Begrüßung im Stadion - Unis rüsten sich für Erstsemester-Ansturm

Tobias Blasius und Christopher Onkelbach
Auf den Treppen sitzen, weil kein Platz mehr im Hörsaal frei ist: Das kennen viele Studenten. Damit zumindest in der ersten Vorlesung alle einen anständigen Sitz haben, verlegen einige Unis die Einführungsveranstaltung ins Stadion.
Auf den Treppen sitzen, weil kein Platz mehr im Hörsaal frei ist: Das kennen viele Studenten. Damit zumindest in der ersten Vorlesung alle einen anständigen Sitz haben, verlegen einige Unis die Einführungsveranstaltung ins Stadion.
Foto: dpa
Die Unis in NRW müssen sich auf einen Ansturm von Erstsemestern wie noch nie vorbereiten: Knapp 130 .000 Studienanfänger erwarten die Hochschulen. Die Uni Duisburg-Essen verlegt die Begrüßung der Erstsemester deshalb erstmalig ins Stadion. Das gab es bisher nur in Dortmund.

Düsseldorf/ Essen. So viele Erstsemester waren es noch nie. Knapp 130.000 Studienanfänger erwarten die Hochschulen in NRW. Insgesamt stieg die Zahl aller Studenten im Bundesland auf 675.000 – das sind gut 210.000 mehr als vor fünf Jahren.

Die Uni Duisburg-Essen fand es daher sinnvoll, zur Begrüßung der Erstsemester am 7. Oktober erstmalig das Essener Stadion zu mieten – der Gerechtigkeit halber wird es im nächsten Jahr die MSV-Arena sein. In Dortmund hat das Tradition, Rektorin Ursula Gather wird am 14. Oktober im Signal-Iduna-Park die Neuen willkommen heißen. Das Studium wird zur Massenveranstaltung.

V für Veilchenblau

Anschließend beginnen die Orientierungsveranstaltungen mit Tipps und Hilfen für die Studienbeginner: Welche Kurse muss ich belegen? Welche Bücher brauche ich? Wie erstelle ich einen Stundenplan?

Am Essener Campus muss man Orientierungswoche wörtlich verstehen: So sind etwa die Ingenieurwissenschaften in den blauen Gebäuden untergebracht, doch sind die Hörsäle und Flure nicht etwa mit B für Blau bezeichnet, sondern mit V. Das steht für Veilchenblau. Die Chemiker sind in den gelben Gebäuden zu Hause, der Student folgt aber lieber dem großen S – für Sandgelb.

Hochschulen bereiteten sich vor

Lange haben sich die Hochschulen auf den doppelten Abiturjahrgang vorbereitet. An manchem Campus wird noch zum Semesterstart gewerkelt. So wird die TU Dortmund bis 2015 rund 8600 neue Studienplätze einrichten. Ein Seminar- und Hörsaalgebäude wurde gebaut, zusätzliche Lehrkräfte eingestellt und Räume angemietet. Ein Hörsaalzelt für 600 Studierende bringt Entlastung.

Ähnlich sieht es an den anderen Standorten aus: Für das Wintersemester wurden an der Uni Duisburg-Essen 2500 Extra-Plätze geschaffen, weit mehr als geplant. So können nun insgesamt 7500 Erstsemenster anfangen. 300 Mitarbeiterstellen wurden eingerichtet, Mensen und Bibliotheken erweitert, in Duisburg und in Essen entstehen neue Hörsaalgebäude.

Die Ruhr-Uni in Bochum begrüßt 4500 zusätzliche Studenten. Um sie entsprechend unterzubringen, wurden die Belegungspläne der Räume ausgeweitet, die Uni mietete zusätzlich das Kirchenforum mit 3500 Quadratmetern und baut es zum „Ufo“ (Universitätsforum) aus. Auch in der Innenstadt steht nun ein Gebäude für Veranstaltungen zur Verfügung.

Von einem Engpass könne keine Rede sein

Von einem Engpass könne dank aller Bemühungen „keine Rede sein“, meint der Bielefelder Rektor Gerhard Sagerer. Allerdings: Niemand kann beziffern, wie viele Abiturienten aus NRW nicht den gewünschten Studienplatz an Rhein und Ruhr ergattert haben.

Keine Statistik gibt Auskunft darüber, wie viele Schulabgänger in ein anderes Bundesland „auswanderten“ oder ein Wartejahr einlegten. Das Einschreibeverfahren ist immer noch unübersichtlich. Für die Hochschulen war es durch bundesweite Mehrfachbewerbungen kaum nachvollziehbar, wie groß das Interesse an einem bestimmten Fach einer bestimmten Uni tatsächlich ist.

In Bielefeld etwa kamen rund 45.000 Bewerbungen auf gut 3000 Erstsemester-Plätze. Einige Studienanfänger bekamen dadurch Zusagen ihrer Wunschuni erst, als sie bereits in ein anderes Bundesland ausgewichen waren. Hoffnungen setzt NRW-Wissenschaftsministerin Svenja Schulze (SPD) deshalb in den Aufbau einer bundesweiten Datenbank, die jedoch bislang technisch unausgereift ist.

Doch selbst wenn dieser erste Ansturm einigermaßen gut bewältigt wird – die Probleme werden nicht kleiner. Denn ein Großteil der heutigen Studienanfänger wird nicht mit dem Bachelor-Abschluss nach drei Jahren die Uni verlassen, sondern peilt den weiterführenden Master-Abschluss an. „70 Prozent der Studierenden an den Universitäten wollen nach dem Bachelor weiterstudieren, an den Fachhochschulen 60 Prozent“, sagt Ministerin Schulze. Die dafür nötigen Plätze aber gibt es noch nicht.