die Wahlarithmetik.
Foto: dpa
Euro weg, D-Mark wieder her – mit diesem politischen Ziel hat die neu gegründete Alternative für Deutschland Wahlkampf gemacht. Lange bangten die Eurogegner am Sonntagabend um den Einzug in den Bundestag. Schon vor der Wahl hatte die Kanzlerin ein Regierungsbündnis mit der AfD ausgeschlossen.

Berlin. „Wir haben die anderen ­Parteien das Fürchten gelehrt“. Bernd Lucke hat den Satz nicht ­lange nach den ersten Hochrechnungen an diesem Sonntag gesagt. Dann blieb seine „Alternative für Deutschland“ erst einmal bei 4,9 Prozent stehen.

Doch sieben Mo­nate nach der AfD-Gründung hat die Anti-Euro-Partei die Schwelle zum Einzug in den Bundestag berührt – und damit Deutschlands Parteienformation heftig aufgemischt.

Anti-Euro Partei? Ist sie allein das? Lucke, 50-jähriger Wirtschaftswissenschaftler aus Hamburg, früher Berater der Weltbank und lange Jahrzehnte CDU-Mitglied, konzentriert sein politisches Programm ­zunächst auf einen Satz: „Wir wollen den Euro als Währung ablösen. Er spaltet Europa, statt seine Einigung voranzubringen.“

Parteiprogramm auf acht Seiten

Der Euro, seine Rettungsschirme, die aus AfD-Sicht drohende „Schulden-Union“ – es sind die vorrangigen Themen und teils ihr Alleinstellungsmerkmal. Doch darüber hinaus bietet die Neugründung, die eigentlich erst 2014 fürs Europaparlament kandidieren wollte, wenig an Fixpunkten. Auf acht Seiten hat sie ihr Programm zusammengeschrieben, das man, vorsichtig formuliert, auch konservativ nennen könnte mit neoliberalen ­Flecken. Alexander Gauland, Spitzenkandidat in Brandenburg, hat das am Wahlabend so zusammengefasst: „Wir sind die Erben der FDP“.

Tatsächlich hat die AfD nach ­ersten Analysen vor allem im Lager bisheriger Nichtwähler fischen ­können. 26 Prozent ihrer Stimmen lockte sie hier an. Weitere 22 Prozent kamen von der Union und je 12 Prozent von FDP und SPD, haben die Wahlforscher ermittelt.

Ortsvereine der Rechtsextremen „Freiheit“ wechselten zur AfD

Zusammengebaut ist die Alternative, deren Führungspersonal sich offenbar erst bei den verschiedenen Wahlfeten ­richtig kennengelernt hat, aber aus noch unterschiedlicheren Lagern: Dem der euroskep­tischen Wirtschaftsexperten wie ­Lucke und Hans-Olaf Henkel, mit der Politik Unzufriedenen, die glauben, „dass es so nicht mehr weitergeht“ und am Ende auch Protestwählern, die dem rechten Spektrum zuneigen. In Ostdeutschland wurde festgestellt, dass wohl ganze Orts­verbände der rechtsextremen Partei „Die Freiheit“ zur AfD gewechselt sind – eine Entwicklung, die auch Lucke bisher nicht gestoppt hat.

Für die Union könnte jetzt ein ­Effekt eintreten, der der SPD mit dem Aufkommen von Grünen und Linken schon lange Prozente kostet: Eine Konkurrenz vor der eigenen Haustür, die zudem noch das ­Koalieren schwerer macht.

 
 

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