Bahn-Störungen dauern auch heute an

Thomas Mader, Ulf Meinkeund Philipp Wahl

Essen/Dortmund.  Ein einsturzgefährdeter Bergbaustollen in der Nähe des Essener Hauptbahnhofs hat gestern den Bahnverkehr erheblich behindert. Aus Sicherheitsgründen fuhren dort alle Züge auf einer Länge von 500 Metern nur mit Schrittgeschwindigkeit. Die Folge waren nicht nur in NRW Verspätungen und Umleitungen. Fernzüge konnten die Hauptbahnhöfe in Bochum, Essen und Mülheim/Ruhr nicht mehr anfahren. Die Behinderungen sollen voraussichtlich auch heute über den gesamten Tag andauern.

Der Stollen wurde bei Bauarbeiten entdeckt. Da der Stollen als einsturzgefährdet gilt, werden Fernzüge und ein großer Teil des Regionalverkehrs seitdem umgeleitet. Die zuständige Bezirksregierung Arnsberg wies darauf hin, dass für belastbare Aussagen über Art und Größe der Hohlräume die Ergebnisse der weiteren Bohrungen abgewartet werden müssten. Davon hänge auch die Dauer der Sicherungsarbeiten ab. Seit gestern wird der Stollen mit Beton verfüllt.

Allein bis zum Donnerstagmittag fielen laut Bahn 86 Züge aus, 130 wurden umgeleitet, 530 verspäteten sich. Für den Abend lagen keine konkreten Zahlen vor. Auch die Deutsche Bahn sei überrascht worden, so Sprecher Dirk Pohlmann. Dafür laufe es aber ganz gut.

Die Haftungsfrage ist unklar. Zwar gilt die RWE Service GmbH als Rechtsnachfolger der Zechengesellschaft Victoria Mathias, doch die Bezirksregierung prüft noch, ob der Stollen in deren Verantwortlichkeit fällt. „Wenn das nicht festgestellt werden kann, spricht einiges dafür, dass das Land haften muss“, so Rechtsanwalt Michael Terwiesche von der auf Bergrecht spezialisierten Kanzlei GTW.

„Die Frage, wie mit Tausenden alten Bergbaustollen umgegangen wird, darf kein Glücksspiel werden“, sagte NRW-Grünen-Fraktionschef Reiner Priggen dieser Zeitung. „Wir sollten den Fall zum Anlass für eine systematische Bestandsaufnahme nehmen.“ Nicht nur der Kohlekonzern RAG, sondern auch die anderen Alteigentümer wie RWE, Eon und Thyssen-Krupp seien in der Verantwortung.

Reisende, die Entschädigungen für Verspätungen ab 60 Minuten geltend machen möchten, empfiehlt die Bahn, das „Fahrgastrechte-Formular“ auszufüllen, erhältlich im Service-Center oder unter www.bahn.de