Bahn warnt vor Stromlücke: Viele Züge können ausfallen

Der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bahn AG, Rüdiger Grube, braucht Strom.
Der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bahn AG, Rüdiger Grube, braucht Strom.
Foto: Michael Gottschalk/ddp
Bahnchef Rüdiger Grube fordert  im Gespräch mit der WAZ-Mediengruppe eine schnelle Entscheidung über Kraftwerk Datteln. Dies liefert bislang 75 Prozent des Bahnstroms, wird aber bald stillgelegt.

Berlin. Millionen Bahnpendler in Nordrhein-Westfalen müssen sich in diesem Winter möglicherweise auf massive Störungen im Berufsverkehr einstellen. An sehr kalten Tagen werden „bis zu 30 Prozent“ weniger Züge fahren können, sollte das Kohlekraftwerk Datteln wie vorgesehen Ende Dezember stillgelegt werden, sagte Bahnchef Rüdiger Grube der WAZ.

Umformer ist erst 2014 fertig

Die drei alten Kraftwerksblöcke, deren Betriebsgenehmigung endet, liefern drei Viertel des Bahnstroms in NRW. Das neue Ersatzkraftwerk Datteln IV darf nach Planungsfehlern laut Gerichtsbeschluss aber nicht ans Netz. Die Bahn hat zwar einen Umformer in Auftrag gegeben, um zeitliche Lücken zu überbrücken – denn Bahnstrom hat eine andere Frequenz als Haushalts- und Industriestrom. Der Umformer sei aber erst Anfang 2014 fertig, sagte Grube: „Wenn die Stilllegung kommt und nichts passiert, ist die Gefahr groß, dass die Bahn an sehr kalten Wintertagen in den Morgenstunden Engpässe bei der Versorgung haben könnte. In solchen Fällen müssen wir, um einen Zusammenbruch des Netzes zu vermeiden, Züge herausnehmen“, sagte Grube. Eine Beratung im Bahnvorstand habe jetzt eine Größenordnung von bis zu 30 Prozent der Züge ergeben.

Grube fordert vom Land eine Ausnahmeerlaubnis, die sogenannte Duldung, damit Werksbetreiber Eon in dem Kraftwerk weiter Bahnstrom produzieren kann. Außerdem müsse „der Duldungsbescheid so ausgeführt sein, dass mögliche Klagen dagegen keine Chance haben“. Bis jetzt aber „haben wir den Entscheid noch nicht, und der Winter steht bevor“, sagte Grube. Die Bahn erwartet bis November Klarheit von der Landesregierung. Der Bahnchef: „Wenn das nicht der Fall ist, werde ich Ministerpräsidentin Kraft um ein Gespräch bitten.“

Für die Bahn AG sei NRW „das wichtigste Bundesland“, in dem sie nicht nur 30.000 Mitarbeiter habe, sondern auch 21 Millionen Fernreisende und 306 Millionen Kunden im Regionalverkehr befördere. Er mache sich deshalb „große Sorgen“ über die zu erwartende Lücke in der Stromversorgung, so der Bahnchef.

Grube wies auf mögliche Finanzierungsprobleme beim geplanten Rhein-Ruhr-Express Dortmund-Köln hin. Er halte das Projekt für sehr wichtig. Aber der Bund werde Schwierigkeiten haben, die mehr als zwei Milliarden Euro dafür zur Verfügung zu stellen.

 
 

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