Beate Zschäpe rückt im NSU-Prozess wieder mehr in den Fokus

Das NSU-Quartier in Zwickau soll Beate Zschäpe vorsätzlich in Brand gesteckt haben.
Das NSU-Quartier in Zwickau soll Beate Zschäpe vorsätzlich in Brand gesteckt haben.
Foto: WAZ FotoPool
Diese Woche wird Beate Zschäpe wieder stärker in den Mittelpunkt des NSU-Prozesses in München rücken. Der 38-Jährigen wird vorgeworfen, Feuer in einer Zwickauer Wohnung gelegt zu haben. Dort hatte sich das NSU-Trio aufgehalten. Weil eine Frau im Haus hätte sterben können, geht es auch um Mordversuch.

München. Mit vier Zeugen zu den Brandermittlungen in Zwickau wird in dieser Woche die Hauptangeklagte Beate Zschäpe wieder stärker in den Mittelpunkt des NSU-Prozesses in München rücken. Die Bundesanwaltschaft wirft ihr vor, das Feuer am 4. November in der Frühlingsstraße in Zwickau absichtlich gelegt zu haben. Die Ankläger sprechen von einem besonders schweren Fall von Brandstiftung.

Weil sie von der über 80-jährigen Dame gewusst haben muss, die ebenfalls noch in dem Gebäude lebte, ihre Wohnung aber kaum noch verlassen konnte, wird Zschäpe zudem versuchter Mord zur Last gelegt. Insgesamt für drei Fälle, denn an dem Tag als das letzte NSU-Quartier in Flammen aufging, sollen auch noch zwei Handwerker in dem Haus gearbeitet haben.

Zschäpe brachte vor dem Feuer nur ihre Katzen in Sicherheit

Der rechte Terror der NSU Als besonders verwerflich klang im Gerichtssaal bereits vor zwei Woche an, dass die 38-Jähirge aber ihre beiden Katzen vor dem Feuer noch in Sicherheit gebracht hatte. Denn diese übergab die Angeklagte vor ihrem Verschwinden und dem Ausbruch des Brandes einer Nachbarin.

Die Ermittler konnten bis zu 25 Stellen lokalisieren, an denen vor der Verpuffung und dem anschließenden Feuer eine „brennbare Flüssigkeit“ in der Wohnung des Terrortrios ausgegossen wurde. Beim Durchsuchen des Brandschutts fand sich auch ein Zehn-Liter-Benzinkanister, der leer war.

Viele ungeklärte Fragen um den Brand

Rund um das Feuer an diesem 4. November 2011 ranken sich noch immer zahlreiche Fragen. Eine davon ist, woher wusste Beate Zschäpe, vom Tod ihre beiden Kumpanen Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt. Die beiden Neonazis hatte am Mittag desselben Tages die Polizei nach einem Banküberfall in Eisenach in einem Wohnmobil entdeckt. Danach sollen sie sich erschossen haben. So lautet die Ermittlungsversion der damaligen Ereignisse.

Der Tod der beiden trat gegen Mittag ein. Zschäpe soll den Unterschlupf in Zwickau gegen 15 Uhr in Brand gesteckt haben. Ob sie einen Anruf oder eine Mail mit einem Hinweis erhalten hatte, ist bis heute eine der ungeklärten Fragen.

Ermittler fanden vermeintliche Mordwaffe im Brandschutt

Im Brandschutt fanden die Ermittler unter anderem die Ceska-Pistole, mit der die neun fremdenfeindlichen Morde begangen worden sein sollen. Zudem konnten trotz des Feuers zahlreiche Dokumente und Unterlagen des NSU-Trios sichergestellt werden, die den Verdacht nahe legen, dass die Morde von den drei untergetauchten Neonazis begangen wurden.

Am Dienstag ist zudem ein weiterer Vernehmer des Bundeskriminalamtes geladen, der den Mitangeklagten Holger G. als Zeugen befragt hatte. Dem 39-Jährigen wird Unterstützung einer terroristischen Vereinigung in drei Fällen vorgeworfen. Unter anderem soll er dem Terrortrio seinen Reisepass überlassen haben, damit sich die Drei mit falschen Namen Fahrzeuge anmieten konnten.

Holger G. hatte bei seinen Vernehmungen Aussagen zum verdächtigen NSU-Trio gemacht. Er hatte bis zuletzt Kontakt zu Mundlos, Böhnhardt und Zschäpe, will aber von den Verbrechen nichts gewusst haben. Neben dem ebenfalls Angeklagten Carsten S. kommt ihm in dem Verfahren derzeit die Rolle eines Kronzeugen zu.

 
 

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