Berlin will Bürger besser vor „Dispo-Falle“ schützen

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Banken sollen ihre Dispo- Zinssätze künftig im Internet veröffentlichen, plant das Bundesjustizministerium.

Berlin..  Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD) will die Bürger besser vor unverhältnismäßig hohen Dispozinsen schützen. Vor allem mehr Transparenz und eine Beratungspflicht für die Banken sollen verhindern, dass die Verbraucher mit der Überziehung ihrer Giro-Konten in die „Dispo-Falle“ tappen. Wie das Justizministerium unserer Zeitung bestätigte, soll ein entsprechender Gesetzentwurf des Ministeriums am 27.Mai vom Kabinett beschlossen werden.

Es ist ein Ärgernis für Millionen Bankkunden und ein Milliardengeschäft für die Geldinstitute: Wer sein Girokonto überzieht, muss bei vielen Banken nach wie vor unverhältnismäßig hohe Dispozinsen zahlen. Zwar haben frühere Proteste dazu geführt, dass einzelne, auch größere Geldinstitute ihre Zinsen gesenkt haben. Die Banken verlangen im Durchschnitt aber noch immer etwa 9 Prozent Dispozinsen, teilweise sogar bis zu 14 Prozent. Damit ist der Dispo der teuerste Kredit, den eine Bank anbietet. Es lohnt sich: Die Deutschen überziehen ihre Girokonten um ein jährliches Volumen von 38 Milliarden Euro. Ein Prozentpunkt bei den Zinsen mehr bedeutet für die Banken also 380 Millionen Euro leicht verdientes Geld. „Für viele Kunden kann ein dauerhaft überzogenes Girokonto zur Schuldenfalle werden“, warnt Justizminister Maas.

Eine gesetzliche Deckelung der Dispozinsen, wie sie Verbraucherverbände fordern, wird es zwar auch künftig nicht geben – solche Pläne sind in der Koalition am Widerstand der Union gescheitert. Dafür setzt Maas nun vor allem darauf, Verbraucher durch mehr Information und Aufklärung vor zu hohen Zinslasten zu bewahren. Punkt eins: Banken müssen ihre jeweils geltenden Dispo-Zinssätze auf ihrer Internet-Homepage veröffentlichen. Bisher wurden die Kostenangaben mitunter trickreich versteckt, sodass es auch Experten schwer fiel, die geltenden Zinsen zu ermitteln. Die Internet-Veröffentlichung soll es jetzt Verbraucher-Portalen ermöglichen, einen vergleichenden Überblick der Bank-Angebote zu erstellen: Bankkunden können dann rasch online feststellen können, welches Institut vergleichsweise niedrige Zinsen verlangt.

Der größere Wettbewerb mache es so für Banken schwerer, ihre Kunden mit überzogen hohen Zinsen zu belasten, glaubt Maas. Zweiter Punkt des Gesetzes: Banken müssen ein Beratungsgespräch anbieten, wenn ihre Kunden drei Monate den Dispo in Anspruch nehmen oder das Minus den durchschnittlichen monatlichen Geldeingang übersteigt; dann sollen Alternativen angeboten werden, etwa ein Ratenkredit. „Viele wissen gar nicht, dass es preisgünstigere Alternativen gibt“, sagt Maas.

Der Gesetzentwurf sieht auch strengere Regeln für Verbraucherdarlehen vor: Künftig müssen die Banken die Kreditwürdigkeit eines Kunden nicht nur „bewerten“, sondern „prüfen“ - wenn es erhebliche Zweifel an der Vertragserfüllung gibt, darf der Kredit nicht gewährt werden.

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