Banden aus Osteuropa immer häufiger auf Diebestour

Miguel Sanches

An Rhein und Ruhr.  Es gibt zunehmend mehr Wohnungseinbrüche, allein 2012 plus 8,7 Prozent. In diesem Jahr rechnet die Polizei erneut mit einem Anstieg. Die Innenminister wollen den Trend nicht länger klein reden. „Das Thema ist nicht banal“, versicherte NRW-Innenminister Ralf Jäger (SPD) im Gespräch mit der NRZ. Er nehme es „sehr ernst“, gab der Niedersachse Boris Pistorius (SPD) nach der Innenministerkonferenz in Osnabrück zu Protokoll. Der Runde lag eine 36-seitige Analyse einer Bund-Länder-Arbeitsgruppe vor, eingestuft als Verschlusssache und „nur für den Dienstgebrauch“. Alle Fakten und Fragen im Überblick:

Was sagt die Kriminalstatistik?

Sie listet 201 303 Diebstähle in und aus Wohnungen auf. Darunter waren 2012 bundesweit 144 117 Einbrüche. Die Experten sprechen von einem „schwer aufklärbaren Massendelikt“. Eine Trendumkehr wäre für die Polizei der „Idealfall“, die „Herausforderung“, wie es im Vorwort der Bund-Länder-Analyse heißt. Die Zurückhaltung ist logisch. Die Aufklärungsquote betrug nur 15,7 Prozent. Kein Ruhmesblatt. Die Fallzahlen gingen von 1993 bis 2006 erst runter, danach nach oben.

Gibt es regionale Schwerpunkte?

Berlin, Hessen, Niedersachsen und NRW sind am schwersten gebeutelt. Minister Jäger führt den Anstieg auf organisierte Banden aus Südosteuropa zurück. Belegen kann er das nicht. Es gebe aber starke Hinweise dafür. Von einem „großen Dunkelfeld“ geht Jäger zudem aus. Im vergangenen Jahr wurden 18 000 Tatverdächtige ermittelt. Davon waren 71 Prozent Deutsche. Die ausländischen Täter kamen überwiegend aus der Türkei, Serbien, Polen und Rumänien. 11,8 Prozent aller Wohnungseinbrecher waren Drogensüchtige, die sich Geld für den nächsten „Schuss“ beschafften.

Was weiß man über die Täter?

14 Prozent sind weiblich, 17 Prozent Heranwachsende. Einbrecher seien „nach kriminalistischer Erfahrung vielfach Wiederholungs- und Serientäter“, heißt es in der Analyse. Sie klauen vor allem Bargeld und Schmuck und vermeiden Gewalt. Vandalismus spiele „so wie gut wie keine Rolle“. Am häufigsten wird in der „dunklen Jahreszeit“ zwischen Oktober und März eingebrochen, genauer: mittwochs bis freitags, jeweils zwischen 17 und 21 Uhr.

Kann die Polizei mehr tun?

Sie kann an den Tatorten besser Spuren sichern und sie vor allem schneller auswerten, eine Frage der Ressourcen und Prioritäten. Es geht auf Kosten der Strafverfolgung in anderen Bereichen. Die Polizei kann die Ermittlungen zentral führen, die Bevölkerung verstärkt um Hilfe bitten und mehr kontrollieren. Allein, „Streife kostet Personal. Streife kostet Geld. Darüber müssen wir uns im Klaren sein“, beschwor Lorenz Caffier (CDU), Innenminister von Mecklenburg-Vorpommern seine Kollegen. „Wir stecken viele Ressourcen rein, wir müssen besser und schneller zusammenarbeiten“, beteuert Jäger.

Was kann man sonst tun?

Wohnungen und Häuser müssen einbruchssicherer gebaut werden. Caffiers Vorschlag: Die KfW-Bank solle nicht nur die CO2-Sanierung, sondern auch den Einbruchsschutz fördern. Neue Methoden probieren die USA. Seit 2006 setzt die Polizei in Richmond (Virginia) und Memphis (Tennessee) auf Predictive Analytics. Das ist eine Software, um Strukturen und Muster in großen Datenmengen zu erkennen. Es ist eine Analyse der vorangegangenen Einbrüche. Daraus erstellt man Prognosemodelle, wann wo Banden zuschlagen könnten. In Europa kommt Predictive Analytics in Amsterdam und Manchester zum Einsatz. London prüft es, und in Zürich läuft ein Feldversuch.