Berliner helfen Opfern antisemitischer Übergriffe in NRW

Josef Schuster, Präsident des Zentralrats der Juden, begrüßt den Plan der Berliner Recherche- und Informationsstelle Antisemitismus (Rias), sich nach NRW zu erweitern.
Josef Schuster, Präsident des Zentralrats der Juden, begrüßt den Plan der Berliner Recherche- und Informationsstelle Antisemitismus (Rias), sich nach NRW zu erweitern.
Foto: picture alliance / dpa
Die Info-Stelle Antisemitismus will 2017 eine neue Anlaufstelle für Opfer judenfeindlicher Übergriffe in NRW einrichten. Viele scheuten bisher den Gang zur Polizei.

Essen. Opfer antisemitischer Übergriffe scheuen oft den Weg zur Polizei, um Anzeige zu erstatten. Das geht aus Angaben der Berliner Recherche- und Informationsstelle Antisemitismus (Rias) hervor. Das Team plant, ab 2017 in NRW ein Online-Meldesystem zu etablieren. Judenfeindliche Vorfälle sollen so besser dokumentiert und Antisemitismus gezielter bekämpft werden.

Allein in Berlin hat Rias 2015 mehr als 400 antisemitische Übergriffe, Sachbeschädigungen oder Fälle von Hetze im Internet dokumentiert. Das sind neunmal so viele wie die Zivilgesellschaft Berlin im Jahr zuvor aufgenommen hat. Rias-Gründer Benjamin Steinitz sagt, viele Juden würden ihre Erfahrung nicht anzeigen. Grund seien Sprachbarrieren, manche Betroffene scheuten die Polizeibürokratie. „Andere befürchten negative Konsequenzen durch die Ermittlungen und ein mögliches öffentliches Bekanntwerden.“

Zu Rias gelangt man etwa übers Smartphone. Es handelt sich um eine mehrsprachige Internetseite, auf der man seine E-Mail-Adresse und eine Schilderung des Geschehens hinterlässt. Rias prüft die Angaben und vermittelt bei Bedarf rechtliche Hilfe. „Wir wollen die Betroffenen unterstützen und sichtbar machen, welche Formen des Antisemitismus es gibt.“ Mit Bundesmitteln soll dies ab 2017 auch in NRW geschehen.

Zentralrat der Juden: Antisemitische Vorfälle nehmen bundesweit zu

Der Zentralrat der Juden lobt die Arbeit der Meldestelle. Präsident Josef Schuster berichtet, antisemitische Vorfälle nähmen bundesweit zu. Weil sie von der Polizei oft anders kategorisiert würden, fehlten sie in den Statistiken. „Wir rechnen daher damit, dass mit der neuen Meldestelle in NRW auch die Zahl der angezeigten Fälle steigt. Rias zeigt eben auch den Alltags-Antisemitismus auf und hilft den Betroffenen auf unbürokratische Weise.“

Obwohl Rias bisher nur in Berlin aktiv ist, sind fünf Vorfälle aus NRW gemeldet worden – auch der eines Kölner Studenten mit Kippa, der bespuckt und als „Zionistenschwein“ beschimpft wurde. Steinitz sagt, er befürchte, die Hemmschwelle für Anfeindungen gegen Juden sinke im Kontext der rassistischen Ablehnung von Geflüchteten. „Eine Betroffene hat mir beschrieben, dass sie eine Zunahme an Anfeindungen seit August 2015 wahrnimmt.“

 
 

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