Bekenntnisschulen unter Druck

Düsseldorf..  Die staatlichen konfessionellen Grundschulen in NRW verlieren politisch immer mehr an Rückhalt. Die SPD will die Umwandlung von Bekenntnisschulen in Gemeinschaftsgrundschulen per Gesetz erleichtern. Das sehen mehrere Anträge für den Landesparteitag am Samstag in Köln vor. Von den rund 3000 Grundschulen im Land sind 975 konfessionell gebunden, davon 881 katholisch und 94 evangelisch. Sie werden zu 100 Prozent vom Staat finanziert.

Ziel der geforderten Gesetzesänderung sei es, dass „alle Kinder unabhängig von ihrer Konfession die nächstgelegene Grundschule besuchen können“, heißt es. Dies entspreche dem seit Jahrzehnten in NRW geltenden schulpolitischen Grundsatz „Kurze Wege, kurze Beine“. Außerdem müsse bei der Besetzung von Lehrer- und Schulleiterstellen sowie bei Beförderungen die Leistung den Ausschlag geben und nicht die Konfession, so die SPD-Basis.

Künftig soll die einfache Mehrheit der Elternstimmen an einer Konfessionsgrundschule genügen, um sie in eine Gemeinschaftsschule umzuwandeln. Bisher sind zwei Drittel erforderlich. Bereits ein Fünftel der Elternschaft soll ausreichen, um eine entsprechende Initiative einzuleiten. Wo eine konfessionelle Schule das einzige Grundschulangebot in einem Ort oder Stadtteil ist, soll der Schulträger sie umwandeln können, „um Minderheiten zu schützen“. 75 der knapp 400 NRW-Kommunen haben keine Gemeinschaftsgrundschule.

Christliche Bekenntnisgrundschulen gebe es außerhalb von NRW nur noch in Teilen Niedersachsens, heißt es. Sie seien gesellschaftlich überholt, weil Kinder „mit nicht passendem oder ohne Bekenntnis“ an weiter entfernt liegende Schulen verwiesen würden und längere Schulwege in Kauf nehmen müssten, so die Bonner SPD. Damit würden Familien und Kinder ausgegrenzt. Auch Lehrer, die sich nicht auf freie Stellen bewerben können, würden „diskriminiert“.

Kirchen scheinenoffen für Reformen

Es dürfe nicht sein, „dass die alten Kämpfe auf den Rücken der kleinsten Kinder des Landes ausgefochten werden“, so die Kölner SPD. Die Sozialdemokraten wollen aber auch einen „Run“ – also einen vermehrten Zulauf – zu privaten kirchlichen Grundschulen verhindern, die in NRW „besonders großzügig“ staatlich finanziert würden.

Der Druck wächst. Denn auch der grüne Koalitionspartner, unterstützt von Schulministerin Sylvia Löhrmann, setzt sich dafür ein, die Hürden für eine Umwandlung kirchlicher Bekenntnisschulen deutlich zu senken.

Die Kirchen scheinen offen für Reformen. Bei der Feierstunde aus Anlass seines Treueeids in der Düsseldorfer Staatskanzlei gestand der neue Kölner Erzbischof Rainer Maria Woelki soeben zu, die Bekenntnisschulen und der Religionsunterricht seien Veränderungen unterworfen. Als Gründe nannte er rückläufige Schülerzahlen und Schulschließungen. Die Kirchen seien darüber mit der Landesregierung in konstruktiven Gesprächen.

Bereits im März hatten die Bistümer sich in einem Eckpunktepapier bereit erklärt, die Umwandlung konfessioneller Grundschulen zu erleichtern.

Auch Vertreter des Katholischen Büros lenkten in einem Gespräch mit den Landtagsfraktionen ein. Die Kirche reagiert darauf, dass inzwischen an den Grundschulen durchschnittlich 16 Prozent der Kinder konfessionslos oder islamisch sind. In einigen Regionen ist ihr Anteil weit höher.

Die Ideologie hat sich weitgehend verflüchtigt. Vorbei die Zeiten, als sich die katholischen Bischöfe mit einem Hirtenwort im Jahre 1970 in den Landtagwahlkampf einmischten und forderten, die letzten kirchlichen Bastionen in den Schulen zu verteidigen. Der damalige SPD-Fraktionschef Johannes Rau verkündete damals, der „konfessionelle Mief“ müsse endlich aus den Schulen verschwinden.

 
 

EURE FAVORITEN

So schützt du deinen Hund vor der Sommerhitze

Heiße Sommer-Temperaturen sind für deinen Hund gefährlich. Deshalb solltest du diese Regeln beachten.
Di, 03.07.2018, 18.50 Uhr

Heiße Sommer-Temperaturen sind für deinen Hund gefährlich. Deshalb solltest du diese Regeln beachten.

Beschreibung anzeigen