Bayern: Muslim will für CSU als Bürgermeister kandidieren – was dann passiert, ändert alles

Er hat jetzt den Ärger in Bayern: CSU-Chef Markus Söder.
Er hat jetzt den Ärger in Bayern: CSU-Chef Markus Söder.

Das war dann offenbar doch zu viel für die CSU: Eigentlich wollte der muslimische Unternehmer Sener Sahin für die Partei zur Bürgermeisterwahl im schwäbischen Wallerstein (Bayern) antreten. Jetzt hat er seine Kandidatur zurückgezogen. Als Grund nannte der 44-Jährige starken Widerstand aus den Reihen der Partei.

Dabei sei es allein um seine Religion gegangen, nach dem Motto: "Ein Moslem als Vertreter der Christlich Sozialen Union, das geht doch gar nicht." Das sagte er am Wochenende dem Bayerischen Rundfunk. Was ein positives Signal aus Bayern in Sachen Integration werden sollte, endet nun in einem Skandal.

Bayern: Muslimischer CSU-Kandidat zu fortschrittlich

Er habe von Anfang an gesagt: „Wenn die Mitglieder nicht hinter mir stehen, dann mache ich das nicht“, sagt Sahin. Sie standen nicht hinter ihm. Seit Bekanntgabe des Vorschlags im Dezember habe es in Teilen des Ortsverbandes scharfen Widerstand gegeben. „Wir sind auf dem Dorf und wir sind noch nicht so weit“, sagte der Ortsvorsitzende Georg Kling der „Süddeutschen Zeitung“.

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Der 44-jährige Sahin war vom örtlichen Parteivorstand nominiert und unterstützt worden, allerdings hätten auch 15 Kommunalwahl-Kandidaten der Wallersteiner CSU mit ihrem Rückzug gedroht, falls Sahin zum Bürgermeister-Kandidaten gewählt würde.

Es sollte ein positives Signal aus Bayern sein - und endete als das Gegenteil

Sahin hat in Wallerstein einen Maschinenhandel. Er lebt schon immer in der Region, wurde im nahen Nördlingen geboren und hat türkische Wurzeln. Mit seiner aus einer christlichen Familie stammenden Frau hat er zwei Kinder.

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So unverständlich der Protest gegen ihn sein mag, so loyal reagiert der Ex-Kandidat. Sagt, er wolle nicht, dass der Ortsverband an seiner Kandidatur kaputtgehe. Deswegen habe er sich jetzt dagegen entschieden. Er selbst ist parteilos und wäre bei einer Kandidatur in die CSU eingetreten. Vor einem Jahr sei er gefragt worden, ob er für die Partei antreten wolle. Am Donnerstag hätte er nominiert werden sollen.

Was da in Bayern passiert ist, ist kein Ruhmesblatt für die CSU, das steht fest. Besonders missfallen wird der Partei um ihren Vorsitzenden Markus Söder, wen die Geschehnisse auf den Plan rufen: die AfD. Die nimmt den Fall zum Anlass für die Behauptung: Nicht die AfD ist rechtsextrem (wie es die CSU sagt), sondern umgekehrt.

Der Vorfall aus Bayern ist ein gefundenes Fressen für die AfD

„Was sich nun im bayerischen Ortsverband Wallerstein der Söder-Partei abspielte, erinnert tatsächlich an die NPD“, schrieb AfD-Bundessprecher Jörg Meuthen auf Facebook. Meuthen hält Sahin nach eigener Aussage für „sympathischen und zugleich vollständig integrierten Bürger“. Mehr Integration gehe eigentlich kaum. „Und dennoch ist dieser Mensch der CSU als Repräsentant offenbar nicht gut genug. Er ist zwar Deutscher, er ist längst Bayer, aber er hat nach eigener Auffassung offenbar den 'falschen Namen' und den 'falschen Glauben', um von vielen örtlichen CSUlern voll akzeptiert zu sein.“

Ob Sahin als Bürgermeisterkandidat in der AfD anerkannt worden wäre - fraglich. Dennoch trifft Meuthen hier einen Punkt. Die CSU hat es ihm aber auch sehr leicht gemacht. Partei-Chef Söder reagierte nur mit Unverständnis über die Neuigkeiten aus Wallerstein: „Wer sich zu den Grundsätzen der CSU bekannt hat, der sollte auch ein guter Kandidat sein.“

 
 

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